2.05.2014 10:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Geflügel
Neue Methoden sollen Kükentötung stoppen
Forscher entwickeln Methoden, damit das Geschlecht eines Kükens schon im Ei bestimmt werden kann. Damit soll die Tötung männlicher Eintagesküken ein Ende haben. Noch gilt es aber einige Hürden zu überwinden.

Bei den Hühnern herrscht eine Zweiteilung: Die Mastlinien sind so gezüchtet, dass sie so schnell wie möglich viel Gewicht zulegen. Sie erhöhen ihr Körpergewicht innert rund fünf Wochen von 30 Gramm auf 2 Kilo. Die Legelinien hingegen können rund 300 Eier pro Jahr legen. Das Problem: Nur weibliche Tiere legen Eier. Die männlichen Küken hingegen werden einen Tag alt aussortiert und getötet.

Zweinutzungshühner in der Diskussion

Für die Mast sind sie nicht zu gebrauchen. Denn ihre Aufzucht benötigt mehr Zeit bei einem höheren Futteraufwand, ist demzufolge nicht wirtschaftlich. "Vom Verbraucher ist zudem die Fleischqualität nicht akzeptiert, weil das besonders geschätzte Brustmuskelfleisch nur in geringerem Masse vorhanden ist", sagte Dr. Thomas Bartels von der Klinik für Vögel und Reptilien an der Universität Leipzig an einer STS-Tagung. Versuche mit einer längeren Mast oder die Vermarktung als kleineres Stubenküken sind deshalb bisher auf wenig Anklang gestossen.

Seit einiger Zeit sind die Zweinutzungshühner in der Diskussion. Sie stellen einen Kompromiss aus Lege- und Mastlinie dar. In der Schweiz führt Coop derzeit ein Pilotprojekt mit Bio-Poulets und –Eiern von Zweinutzungsrassen durch. Zweinutzungshühner legen aber nur rund 230 Eier pro Jahr, was zu einem höheren Preis pro Ei führt und auch die zur Mast eingesetzten Tiere sind leichter als die Mastlinien. Thomas Bartels geht deshalb davon aus, dass die Zweinutzungsrassen ein Nischenmarkt bleiben werden.

Knackpunkt Wirtschaftlichkeit

Bartels forscht derzeit in einem Forscherverbund an anderen Methoden, um das ethisch fragwürdige Töten der Eintagsküken zu verhindern. Mit Tests soll das Geschlecht des Kükens bereits im Ei festgestellt werden und dies vor dem zehnten Bebrütungstag, vor dem nach aktuellem Wissensstand kein Schmerzempfinden existiert. Getestet werden dabei einerseits Methoden, die auf Hormonanalysen basieren und eine Probeentnahme benötigen, andererseits optische Methoden.

Die auf Hormonanalysen aufbauenden Methoden setzen darauf an, dass geschlechtsspezifische Hormone von Hühnerembryonen bereits nach wenigen Bebrütungstagen produziert und ausgeschieden werden. Durch Punktion der Eischale und Entnahme von Flüssigkeit lässt sich so das Geschlecht im Ei bestimmen. Die Trefferquote am zehnten Bebrütungstag liegt bei hohen 98 Prozent. Auch die Schlupfrate der beprobten Eier fällt nur geringfügig tiefer aus als jene in Kontrollgruppen. Was zunächst gut tönt, scheitert derzeit an der Wirtschaftlichkeit. Während das normale Aussortieren männlicher Küken in Deutschland rund 2-3 Cent pro Küken kostet, liegen die Kosten bei der Hormonanalyse bei 12 Cent pro Test.

Rechtliche Problematik in Deutschland

In Deutschland ist das Töten der männlichen Küken derzeit nicht nur ein ethisches, sondern ein rechtliches Problem. Das Tierschutzgesetz sieht ein Verbot der Tötung von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund vor. Je nach Auslegung stellen rein wirtschaftliche Gründe keinen vernünftigen Grund dar. In Nordrhein-Westfalen erliess die Landesregierung ein Verbot mit einer Übergangsfrist bis Anfang 2015. Dagegen wurde aber Einspruch erhoben, weshalb derzeit nicht klar, wie sich die Situation in Deutschland weiterentwickeln wird.

Laser-Bohrung an der Schale

Diesen Nachteil haben die optischen Methoden nicht. Sind die Investitionen einmal getätigt, so sind die Kosten vernachlässigbar, wie Thomas Bartels sagt. Bei der FTIR-Spektroskopie wird die Eischale mittels Laser an einem Punkt berührungsfrei im Bruchteil einer Sekunde geöffnet, wobei nur so wenig Material abgetragen wird, dass ein dünner Steg der Kalkschale erhalten bleibt. Mit der Öffnung entsteht ein optischer Zugang, wodurch die Geschlechtsdiagnose ermöglicht wird. Grundsätzlich lässt sich damit schon am unbebrüteten Ei eine Geschlechtsdiagnose vornehmen.

Versuche haben aber gezeigt, dass die Öffnung der Schale am unbebrüteten Ei einen massiven Rückgang der Schlupfrate zur Folge hat und deshalb nicht praktikabel ist. Wird das Ei aber 72 Stunden angebrütet, bevor die Laser-Perforation stattfindet, sind keine gravierenden Effekte auf die Entwicklung des Embryos nachweisbar. "Wir haben das Ziel, Ende Jahr die Methode soweit entwickelt zu haben, dass sie in Brütereien eingesetzt werden kann", sagt Bartels. Wie lang es dauert, bis sie tatsächlich eingesetzt wird, kann auch er nicht beantworten. "Es besteht aber Anlass zur Hoffnung", sagt Bartels.

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