27.08.2020 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
«Züchte Simmentaler mit viel Milch»
Peter Knüsel aus Rotkreuz LU erzielte im vergangenen Jahr mit seinen Kälbern mit 1644g die höchsten Tageszunahmen bei den Simmental-Fleischrindern. Dies dank guter Fütterung und der richtigen Genetik.

Peter Knüsel aus Rotkreuz züchtet Simmental-Fleischrinder. Und das erfolgreich. Er erzielte 2019 mit seinen Kälbern mit durchschnittlich 1644g die höchsten Tageszunahmen (TZ205, siehe Kasten) von allen Simmental-Betrieben im Herdebuch von Mutterkuh Schweiz.

Mit dem Stierkalb Uno, geboren 2009, stellte er damals mit 1970g einen Rekord bei den TZ205 der Rasse Simmental auf. Heute ist Uno auf Position 23 bei allen 12'947 seither gewogenen Simmentalern, darunter auch Tiere, die nicht ins Herdebuch aufgenommen wurden. Bei den ins Herdebuch aufgenommenen Tieren liegt Uno auf Rang 3 und ist damit immer noch auf dem Podest. 

Im Schnitt VG 89

Das Absetzgewicht der Kälber auf dem Betrieb Knüsel lag 2019 bei hohen 373kg. Und auch bei den Reproduktionsleistungen der 25 Kühe ist der Züchter  vorne dabei mit einem Erstkalbealter von durchschnittlich 25 Monaten und Zwischenkalbezeiten von 366 Tagen. Ebenso beeindruckend sind   die Durchschnittsnoten bei der linearen Beschreibung von 89 im Format, 88 bei der Bemuskelung, 91 im Fundament und somit die sehr gute Synthesenote VG 89.

Dabei  hat der Landwirt keineswegs Zeit, den ganzen Tag im Stall zu sein. Neben der Fleischrinderzucht führen er und seine Familie  in der Festhütte «’s Näscht» Partyanlässe durch.

20 Prozent Code-60-Kühe

Dennoch: Mit der Zucht und Haltung von Simmentalern hat Peter Knüsel Erfahrung. 30 Jahre sind es. In diesen hat sich herauskristallisiert, was für den Erfolg wichtig ist: «Mein Ziel sind mittelschwere Kühe mit rund 800kg Gewicht. Dafür setzen wir auf künstliche Besamung und kreuzen auch internationale Stiere ein  für genetisch hornlose Tiere mit höherem Anteil an wertvollen Fleischstücken.»

Ein Fünftel der Kühe trage aber Code 60, sei also reine Schweizer Genetik, und auch die übrigen Tiere würden noch wenig Schweizer Blut tragen. «Schweizer Stiere vererben mehr Milch, schöne Euter und gute Fundamente. Das zählt ebenso.»

Kälber gut füttern

Gerade die Milchleistung der Kühe  sei wesentlich für gute Tageszunahmen der Kälber, ist Peter Knüsel überzeugt: «Ich nehme die Tiere, die nicht auf der Alp sind, auch im Sommer jeden Tag in den Stall und füttere Heu zu. Die Kälber und die frisch gekalbten Kühe erhalten an der Station etwas Getreide. Das braucht es für diese Leistungen. Im Winter erhalten die Tiere Grassilage, Heu, Emd und etwas Mais.» 

Für die Tageszunahmen gibt es eine Zuchtwertschätzung

Für die Ermittlung der TZ205 werden die  Kälber  im Rahmen der Fleischleistungskontrolle auf den Herdebuchbetrieben mit 90 bis 320 Tagen gewogen. Die Resultate werden auf 205 Tage standardisiert und so vergleichbar. «Obligatorisch erhoben werden die Tageszunahmen bei den zwölf Rassen Angus, Aubrac, Braunvieh, Charolais, Limousin, Simmental, Grauvieh, Hereford, Luing, Piemontese, Shorthorn und Salers», erklärt Svenja Strasser, bei Mutterkuh Schweiz für die Leitung des Fleischrinderherdebuchs verantwortlich.

«Mit den TZ205-Daten erfolgt eine Zuchtwertschätzung für das Absetzgewicht direkt (AGD) und das Absetzgewicht maternal (AGM). Das Wachstum des Kalbes, das sich im AGD widerspiegelt, sowie die Milchleistung der Mutterkuh im AGM sind relevante Merkmale für die Selektion», so Svenja Strasser weiter. «Umso besser ist es, dass wir im April 2020 erstmals genomische Zuchtwerte für das AGD bei der Rasse Limousin schätzen konnten.» Die Erblichkeit für das Merkmal AGD liegt im mittleren Bereich, für AGM im tieferen. Umweltfaktoren würden neben der Genetik die Tageszunahmen beeinflussen, betont Svenja Strasser: «Dies sind in erster Linie Geburtsmonat, Geschlecht, Laktationsnummer der Kuh, Produktionszone, Sömmerung, die Betriebsausrichtung – ÖLN oder Bio – und eine allfällige Mehrlingsgeburt. Aber auch Betriebseffekte wie die Fütterung. Diese Faktoren werden bei der Zuchtwertschätzung herauskorrigiert.» sum

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