21.07.2017 09:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Freiburg
Sie hat die Stiere fest im Griff
Wenn Rahel Thévoz-Tobler den Ring betritt, dann staunen viele nicht schlecht. An ihrer Seite läuft oft ein stattlicher Stier. Die Teilnahme an Fleischrinderwettbewerben gehört zur grossen Leidenschaft der Agronomin.

«Anderen macht es Eindruck, wenn ich als Frau an Ausstellungen einen Stier vorführe, für mich ist es aber nichts Spezielles», sagt die 27-Jährige aus Murist FR. Sie sei damit aufgewachsen.

Für sie kein Unterschied

Denn wann immer möglich, nimmt die ganze Familie Tobler gemeinsam mit ihren Simmentalern erfolgreich an Ausstellungen teil (auch schon im Ausland). Angefangen hat sie mit dem Vorführen der Kälber, währenddem ihr Vater die Muttertiere präsentiert hat. Später nahm sie die Rinder und Kühe an die Hand und schlussendlich auch die Stiere.

«Für mich war immer klar, dass ich auch Stiere vorführen werde», sagt die passionierte Viehzüchterin. Wann sie das erste Mal mit einem Stier im Ring lief, weiss sie nicht mehr genau, zwischen 15 und 16 Jahren, schmunzelt sie. Ob Rinder, Kühe oder Stiere, mache für sie keinen Unterschied beim Vorführen. «Ich gehe an jedes Tier gleich heran, ob Kuh oder Stier», so Thévoz-Tobler. Zudem trainiere man vorher zu Hause mit den Tieren. Vor dem grossen Auftritt im Schauring werden Thévoz-Toblers Tiere zuerst an das Halfter gewöhnt, sie lernen angebunden zu sein.

Zu zweit trainieren

Wenn das klappt, wird in einem kleinen, gut eingezäunten Bereich, am besten mit Panels, das Laufen gelernt. Dabei wird auf jedes Tier eingegangen. «Bei manchen klappt es von ganz alleine, andere brauchen mehr Zeit und am Anfang einen erfahrenen Artgenossen, der vorausläuft», so Thévoz-Tobler. Trainiert wird mindestens zu zweit, so sind helfende Hände nicht weit, wenn bei Bedarf etwas gezogen oder gestossen werden muss.

«Doch die Vorbereitung fängt eigentlich schon bereits weit vorher im Kälberalter und zwar im täglichen Umgang mit den Tieren an», betont Thévoz-Tobler. Beim Füttern und Einstreuen des Strohs werden die Tiere angefasst und gestreichelt.

Tiere im Blick haben

«Wir haben zu allen unseren Tieren einen sehr engen Kontakt», fährt sie stolz weiter. Im Training und später dann im Ring spreche sie immer mit ihnen, «wenn wir still stehen müssen kraule und beruhige ich sie.» Während der Ausstellung selber müsse man erstens auf sein eigenes Tier konzentriert sein und zweitens immer einen Blick auf die anderen rundherum haben.

«Kritische Situationen entstehen meist erst im Zusammenhang mit anderen Tieren», erklärt Thévoz-Tobler. Bei ihr sei ausser ein paar blauen Zehen noch nie etwas passiert. «Man muss immer im Kopf haben, dass ein Tier immer auf die Umwelt reagieren kann», sagt die junge Ehefrau.

Nicht in Gefahr bringen

Gerade wenn die Rinder den Ring verlassen können, kann Hektik aufkommen. Jedes Tier will als Erstes raus. In solchen Situationen ist es auch schon vorgekommen, dass sie den Führstrick losgelassen hat. «Meine Sicherheit ist mir wichtiger, als einen Muni um jeden Preis halten zu können, und ich bringe mich nicht in Gefahr», sagt sie bestimmt. Zudem habe es an Ausstellungen wie der Swiss Open überall Absperrungen, welche die Tiere bremsen würden.

Bei der Teilnahme an Ausstellungen geht es ihr nicht in erster Linie um Titel und Siege. «Ich mache mit, weil es mir Spass macht, mit den Tieren zu arbeiten und den Leuten unsere Zucht und Arbeit zu zeigen», begründet sie ihre Motivation. Zudem seien die Ausstellungen eine Leidenschaft der ganzen Familie. 

Familie gross geschrieben

«Wenn man als ganze Familie mitmachen plus noch die eigenen Tiere präsentieren kann, was will man dann noch mehr?», strahlt Thévoz-Tobler. Familie wird bei den Thévoz-Tobler grossgeschrieben. Der elterliche 25-ha-Betrieb mit den rund 150 Tieren wird in einer Generationengemeinschaft bewirtschaftet. Während Rahels Mann zu hundert Prozent und ihr Vater teilweise auf dem Betrieb sind, arbeiten sie und ihre Mutter auswärts. Bei Bedarf sind zusätzlich auch ihre Geschwister mit Partnern behilflich. 

Dies vor allem in der Direktvermarktung des Rindfleisches und natürlich an den Ausstellungen und den vorherigen Vorbereitungen oder weiteren Arbeiten auf dem Betrieb und der Fleischrinderzucht. Es sei schön, wenn man mit den Eltern zusammenarbeiten und von ihren Erfahrungen profitieren könne. «Es gefällt mir, dass mehrere Generationen an einem gemeinsamen Projekt arbeiten und wir etwas weiterführen können, das von den Eltern aufgebaut wurde», erzählt Thévoz-Tobler. Auch wenn die junge Mutter gerade nicht mit ihren Stieren im Schauring ist, dreht sich bei ihr vieles um die Fleischrinderzucht in der Schweiz. 

«Eher aktiv als passiv»

Als Präsidentin der Jungzüchter Mutterkuh Westschweiz organisiert sie mit einem Team unter anderem die Beef Expo Lausanne. Daneben ist sie im Vorstand des Organisationskomitees «La ferme en ville», welches alle zwei Jahre eine Viehausstellung in der Stadt Estavayer-le-Lac organisiert und im Vorstand des Vernetzungsprojektes ihrer Gemeinde. «Ich engagiere mich gerne für Sachen und bin wohl eher aktiv als passiv», lacht sie.

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