16.06.2016 11:14
Quelle: schweizerbauer.ch - David Eppenberger, lid
Freiburg
Hotel macht Hennen und Bauer glücklich
Biobauer Kuno Werro aus dem Kanton Freiburg hat sich für den Kauf eines mobilen Hühnerstalles entschieden und ist begeistert. Er ist nicht der einzige.

Diese Hühner in Düdingen FR haben das goldene Los gezogen: Oder was will ein Huhn mehr, als täglich nach Herzenslaune an der frischen Luft auf der grünen Wiese zu scharren, in der Erde zu picken und die Nacht geschützt vor dem Fuchs im Stall zu verbringen? Erst vor ein paar Wochen sind die 200 Legehennen von Biobauer Kuno Werro in Düdingen FR im Hühnermobil eingezogen.

Interessierte Passanten

Es ist das Gegenmodell zu riesigen Geflügelhallen, in denen Tausende Hühner gehalten werden. "Zeigen kann man dem Konsumenten solche Ställe nicht", sagt Werro. Wenn seine Kundschaft hingegen auf dem Weg zum Hofladen am acht Meter langen Hühnermobil vorbeikommt, dann bleibt sie normalerweise von selbst und mit staunenden Blicken stehen.

Sie spricht es zwar nicht unbedingt aus, aber sie denkt es bestimmt: Diese Hühner müssen glücklich sein. Die Reaktionen auf den hippen Hühnerstall auf Rädern seien überwältigend, sagt Werro. Schon in der ersten Woche orderten mehrere Leute sogleich eine fixe wöchentliche Abnahmemenge von Bio-Eiern.

Grosse Flexibilität

Die zweistöckige Biohühnervilla erfüllt punkto Tierschutz höchste Anforderungen: Der permanente Zugang zum Scharplatz im unteren Stock sowie während des Tages der freie Auslauf auf der Weide sind hier Standard. Das Hühnermobil hat aber so viele weitere Vorteile, dass man sich fragt, weshalb nicht früher jemand auf diese Idee gekommen ist.

Da ist zum einen die grosse Flexibilität, die hier die Hühnerhaltung schon fast zu einem festen Teil in der Fruchtfolge auf Werros Wiesen und Äckern machen. Haben die Hühner genug geweidet, kann das Hühnerhaus in kurzer Zeit mit dem Traktor an einen frischen Standort verschoben werden. Und das, bevor von der Wiese nichts mehr ausser aufgerissenen Grasnarben zu sehen sind, wie das oft in festen Freihaltungsställen der Fall ist, wo der Auslauf zwangsläufig immer am gleichen Ort ist.

Solarzelle liefert den Strom

Richtig interessant wird es beim Blick auf das Innenleben des Hauses vor allem für Technik-Interessierte: Eine Solarzelle lädt die Batterie und versorgt das Gefährt mit Strom für die LED-Lämpchen oder den Elektrozaun auf der Weide. Auch für die automatische Türschliessung beim Eindunkeln reicht der Solarstrom längstens aus.

Die Lichtstärke im Innenraum richtet sich nach der Jahreszeit; der Morgen startet jeweils mit einem Dämmerlicht, bevor die volle Beleuchtung eingeschaltet wird. "Es muss im Stall 14 bis 15 Stunden hell sein, damit die Hühner ihren Legeleistung behalten", erklärt Werro.

Hühner liefern Dünger

In der Nacht öffnen sich die Klappen für den Nesteingang dann automatisch, damit das Huhn sein Nest aufsuchen kann, sobald das Ei drückt. In abgedunkelter Atmosphäre legt sich das Huhn auf die weichen Dinkelspelzen, um dort in Ruhe sein Ei zu legen. Am Nachmittag "fischt" der Biobauer die Eier aus den Spelzen aus und sperrt danach den Zugang zu den Nestern mit der Klappe wieder zu.

Die Hühner sollen sich einen anderen Ort aussuchen, um sich auszuruhen als das bequeme Nest, Alternativen gibt es schliesslich genug. "Die Nester bleiben so sauber", erklärt Werro. Den Kot geben die Hühner vor allem am Fress- und Schlafplatz ab. Dieser ist mit einer Folie unterlegt, die sich mit einer Kurbel wie ein Fliessband bewegen lässt. Der Kot kann so sauber eingesammelt werden.

Dieser sorgt also nicht für überdüngte Hühnerweiden, sondern kann von Werro als wertvoller Hühnermist gezielt als Biodünger in seinen Gemüsekulturen eingesetzt werden. "An solchen technischen Feinheiten sieht man, dass das Gefährt absolut ausgereift ist", sagt der Biobauer begeistert.

Ein Boom zeichnet sich ab

27 Hühnermobile stehen bereits in der Schweiz, je zur Hälfte auf Bio- und konventionellen Bauernhöfen. In Deutschland bestehe zurzeit ein wahrer Boom nach den bereiften Hühnerställen, sagt Ruedi Hauser, der für den Deutschen Hersteller Weiland die Schweizer Vertretung führt. In den letzten Monaten habe auch die Nachfrage in der Schweiz dank zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften stark angezogen, sagt er. Zurzeit beträgt die Lieferfrist für ein Hühnermobil bereits 20 Wochen, Tendenz steigend.

Hauser ist überzeugt, dass diese Art der Hühnerhaltung Zukunft hat. Die Leute wollten heute einfach wissen, woher ihr Ei kommt. Und für den Bauern sei die Betreuung und Bewirtschaftung einfach. Das System ist vom Schweizer Tierschutz anerkannt und hat die staatliche Bewilligung für "Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme" (BTS) und "Regelmässiger Auslauf im Freien" (RAUS).

(Noch) keine Zulassung für Bio-Poulet

Einen Wehrmutstropfen gibt es zurzeit für ihn noch: Für die Haltung von Mastgeflügel ist das Hühnermobil in der Bioproduktion nicht zugelassen. "Bio Suisse moniert, dass im oberen Stock mit dem Schlaf- und Fressplatz die Einstreu fehlt", sagt Hauser. Der Weidegang genügt zur Kompensation des kleinen Schönheitsfehlers noch nicht.

Hauser zwinkert mit den Augen: "Offenbar ist es besser für die Masttiere, Tag und Nacht auf dem eigenen Kot zu stehen"" Er ist aber zuversichtlich, dass bald eine positivere Beurteilung vorgenommen wird.

Fast alles automatisch

Für Kuno Werro lohnt sich die Investition vor allem auch aus arbeitstechnischen Gründen. "Eigentlich könnte das Mobil völlig autonom vier Kilometer entfernt vom Hof stehen." Es funktioniere ja alles automatisch. Selbst im Winter sollte es keine Probleme geben, weil die eigene Wärme der Tiere zusammen mit der guten Isolation ausreiche, damit die Temperatur im Stall nicht unter null Grad sinkt.

Nur die Eier müsste man allerdings trotzdem noch von Hand herausholen. Aber wer weiss, ob dies in der nächsten Version des Hühnermobils nicht von einem Roboter erledigt wird? Natürlich will Werro die Hühner aber nicht weit entfernt auf einer Wiese weiden lassen, sondern möglichst bei sich in der Nähe beim Hofladen: "Die Leute sollen ja sehen, was für tolle Eier sie bei uns kaufen können."

Es rechnet sich

Ganz günstig ist die Geschichte allerdings nicht. Rund 50'000 Franken hat sie ihn gekostet. Doch nach den ersten Wochen ist er überzeugt, dass es sich rechnen wird. "Die Leute sind einfach auch bereit, für diese Eier einen entsprechenden Preis zu bezahlen." Werro denkt sogar bereits daran, seinen Hühnermobilpark zu erweitern.

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