8.08.2019 06:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Tierquälerei: Coop-Tochter in Kritik
Unschöne Bilder wurden in den vergangenen Tagen publik. Ein Tochterunternehmen von Fleischverarbeiter Bell ist in Kritik geraten. Aufnahmen zeigen den rücksichtlosen Umgang mit Truten auf einem ungarischem Mastbetrieb. Bell hat nach den Recherchen einer Tierschutzorganisation reagiert.

Die Aufnahme des Vereins Soko Tierschutz werfen ein düsteres Bild auf einen ungarischen Truten-Mastbetrieb. Dieser liefert Tiere an eine Tochter von Coop.

Geschlagen und getreten

Der Vorwurf der Tierschützer: Tiermisshandlungen bei der Verladung und lange Transporte unter grösster Hitze. Beim Verladen für in den Schlachthof werden die Tiere geschlagen, getreten und teilweise eingeklemmt.

Anschliessend werden die Truten bei grösster Hitze über 500 Kilometer weit in den Schlachthof der Süddeutsche Truthahn AG (Sütag) gefahren. Das Unternehmen gehört seit 2016 zum Basler Fleischverarbeiter Bell. Bell wiederum ist ein Tochterunternehmen von Coop.

«Noch billiger produzieren»

Die Süddeutsche Truthahn wirbt gemäss der Nachrichtensendung «10 vor 10» mit Regionalität und hohen Tierwohlstandards. «Das Unternehmen hat aber inzwischen ein riesiges Zulieferernetz geschaffen mit über 700 Betrieben. Die meisten davon sind zwar in Süddeutschland und Österreich. Doch immer mehr Zulieferer stammen aus Ungarn und Tschechien. Dies hat einen Grund: Dort kann man noch billiger produzieren», kritisiert Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz.

Bell sagt gegenüber «10 vor 10», dass 95 Prozent des von der Sütag verarbeitete Fleisch aus Deutschland und Österreich stamme. Nur 5 Prozent komme aus anderen Ländern. Die Sütag liefere kein ungarisches Trutenfleisch in die Schweiz, so Bell weiter. Der in Kritik stehende Betrieb in Ungarn ist gemäss Bell mit dem deutschen QS-Prüfzeichen zertifiziert. Kontrollen hätten bisher keine Hinweise auf mögliche Tierschutzvergehen gezeigt, teilt Bell dem TV-Sender schriftlich mit.

Schweizer Tierschützerin erschüttert


Erschüttert über die Bilder aus Ungarn zeigt sich Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz. «Dieser Umgang ist tierquälerisch und schmerzhaft für die Truthähne», sagt die Geflügelexpertin. Bei den Schweizer Transportboxen sei der Platzbedarf pro Tier festgeschrieben. Zudem würden die Tiere schonend verladen und transportiert. 

Der brutale Umgang wie in Ungarn könne bei den Truten Verletzungen hervorrufen. «Und insbesondere bei hohen Temperaturen können in zu dicht gepackten Boxen Hitzestau entstehen. Im schlimmsten Fall kann dies zum Tod der Tiere führen», so Brodmann zu «10 vor 10».

Coop: Kein Fleisch von diesem Betrieb

Der TV-Macher haben auch Coop mit den Vorwürfen aus Deutschland konfrontiert. Die Detailhändlerin aus Basel nimmt nur schriftlich Stellung: «In den Coop-Supermärkten wird kein Trutenfleisch aus dem erwähnten Betrieb verkauft. Trutenfleisch aus Deutschland stammt bei Coop aus Betrieben, die den BTS-Standard (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) erfüllen.»

Die Süddeutsche Truthahn AG stand schon früher in der Kritik. So wurde 2014 die schlechte Haltung der Truthähne angeprangert. Der Kassensturz berichtete. Damals wurde auch Coop als Partner der deutschen Firma kritisiert.

Lediglich 0,2 Prozent des Trutenfleischs bei Coop stamme aus Ungarn, hält Coop fest. Dieses Fleisch werde vor Ort verarbeitet. Die Sütag liefere kein Fleisch aus Ungarn in die Schweiz.

Gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung wurden 2018 6,4 Millionen Kilo Trutenfleisch in die Schweiz eingeführt. 75 Prozent stammen aus vier Ländern: 30,3% aus Ungarn, 19,4% aus Deutschland, 14,5% aus Frankreich und 11% aus Österreich.

Bell hat Betrieb gesperrt

Die Coop-Tochter Bell hat nun doch auf die Recherchen der deutschen Tierschützer reagiert: Man habe unangemeldete Kontrollen bei den ungarischen Aufzuchtbetrieben angeordnet und den betroffenen Betrieb vorläufig gesperrt, sagt das Unternehmen zu «10 vor 10».

Da Coop dem Tierwohl einen hohen Stellenwert beimisst, müsste der Detailhändler eigentlich viel darin liegen, dass überhaupt keine Tiere aus solchen Betrieben bei ihren ausländischen Töchtern verarbeitet werden.

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