16.10.2017 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Fipronil-Eier-Skandal zieht weitere Kreise
Erst jetzt zeichnet sich ab, wie groß das tatsächliche Ausmaß der Verunreinigung von verarbeiteten Eiern mit Rückständen des Insektizids Fipronil gewesen ist.

Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wird nach Auswertung von mehr als der Hälfte der bundesweit vorgesehenen 797 Analysen klar, dass über 20 % der getesteten Proben auffällig sind. Davon hätten 25 „über dem einschlägigen Rückstandshöchstgehalt“ gelegen. Die Bandbreite der belasteten Lebensmittel habe von getrocknetem Vollei, Likör mit Eierzusatz über Eiersalat bis hin zu feinen Backwaren aus Biskuitmasse gereicht.

Der Befund wird der Süddeutschen Zeitung zufolge von Behördenvertretern als „besorgniserregende Trefferquote“ bezeichnet. Darüber hinaus stehe der Vorwurf im Raum, dass Labore dazu angehalten worden seien, „nicht so genau zu messen“. Außerdem seien nötige öffentliche Rückrufaktionen ausgeblieben.

Rückruf auch bei Produkten mit verarbeitetem Ei

Mit Blick auf die neuen Befunde forderte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Klaus Müller, dass auch verarbeitete Produkte mit Ei, in denen Fipronil nachgewiesen worden sei, öffentlich zurückgerufen werden müssten. Die Verbraucher hätten ein Recht auf Transparenz. Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Anton Hofreiter, bekräftigte seine Forderung nach einer besseren Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von verarbeiteten Eiern.

Sogenannte „stille Rückrufe“ sorgten nicht dafür, dass die belasteten Produkte auch aus den Kühlschränken verschwänden. Hofreiters Fraktionskollege Harald Ebner bezeichnete das den Behörden vorgeworfene Verhalten als „schlicht verantwortungslos“. Die ernährungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Karin Binder, sprach sich für einen besseren Datenaustausch zwischen den Behörden aus. Nach ihrer Ansicht sollte die Lebensmittelüberwachung für überregional arbeitende Lebensmittelunternehmen und grenzüberschreitende Lieferketten beim Bund konzentriert werden. Binder forderte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf, entsprechend aktiv zu werden.

Länder entscheiden über Analysemethoden

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordiniert laut Bundeslandwirtschaftsministerium kurzfristig das außerplanmäßige Untersuchungsprogramm „Untersuchung von Fipronil in Ei-Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten“ in Abstimmung mit den Bundesländern. Im gemeinsamen Plan ist demnach festgelegt, dass bis zum Fristende der Probenahme am 31. Oktober insgesamt 797 Proben gezogen und untersucht werden.

Der Sprecher des Berliner Agrarressorts, Jens Urban, erinnerte an die Zuständigkeit der Länder für die Lebensmittelüberwachung. Es liege allein in deren Verantwortung zu entscheiden, welche analytischen Methoden dabei eingesetzt würden. Um Rechtsverstöße ahnden zu können, müssten die verwendeten Verfahren so leistungsfähig sein, dass der gesetzlich festgelegte Rückstandshöchstgehalt für das jeweilige Lebensmittel bestimmt werden könne, erklärte Urban. Es sei zudem Aufgabe der zuständigen Überwachungsbehörden in den Bundesländern, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn dies erforderlich erscheine.

Paris hält Verbraucher auf dem Laufenden

Auch in anderen EU-Länder ist der Fipronil-Skandal längst nicht ausgestanden. So gab es in Italien Ende September zwei Nachweise einer deutlichen Grenzwertüberschreitung bei unverarbeiteten Eiern, denen umfangreiche Rückrufaktionen folgten. In Frankreich laufen die Kontrollen und Rückrufaktionen ebenfalls weiter.

Nach zuletzt verfügbarem Stand waren in Frankreich insgesamt 45 Produkte aufgrund von Überschreitungen des Fipronil-Grenzwertes aus dem Handel zurückgerufen worden, darunter in Belgien produzierte Muffins. Laut einer Mitteilung des Pariser Agrarressorts vom 30. September war der Großteil der im Zuge des Fipronil-Eier-Skandals ausgeweiteten Kontrollen allerdings ohne Befund.

Bei den insgesamt 127 durchgeführten Stichproben in Einrichtungen mit besonders hohem Risiko hätten sich keinerlei Auffälligkeiten ergeben. Im Rahmen der erweiterten Lebensmittelüberwachung seien bislang 96 Proben von Fleisch und Fleischerzeugnissen sowie 499 Eiprodukte untersucht worden; dabei habe sich nur ein einziges Produkt als auffällig erwiesen. Mit den Ergebnissen von noch etwa 50 ausstehenden Untersuchungen werde in den kommenden Wochen gerechnet.

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