21.07.2020 15:34
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Kükentöten: Klöckner will Verbot
Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner will das Töten männlicher Küken gesetzlich unterbinden. Sie könne bislang nicht erkennen, dass die Branche bestehende Alternativen wie die Geschlechtsbestimmung im Ei oder den Einsatz angepasster Hühnerrassen nutze, um das Kükentöten bis Ende 2021 zu unterbinden.

Deshalb werde sie ein Gesetz vorlegen, um „das Töten frisch geschlüpfter männlicher Eintagsküken aus wirtschaftlichen Gründen stufenübergreifend und flächendeckend zu verbieten“, kündigte Klöckner vergangene Woche gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung an.

Beim Zentralverband der Geflügelwirtschaft (ZDG) stösst die Ministerin mit ihrem Vorstoss allerdings auf Widerstand. ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke warnte vor Scheinlösungen. Nach seiner Einschätzung würde ein solches Verbot lediglich dazu führen, dass das „Kükenschreddern“ im Ausland weitergehe. Ein gesetzliches Verbot bis Ende 2021 kommt für ihn auch wegen der fehlenden Übergangsfristen nicht in Frage.

Der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, und die Tierschutz-Sprecherin Renate Künast wiesen darauf hin, dass der DiscounterAldi das Ende des Kükentötens für seine Produkte verkündet habe und damit einer Gesetzesinitiative von Klöckner zuvor gekommen sei. Sie erwarten nun ein endgültiges Verbot des Kükentötens bis 2021. „Bei tierethischen Fragen muss die Zeit freiwilliger Selbstverpflichtungen und Branchenabsprachen beendet werden“, so die beiden Grünen-Politiker.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, warf der Regierung vor, ihr Versprechen gebrochen zu haben, das „millionenfache Töten von lebensfähigen, männlichen Küken“ bis zur Hälfte der Legislaturperiode zu beenden. Dafür macht er Klöckner verantwortlich, die bislang auf freiwillige Lösungen gesetzt habe. Der aktuelle Vorstoß ist für Schröder ein „verzweifelter Versuch, jetzt tätig zu werden“.

Er bekräftigte seine Forderung nach einem schnellen Ausstieg und warnte zugleich vor langen Übergangsfristen. Die Geflügelbranche dürfe nicht mehr mit „Samthandschuhen“ angefasst werden, so die Warnung des Tierschutzpräsidenten.

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