29.05.2019 19:12
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Polen
Staatschef setzt sich für Kühe ein
In Polen sorgen frei lebende Kühe für Aufregung. Eigentlich sollten die rund 180 Tiere geschlachtet werden. Tierschützer versuchen, die Rinder zu retten. Nun setzt sich auch der Staatschef für die Vierbeiner ein.

Das kleine Dorf Deszczno ist in Polen seit Wochen im Fokus. Ein rund 180 Tiere zählende Kuhherde hält Veterinärbehörde, Tierschützer und nun neuerdings die Politik auf Trab.

Tiere sollten getötet werden

Die Kühe gehörten einst einem Bauern. Dieser vernachlässigte die Tiere und liess diese unbeaufsichtigt. Die Kühe haben sich im Laufe der Jahre laufend vermehrt. Die Vierbeiner tauchten immer mehr auf Feldern auf und erschreckten Kinder und Wanderer. «Irgendwann hat jemand eine Anzeige gegen den früheren Besitzer gestellt», berichten Einheimische gegenüber moz.de.

Das Verfahren wegen Tierquälerei gegen den Bauern wurde erst in diesem Jahr abgeschlossen. Das Gericht im Gorzów untersagte ihm für drei Jahre den Besitz von Nutztieren. Für die örtlichen Behörden war dies ein Startsignal, um gegen die Kühe vorzugehen. Anfang Mai wurde beschlossen, die Tiere zu töten und zu entsorgen. Grund: Die Herde wurde jahrelang nicht untersucht.

Gefahr für andere Tiere

Sie stellt aus der Sicht der Behörde eine Gesundheits-Gefahr für andere Nutztiere dar. Das polnische Landwirtschaftsministerium hat gemäss moz.de bereits 350’000 Zloty (rund 91’300 Franken) für die Tötung zur Verfügung gestellt. Die Tiere wurden in eine Weide mit Umzäunung getrieben.

Doch nun geriet die wilde Kuhherde erst in den Fokus der Öffentlichkeit. Aus ganz Polen gingen Angebote ein, einzelne Tiere zu adoptieren. Tierschützer waren reisten nach Deszczno und setzten sich für das Überleben der Kühe ein.

«Wir drücken der Herde die Daumen»

Und setzt sich auf die Politik für die Tiere ein, wie die ARD berichtet. PiS-Parteichef Jaroslawl Kaczynski, dessen Wort in Polen besonderes Gewicht hat, zeigte sich im staatlichen Fernsehen. «Ich habe interveniert, weil es für mich selbstverständlich ist, dass man diese Kühe retten muss», sagt er. «Das ist eine Frage der Humanität und eine Frage der Beziehungen unserer Regierung zu Menschen, die Tiere lieben», sagte Kaczynski weiter. 

Tierschützer sagten, dass die Kühe dank dem Zaun keine Gefahr mehr für die Bevölkerung mehr darstellen. Wie es mit den Rindern nun weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Aber die Überlebenschancen sind weiter gestiegen. Denn nun hat sich auch Staatspräsident Andrzej Duda zu Wort gemeldet. 

«Obwohl die EU-Vorschriften uns zwingen, die Tiere zu töten», schrieb er auf Twitter, «werden wir eine Lösung finden: Polak potrafi – wir Polen schaffen das, und drücken der Herde die Daumen.» 

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