3.04.2014 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Mutterkuh Schweiz
«Wir werden unsere Strukturen überprüfen»
An der Vereinsversammlung von Mutterkuh Schweiz wurde Mathias Gerber zum Präsidenten gewählt. Der Simmentalzüchter möchte mit Coop und Bell das Angebot ausdehnen. Der Markt sei noch nicht gesättigt.

«Schweizer Bauer»: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl! Wie fühlen Sie sich als Präsident von Mutterkuh Schweiz?
Mathias Gerber: Sehr zuversichtlich und natürlich erfreut.

Wie lange mussten Sie überlegen, bevor sie zusagten, sich zur Wahl zu stellen?
Nach der Anfrage durch den Vorstand im Dezember 2013 nahm ich mir eine Woche Zeit, um mit meiner Familie zu sprechen und mir Gedanken zu machen, wie ich die Aufgabe mit meinen bisherigen Tätigkeiten und dem Hof vereinen kann.

Und Sie kamen zum Schluss, dass das geht?
Ich werde das Amt des Gemeindeschreibers aufgeben. Auf dem Hof läuft alles weiter wie bisher. 

Was wird nun Ihre erste Amtshandlung sein?
Dem «Schweizer Bauer» ein Interview geben.

In den letzten Wochen gab es einige Vorwürfe an den Vorstand von Mutterkuh Schweiz. Wird das Ihre Arbeit noch beeinflussen, oder möchten Sie das Kapitel abhaken?
In den Regionalversammlungen und den Versammlungen der Rassenclubs konnten wir die Sichtweise von Mutterkuh Schweiz darlegen. Die Vereinsversammlung hat zwar zu einigen Diskussionen geführt, im Endeffekt aber die Stossrichtung von Mutterkuh Schweiz bestätigt. Dass der Antrag gestellt wurde, sich weiterhin an Baltic Grassland Beef zu beteiligen, und dass dieser Vorschlag deutlich gutgeheissen wurde, ist für mich ein klares Zeichen. Die Basis hat verstanden, wie wichtig für uns die Zusammenarbeit mit unseren Partnern Coop und Bell ist. Bell und Coop setzen voll und ganz auf unsere Produkte. Unsere Marken sind ein Aushängeschild. Sie zeigen, wie gut solche Programme funktionieren und dabei für alle Beteiligten gewinnbringend sind.

Wie geht es nun mit Baltic Grassland Beef weiter?
Wir werden den Beschluss im Vorstand diskutieren. Der Beitrag von Mutterkuh Schweiz  wird sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen wie bisher.

Welche Folgerungen ziehen Sie aus den Geschehnissen?
Die ersten Schritte diesbezüglich hat der Vorstand bereits vor der Mitgliederversammlung eingeleitet. Unsere Vereinigung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Seit ich 1997 beigetreten bin, hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Von familiären Strukturen sind wir zu einer Organisation herangewachsen, die heute Verantwortung trägt für 5500 Landwirtschaftsbetriebe. Wir werden darum unsere Strukturen und Abläufe überprüfen und nötige Schritte für Anpassungen einleiten.

Mutterkuh Schweiz ist erfolgreich, die Mitgliederzahlen nehmen zu und auch die Zahl vermarkteter Tiere. Wie lange geht das noch so weiter?
Die Perspektiven sind weiterhin sehr gut. Bei Natura-Veal besteht noch Ausbaupotenzial, längst nicht alle Coop-Filialen haben es im Angebot. Die Produktion hält hier nicht mit der Nachfrage mit. Auch bei den schwereren Schlachtkörpern von Tieren, die in die Ausmast gehen, tut sich was. Bereits heute werden bei Bell 20 dieser Tiere pro Woche geschlachtet, mit dem Ziel, ein neues Angebot in diesem Bereich zu schaffen.

Ein neues Label?
Vermutlich ja.

Haben Sie keine Angst, zu erfolgreich zu werden und ein Überangebot zu schaffen?
Mutterkuh Schweiz hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sehr vorausschauend und langfristig geplant wurde. Dies wird auch die Herausforderung der kommenden Jahre sein. Neue Absatzmöglichkeiten müssen dann geschaffen werden, wenn in den bisherigen Kanälen noch ein leichtes Unterangebot besteht.

Was tun Sie, damit das Vertrauen der Bevölkerung so gross bleibt, wie es ist?
Peter Schneiter, Leiter von der Beef Control, sagt es immer wieder sehr präzise: «Nicht nur sagen, was wir tun, sondern auch machen, was wir sagen!» Das Bild von den weidenden Tieren, die sich wohlfühlen und artgerecht gehalten werden, muss auch auf unseren Betrieben stimmen.

Mit der Zahl der Mitglieder ist auch die Zahl der Fleischrinderrassen unter dem Dach von Mutterkuh Schweiz gestiegen. Macht das Sinn?
Wir schreiben niemandem eine Rasse vor. Jeder ist frei, welche Kuh er halten will. Er muss sich einfach bewusst sein, dass sich nicht alle Rassen für die Markenprogramme eignen.  

Die Züchter setzen sich teilweise stark für die Förderung «ihrer» Rassen ein. Wie heikel ist der Umgang mit diesem Konkurrenzdenken für Mutterkuh Schweiz als Dachorganisation?
Dass sich die Züchter für ihre eigene Rasse einsetzen, ist verständlich. Dieser Wettbewerb hilft uns, auch in der Zucht Fortschritte zu machen. Sich gegenseitig messen hat für mich etwas Gutes. Es ist aber wichtig, dass die Züchter verstehen, dass der Motor in der Mutterkuhhaltung der Absatz am Ladentisch ist. Laufen die Markenprogramme gut, liegt auch ein hoher Mehrwert für die Züchter drin.

Sie bewirtschaften einen Betrieb mit Simmental-Mutterkühen und sind erfolgreicher Züchter. Wird man Sie an der nächsten Swissopen wieder im Ring sehen? Wie viel Zeit bleibt noch für den Betrieb?
Auch ich werde meine Tiere weiterhin vermarkten. Ich verkaufe einen grösseren Teil von ihnen in die Zucht, darum wird man mich sicher ab und zu auch in den Stallkleidern beim Bereitmachen eines Ausstellungstieres oder eines Zuchtmuni sehen.

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