24.04.2018 15:35
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Tiertransport
Rinder 20 Stunden in Transporter
Viehtransporte dürfen in der Schweiz nicht länger als 8 Stunden dauern. Ein Walliser Transporteur liess Rinder 20 Stunden eingesperrt, berichtet der TV-Sender SRF. Der Kanton Graubünden bietet als Lösung einen «Pausenstall» an. -> mit TV-Bericht

Die überwiegende Mehrheit der Transporteure hält sich an den Regeln. Diese besagt, dass ein Nutztier ausgeladen werden muss, wenn der Transport länger als 8 Stunden dauert. Zudem müssen die Tiere gefüttert und getränkt werden.

Aufwändige Sammeltransporte

In Randregionen kommt es wegen der aufwändigen Sammeltransporten zuweilen zu leichten Überschreitungen, schreibt SRF in einem Onlinebericht. Die Transporteure fahren mehrere Viehhalter an, bis das Fahrzeug voll ist. Anschliessend kommt noch die Fahrt bis in die Schlachthöfe im Mittelland hinzu.

Das Westschweizer Fernsehen hat einen schwerwiegenden Fall aufgedeckt. Auf Basis von Aufnahmen der Tierschutzorganisation MART hat das Veterinäramt des Kanton Wallis eine Strafanzeige eingereicht.

STS: 250 Transport-Kontrollen pro Jahr

Der Unternehmer liess die Tiere im Februar über Nacht im Camion, und dies offenbar mehrmals. Insgesamt waren sie während 20 Stunden eingesperrt - ohne Wasser und Futter. Gegenüber dem Westschweizer Fernsehen nimmt Transporteur André Schwitzguebel Stellung zum Vorfall: «Das ist wegen der langen Distanzen, da kann man nicht schneller sein.» Er sei in der Zwickmühle zwischen den Öffnungszeiten der Schlachthöfe und der Geografie des Wallis. «Das ist nicht einfach», so der Unternehmer zur TV-Station.

Dem stimmt auch Anne-Kathrin Witschi vom Kontrolldienst des Schweizer Tierschutzes zu. Viele Transporteure würden aber das Problem lösen, indem sie die Tiere einstallen und so die Zeiten einhalten. Das Einhalten der Transportzeiten beruht auf dem System Vertrauen. Eine Kontrolle sei daher nicht einfach, so Witschi. 250 Transport-Kontrollen pro Jahr macht der STS im Auftrag von verschiedenen Labels wie Coop Naturafarm oder IP-Suisse.

Keine Schlachthöfe in Bergregionen

Peter Bosshard, Geschäftsführer vom Schweizer Viehhändler-Verband führt noch einen weiteren Grund für die langen Transportzeiten auf. In den Randregionen würden oft die Schlachtkapazitäten fehlen. Dies ist insofern problematisch, weil der Label-Anteil in den Berggebieten hoch ist. Die Abnehmer der Label würden dann bestimmen, wo geschlachtet wird, macht Bosshard deutlich. Und das ist eben bei Bell (Coop) in Oensingen SO, bei der Micarna (Migros) in Estavayer FR oder bei der Ernst Sutter AG (Fenaco) in Bazenheid SG.

Bei der Bell in Oensingen wurden die langen Transportzeiten nicht bemerkt. «Wenn alle Akteure ihre Angaben, die korrekt sein sollten, eben ‹optimieren›, für uns das Ganze aber trotzdem plausibel ausschaut und die Tiere normal aussehen, dann merken wir das nicht», sagt Marco Jäggi, leitender Amtstierarzt am Schlachthof Oensingen, gegenüber SRF.

Pausenstall in Cazis

Der Kanton Graubünden, in welchem auch viele Sammeltransporte stattfinden, hat reagiert. In Cazis wurden ein «Pausenstall» eingerichtet. Für einen Franken pro Tier und Stunde können Rinder und Kälber eingestallt werden. «Mit diesem Angebot kann kein Transporteur mehr die Entschuldigung vorbringen, es habe Stau oder Schlechtwetter gehabt», sagt Kantonsveterinär Rolf Hanimann zu SRF. So sei für alle ein Transport in der Legalität möglich, fährt er fort.

Die Konsumentensendung «Kassensturz» auf SRF 1 berichtet ab 21.05 Uhr über das Thema.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE