15.04.2020 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Ausstieg aus dem Kükentöten
Bis Ende 2020 sollen rund 260 Millionen Freilandeier aus Produktionsverfahren ohne Kükentöten stammen. Auch „Bruderhahn-Projekte“ sollen ausgebaut werden , so das Ziel der Supermarktkette Rewe.

Die Supermarktkette Rewe und ihr Tochterunternehmen Penny wollen ihre Aktivitäten zum Ausstieg aus dem Kükentöten forcieren. Wie Rewe am Dienstag vergangener Woche  mitteilte, ist die Umstellung sämtlicher Freilandeier auf Lieferketten geplant, die ohne das Kükentöten auskommen. Mit diesem Vorhaben verfünffache sich die Anzahl der Freilandeier, die unter der Eigenmarke „respeggt“ in den Supermärkten verkauft würden, bis Ende des Jahres auf rund 260 Millionen Stück. Damit stamme dann bereits jedes zweite Frischei aus dem Eigenmarkensortiment aus Produktionsverfahren ohne Kükentöten, hob Rewe hervor.

Parallel zur geplanten Ausweitung des Angebots steigt laut dem Unternehmen die Anzahl der „respeggt“-Legehennen von aktuell 1 Million auf bis zu 4 Millionen Tiere bis Ende 2020. Sämtliche Legehennen kämen aus der „respeggt“-Brüterei in Barneveld, in der das SELEGGT-Verfahren zur Geschlechtsbestimmung am neunten Bruttag angewendet werde. Bei dem Verfahren werde das Geschlecht schon im Brutei bestimmt, so dass männliche Küken nicht ausgebrütet werden müssten.

Eier-Kapazitäten schaffen

„Die Rewe Group ist weltweit führend im Kampf gegen das Kükentöten“, erklärte Bartholomäus Malcherek, Bereichsleiter bei der Rewe Group. Die angestrebte Umstellung sämtlicher Freilandeier bis zum Ende dieses Jahres sei - insbesondere vor den noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Spätfolgen der Corona-Krise - ein extrem ambitioniertes Ziel. Erreicht werden solle es, indem die beiden Säulen „Bruderhahn-Projekte“ und „Geschlechtsbestimmung im Brutei am neunten Bruttag“ ausgebaut würden.

SELEGGT Geschäftsführer Ludger Breloh wies darauf hin, das Rewe mit Hochdruck daran arbeite, entsprechende Eier-Kapazitäten zu schaffen. Faktisch müsste dafür die Anzahl der Legehennen um 400 % erhöht werden. Allein aus diesem Grund sei es derzeit nicht möglich, die Discount-Tochter Penny parallel zu bedienen.

Auch Aldi

Erst kürzlich hatten Aldi Nord und Aldi Süd angekündigt, bis zum Jahr 2022 ihr gesamtes Eiersortiment umzustellen, um so das Töten von männlichen Küken in der Schaleneierproduktion zu beenden. Dazu wollen die beiden Discounter deutschlandweit die gesamten Lieferketten für ihre Boden-, Freiland- und Bioeier umbauen.

Für die Verbraucherorganisation foodwatch ist die Geschlechtsbestimmung im Ei hingegen nur eine „Scheinlösung“. Durch die Geschlechtserkennung würden sich die Haltungsbedingungen, unter denen die weiblichen Legehennen litten, in keiner Weise verbessern, kritisierte foodwatch vergangene Woche in einer Reaktion auf die Aldi-Initiative. Statt die Geschlechtsbestimmung im Ei voranzutreiben, sollte die Agrarund Lebensmittelindustrie auf sogenannte Zweinutzungshühner setzen. Diese robusteren und weniger krankheitsanfälligen Rassen eigneten sich sowohl für die Eier- als auch zur Fleischproduktion.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2021 das Kükentöten in Deutschland zu beenden. Ressortchefin Julia Klöckner will dazu alle derzeit bestehenden Alternativen fördern, also neben der Geschlechtserkennung im Ei auch die Aufzucht männlicher Tiere und die Nutzung von Zweinutzungsrassen.  

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