4.08.2017 12:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Eier-Skandal
Eier-Skandal: Bauern leiden
Der Skandal um insektizidbelastete Eier erschüttert die Niederlande, Belgien und Deutschland. Die betroffenen Bauern erleiden hohe Verluste. Die Schuld tragen Kriminelle, die den Bauern das mit Friponil kontaminierte Mittel verkauften.

Millionen von Eiern sind mit Friponil belastet. Die niederländische Lebensmittelkontrollbehörde hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, bis Sonntag keine Eier mehr zu verzehren. Eier mit 27 Codes gelten nun als gesundheitsschädlich, 180 Geflügelzüchterbetriebe sind gesperrt. Bis Sonntag wollen die Behörden die Eier aller gesperrten Betriebe testen. Der Discounter Aldi verkauft in Deutschland vorerst keine Eier mehr. In den Schweizer Läden soll es keine verunreinigten Eier aus den Niederlanden geben.

Die 180 Betriebe waren Kunden eines niederländischen Unternehmens, das Ställe mit dem Anti-Läusemittel Dega-16 behandelt hatte. Das auf ätherischen Ölen basierende Mittel war mit dem für Nahrungsmittel verbotenen Insektizid Fipronil vermischt worden. Unklar ist, ob dies bei einem belgischen Händler oder dem niederländischen Reinigungsbetrieb geschah. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Massnahmen in Kritik

Die EU versucht, die Situation zu beschwichtigen. «Die Höfe sind identifiziert, die Eier geblockt, verseuchte Eier sind vom Markt genommen und die Situation ist unter Kontrolle», sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Donnerstag. Für die betroffenen Bauern und die gesamte Branche nützt dieser Aufruf freilich wenig. 

Denn die Züchter befürchten grosse Einkommensverluste. In den Niederlanden werden jährlich zehn Milliarden Eier produziert. 60 bis 70 Prozent davon sind für den Export bestimmt. Die Betriebe von 138 Geflügelhaltern blieben zunächst gesperrt. Das sind etwa 20 Prozent aller niederländischen Legebetriebe. Der Verband der niederländischen Geflügelzüchter kritisierte die radikalen Massnahmen der Detailhändler und Behörden. «Alle niederländischen Eier, die nun in den Handel kommen, sind garantiert frei von Fipronil», sagte der Verbandspräsident Eric Hubers am Donnerstag.

Kriminelle Energie

Aus den niederländischen Supermärkten wurden nach Angaben des Lebensmittelhandels alle fipronil-belasteten Eier entfernt. In Belgien wurden Geschäfte von den Behörden aufgefordert, Eier aus den betroffenen Betrieben aus dem Verkehr zu ziehen. Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministers Christian Meyer wurden weitaus mehr belastete Eier aus den Niederlanden in Deutschland verkauft als bislang bekannt. Nach neuesten Informationen handle es sich nicht nur um drei Millionen, sondern um zehn Millionen Eier, sagte Meyer im ZDF.

"Den Legehennenhaltern ist kein Vorwurf zu machen. Hier war an anderer Stelle kriminelle Energie im Spiel", sagte der Vorsitzende des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen, Friedrich-Otto Ripke, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Gemäss Christian Meyer sind die Landwirte davon ausgegangen, ein zugelassenes Mittel zu kaufen.

In Verdacht steht ein flämisches Unternehmen. Die Staatsanwaltschaft in Antwerpen (B) macht dazu keine Angaben. Die Firma soll dem Anti-Läusemittel Dega-16 den Stoff Fipronil beigemischt haben, der in der Geflügelzucht verboten ist. Über eine niederländische Firma wurde das Mittel weiter verbreitet. Die Firmen äusserten sich bislang nicht.

Fipronil wird gegen Flöhe und Zecken eingesetzt

Fipronil wird unter anderem als Pflanzenschutzmittel und in der Tiermedizin gegen Flöhe und Zecken bei Katzen und Hunden, aber auch zur Bekämpfung von Läusen, Schaben und Milben eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist verboten.

Im Tierversuch hat sich Fipronil als akut giftig erwiesen. Der Stoff kann Schäden am Nervensystem und an Organen wie Leber, Nieren oder Schilddrüse verursachen. Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Fipronil gilt nicht als krebserregend. Die aktuell gemessenen Fipronil-Werte in den belasteten Eiern überschreiten nach Angaben der deutschen Behörden nicht die Referenzwerte, bis zu denen Lebensmittel ohne erkennbares Risiko aufgenommen werden können.

Allerdings warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einem grundsätzlich möglichen gesundheitlichen Risiko für Kinder beim Verzehr belasteter Hühnereier. «In den übrigen Fällen ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung praktisch ausgeschlossen», erklärte das BfR.

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