19.03.2018 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Eiermarkt
«Migros übt Marktmacht aus»
Die Migros hat entschieden, spätestens ab Ende 2020 nur Freilandeier zu verkaufen. Sie begründet den Entscheid mit dem Tierwohl und Kundenwünschen. Die Produzentenorganisation GalloSuisse kritisiert den Entscheid. Sie wurde überrumpelt.

Schaleneier aus Bodenhaltung soll es bei der Migros nicht mehr zu kaufen geben, sie werden ausgelistet. Dies teilt die Migros gegenüber schweizerbauer.ch mit. Für GalloSuisse kommt dieser Entscheid völlig überraschend.

35.5 Prozent auf Bodenhaltung

Die Migros habe die Eierproduzenten bei diesem Entscheid nicht einbezogen, kritisiert GalloSuisse. Zudem sei das Ei aus Bodenhaltung bei den Konsumenten beliebt. 35,5 Prozent aller Eier als Bodenhaltungseier vermarktet. Das zeigt die Statistik des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) für das Jahr 2016.

«Migros übt Marktmacht aus und entzieht den Konsumenten Wahlfreiheit», hält GalloSuisse in einem Communiqué fest. Die Produzentenorganisation erwartet, dass die Migros die Folgen dieser Entscheidung trägt und ihre Verantwortung langfristig wahrnimmt. Ausserdem verlangt der Verband eine längere Umstellfrist und eine Lösung für Härtefälle.

Umstellungsfrist extrem kurz

«Die Umstellung bedarf einer langfristigen Planung. Deshalb erfolgt sie etappenweise nach Genossenschaft bis Ende 2020», sagt Alexandra Kunz, Migros-Sprecherin, gegenüber schweizerbauer.ch. Dies verschaffe den heutigen Bodenhaltungs-Produzenten genügend Zeit, ihre Betriebe den Freiland-Vorgaben entsprechend anzupassen. «Dabei werden die Produzenten von den Eier-Plattformen der Migros begleitet und unterstützt», so die Sprecherin.

Die Umstellungsfrist von zwei Jahren sei extrem kurz, warnt GalloSuisse. «Investitionen in der Eierproduktion müssen über 10 bis 20 Jahre amortisiert werden müssen», so GalloSuisse. Die Schweizer Eierproduzenten befürchten, dass die Konsumenten wieder vermehrt Import-Eier kaufen, sollte das Schweizer Bodenhaltungsei aus dem Angebot verschwinden. 

Migros soll Vollkosten übernehmen

Sauer aufgestossen ist den Eierproduzenten auch, dass die Migros mit der Umstellung den Preis für ein Freilandei um 10 Rappen auf 50 Rappen senken will. Die Detailhändler beteuert, die Mehrkosten zu übernehmen und bei den Produzenten keine Preissenkung vorzunehmen.  «Wenn die Migros nur noch Freilandeier verkaufen will, soll sie die Vollkosten der Freilandhaltung über den Eierpreis bezahlen», macht Daniel Würgler, Leiter Marketing GalloSuisse, deutlich. 

Dies sei zurzeit nicht der Fall, so die Organisation. Für ein Bodenhaltungsei erhielten die Produzenten 2016 laut BLW-Statistik 21 Rappen, für ein Freilandei 1 Rappen mehr. «Dieser Mehrpreis entschädigt die Anforderungen und Risiken der Freiland-Produktion nur teilweise», so Würgler. Begründet wird der nicht kostendeckende Preis mit den Tierwohlprogrammen des Bundes und der fehlenden Nachfrage nach Freilandeiern. 

Affront gegenüber Konsumenten und Produzenten

Die Migros sagt, sie wolle bei den Bauern keine Preissenkung vornehmen, von Preiserhöhung ist keine Rede. Doch wie lange ist dieses «Preis-Versprechen» gültig? «Wir orientieren uns bei den Eierpreisen stets an den Marktpreisen. Dies wird auch weiterhin geschehen. Wir gehen davon aus, dass sich die Eierpreise kurz- bis mittelfristig im selben Rahmen bewegen werden», antwortet Migros-Sprecherin Alexandra Kunz auf die Frage von schweizerbauer.ch.

Für die Eierproduzenten ist der Entscheid der Migros fatal. «Den Preis für den Migros-Entscheid werden nebst den Konsumenten vor allem die Eierproduzenten und die Steuerzahler bezahlen», so GalloSuisse. Der Entscheid sei ein unnötiger Eingriff in den Markt und ein Affront gegenüber Konsumenten und Produzenten.

Drei Viertel haben Zugang auf Weide

Gemäss Angaben dem Produzentenverband GalloSuisse halten über 90% der Produzenten ihre Hennen besonders tierfreundlich, also in Wintergärten. Bereits drei Viertel der Legehennen haben täglich Zugang auf die Weide (Freilandhaltung).

Bis 2020 sollen sämtliche Schweizer Legehennen Zugang zu einem geschützten Aussenklimabereich erhalten. Mit der Auslauf-Pflicht wollen sich die Legehennenhalter von der ausländischen Konkurrenz abheben. Die ausländischen Hühner in Bodenhaltung könnten kaum an die frische Luft, teilte GalloSuisse Anfang März mit. Eier aus Bodenhaltung werden in der Schweiz am meisten verkauft. Gemäss dem Marktbericht des Bundesamts für Landwirtschaft lag der Marktanteil im Detailhandel bei 35.5 Prozent.

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