2.03.2014 07:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Fleischrinder
Mutterkuh Schweiz sieht sich durch Revision entlastet
Mutterkuh Schweiz hat auf die Vorwürfe des zurücktretenden Vorstandsmitglied Samuel Oehninger reagiert.

«Unabhängige Finanzkontrolle schafft Klarheit». Unter diesem Titel verschickte Mutterkuh Schweiz am Mittwoch eine Medienmitteilung im Zusammenhang mit den Vorwürfen, welche der per sofort aus dem Vorstand zurückgetretene Samuel Oehninger am Samstag im Interview mit dem «Schweizer Bauer» erhoben hatte.

Das Präsidium von Mutterkuh Schweiz habe eine ausserordentliche Finanzkontrolle angeordnet. «Die Ergebnisse der unabhängigen Überprüfung zeigen, dass die Vorwürfe im ‹Schweizer Bauer› vom 22. Februar 2014 nicht stimmen», so die Mitteilung.

«Reglement eingehalten»

Die Revisionsfirma OBT habe die Sachlage eingehend geprüft und sei zu klaren Schlüssen gekommen. In ihrem Bericht an den Vorstand bestätige sie, dass:

  • «Vorstand, Geschäftsausschuss und Geschäftsführer ihre Kompetenzen gemäss Statuten und Organisationsreglement eingehalten haben;
  • die Kostenposition ‹Aufträge, Gutachten› korrekt ausgewiesen ist und zusätzliche Ausgaben (neues Zuchtwertschätzungsmodell, Vereinsreise, Markenrechtsschutz) klar begründet sind.»

«34'000 statt 125'000 Fr.»

Weiter bestätigt der OBT-Bericht laut der  Mitteilung, dass:

  • «der Gesamtbetrag für Baltic Grassland Beef, Inlandprojekte und weitere Leistungen sich auf 92'000 Franken beläuft (davon 34000 Franken für Baltic Grassland Beef), der Tagesansatz für Projektleitung gemäss Agridea-Tarif aus dem Jahr 2006 (1300 Fr.) verwendet wird und Spesen gemäss effektivem Aufwand verrechnet sind;
  • die Entschädigungen korrekt und direkt an Vianco überwiesen worden sind und Ivo Wegmann keine persönlichen Zahlungen erhalten hat.»

Oehninger hatte im «Schweizer Bauer» gesagt, dass der Vianco-VR-Delegierte Ivo Wegmann seines Wissens total 92'000 Franken erhalten habe, und dass aus seiner Sicht «allein 2012 92'000 Franken plus 34'235 Franken, also über 125'000 Franken, an das Baltic Grassland Beef geflossen sind.» Mutterkuh Schweiz dagegen betont nun, dass die 34'000 Franken für Baltic Grassland Beef Teil von 92'000 Franken für Baltic Grassland Beef, Inlandprojekte und weitere Leistungen gewesen seien. 

«Vorwürfe sind widerlegt»

Auch habe OBT festgestellt, dass «alle Dokumente, Arbeitsrapporte und Belege vorliegen und die Rechnung korrekt und übersichtlich geführt ist». Mutterkuh Schweiz kommt zum Schluss: «Die Unterstellungen von Samuel Oehninger, es seien Kompetenzen überschritten worden, sind unhaltbar. Damit sind die Vorwürfe widerlegt und die Beträge richtiggestellt.»

Keine Antwort auf Fragen

Der «Schweizer Bauer» richtete mehrere Nachfragen zum Communiqué an Mutterkuh Schweiz, darunter: «Von den 92'000 Franken haben einzig die 34'000 Franken, welche in die Projektkasse von Baltic Grassland Beef gingen, direkt oder indirekt mit Baltic Grassland Beef zu tun?», «Mutterkuh Schweiz hat dem Projekt Baltic Grassland Beef, abgesehen von zweimal rund 30'000 Franken in die Projektkasse, zu keinem Zeitpunkt  weitere direkte oder indirekte finanzielle Unterstützung zukommen lassen?», «Für welchen Zeitraum hat OBT die Sachlage geprüft?» Weder Daniel Flückiger, Leiter Kommunikation von Mutterkuh Schweiz, noch Corsin Farrér, Präsident von Mutterkuh Schweiz, wollten diese Fragen beantworten.

Flückiger sagt, der Vorstand habe den Bericht der OBT entgegengenommen und komme seiner Informationspflicht an der Vereinsversammlung am 26. März nach. Farrér verwies auf das genannte Communiqué vom Mittwoch, insbesondere auf die Feststellungen der externen Revisionsstelle OBT.

Oehninger: «Und vorher?»

Der aus dem Vorstand zurückgetretene Oehninger hält nach wie vor an seiner Kritik fest: «Man hat noch immer keinen reinen Tisch gemacht. Denn es wurden nur die neusten Vorgänge offengelegt, die ja bisher sogar abgestritten worden waren.» Doch das Baltic Beef gebe es bereits seit 2005. Hier stelle sich die Frage, was in diesem Zeitraum alles ans Baltic Beef und insgesamt ans Baltikum bezahlt worden sei.

«Nicht unabhängig»

Oehninger kritisiert auch, dass die ausserordentliche Finanzkontrolle von der OBT durchgeführt wurde. «Dabei handelt es sich meiner Ansicht nach nicht um eine wirklich unabhängige Gesellschaft, denn die OBT ist und war schon bisher die Revisionsgesellschaft von Mutterkuh Schweiz und meines Wissens auch der Vianco.»

Zudem sei die OBT ja auch Revisionsstelle der Mutterkuh Schweiz während der Zeit der fraglichen Vorgänge gewesen, «und eine ausserordentliche Finanzkontrolle wäre ja kaum nötig gewesen, wenn damals alles korrekt verlaufen wäre», so Oehninger. Er sagt:«Es bräuchte eine wirklich unabhängige und umfassende Überprüfung dieser Vorgänge durch neue aussenstehende Fachleute.»

«Belege gesehen»

Oehninger sagt, er und zwei andere Vorstandsmitglieder hätten letztes Jahr Einsicht in die Buchhaltung von Mutterkuh Schweiz genommen. «Wir haben zwei Belege gesehen, auf denen Ivo Wegmann mit seinen Arbeitstagen und Spesen aufgeführt war, mit einer Totalsumme von 92'000 Franken. Keine Details zu Datum, Ort, Zeit der Arbeit und keine einzige Spesenquittung waren aufgeführt.»

Unbestritten sei zudem die Tatsache, dass Mutterkuh Schweiz den Aufbau von Konkurrenz im Ausland ohne Gegenleistung finanziell unterstützt habe. «Schon deshalb stellt sich die Frage, inwieweit dies zulässig ist», sagt Oehninger.

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