17.03.2013 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Viehzucht
Züchter wechseln den Zuchtverband
Schweizweit zählt man weniger als 500 Evolèner-Tiere. Ein Zerwürfnis zwischen Züchtern sorgt für Gesprächsstoff. Zwei Zuchtgenossenschaften haben sich der Rettung und Erhaltung des Evolèner-Viehs verschrieben.

Während einerseits die Original-Evolèner-Viehzuchtgenossenschaft Wallis 1 (OEZG) unter ihrem Präsidenten Helmut Kiechler aus Blitzingen VS vehement auf Reinzucht drängt, möchte andererseits der Evolèner-Zuchtverein (EZV) mit ihrem Präsidenten Godi Fankhauser aus Rüschegg-Gambach BE ebenfalls Zuchtfortschritte erzielen.

Geteiltes Herdebuch

«Um vom Image der Hobby-Tierhalter wegzukommen», wie Fankhauser betont, hat der EZV nun mit Swissherdbook eine Vereinbarung unterzeichnet. Die Evolèner gelten dort  als eine neue Sektion.

Das Herdebuch der OEZG wird dagegen weiter vom Züchterverband für seltene Nutztierrassen (ZVSNR) geführt. Schliesslich gibt es auch noch Tiere, die mit dem Code EVO im Eringer-Herdebuch aufgeführt sind, wo sie jedoch nicht als eigenständige Rasse oder Sektion anerkannt sind. Oft genügen schon ein paar weisse Haare, um den Code EVO zu erhalten. Bis vor rund 150 Jahren galten Eringer und Evolèner als eine einzige Rasse.

Einzig zwei Züchter aus dem Unterwallis haben die von den Eringerzüchtern verpönten Evolèner gerettet. Trotz Geldstrafen hielten sie hartnäckig an ihrer Rasse fest, verbrachten gar die Nächte mit einer Waffe in der Hand im Stall schlafend, um eine Zwangskastration ihrer Stiere zu verhindern. Die Trennung der beiden Evolèner-Zuchtgenossenschaften erfolgte bereits im Jahr 2001, unter anderem weil Walliser Züchter laut Kiechler «nicht ohne Grund» Freunden der Rasse von ausserhalb des Kantons argwöhnisch gegenüberstanden.

Evolèner oder nicht?

Ein Stier namens Molosse, der im Eringer-Herdebuch mit dem Code EVO aufgeführt war und in Evolène VS gezüchtet wurde, führte letztes Jahr zu einer erneuten Eskalation des Streits zwischen den beiden Evolèner-Organisationen.

Bei Molosse handelt es sich um einen unifarbigen Stier mit einem Eringer-Blutanteil von 37,5 Prozent im Besitz eines EZV-Mitglieds. «Das ist weit weg von den tolerierbaren 6,25 Prozent», schreibt Andreas Zingg, Präsident des ZVSNR, in einer Stellungnahme. (In der am 1. Januar 2013 in Kraft getretenen Tierzuchtverordnung werden Tiere bis zu einem Fremdblutanteil von 12,5 Prozent als reinrassig toleriert.) Molosse, und mit ihm sämtliche Nachkommen, wurden aus dem Herdebuch ausgeschlossen. Die Delegierten des ZV SNR haben einen Rekurs gegen den Ausschluss von Molosse abgelehnt.

Manipuliert oder Fehler?

Die OEZG hat schwere Vorwürfe gegen Vertreter des EZV erhoben. Helmut Kiechler spricht gar von «einseitiger Nicht-Einhaltung der Herdebuch-Vorschriften bis hin zu vorsätzlicher Manipulation von Herdebuch-Daten». Bis zu einer Herdebuch-Bereinigung im November 2011 galt allgemein die Regel, dass Tiere, die aussehen wie Evolèner, das heisst über die typische weisse Färbung an Beinen und Bauch verfügen und den weissen Stern auf der Stirn tragen, in ein Vorregister aufgenommen werden konnten.

Bei genetisch wertvollen Tieren waren Ausnahmen möglich, das heisst auch mal ein unifarbiges Tier zulässig. «Um Ausnahmen zu bewilligen, hätte aber ein Antrag an die Grossviehkommission des ZVSNR gestellt werden müssen», sagt Kiechler.

Eklat begann bei Ausstellung im April 2011

Hugo Raaflaub vom EZV weist die Anschuldigungen vehement von sich. Der erneute Eklat habe mit einer Ausstellung begonnen, die am 30. April 2011 in Naters VS stattgefunden hat. Teilnehmen durften Züchter beider Organisationen, rangiert wurden aber, wie bereits im Vorfeld der Ausstellung kommuniziert wurde, nur Tiere der OEZG, was aber trotzdem zu einer handfesten Auseinandersetzung führte. Nur zehn Tage später sei der Stier Molosse vom ZVSNR, per Verfügung aus dem Herdebuch ausgeschlossen worden.

Um die Evolèner-Rasse zu erhalten, muss trotz unterschiedlicher Meinungen und Herdebüchern zumindest ein Weg gefunden werden, ein gemeinsames Ziel umzusetzen.

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