Freitag, 23. Juli 2021
24.03.2019 07:14
Geflügel

Kehrtwende bei Kneuss

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Von: Doris Bigler

Statt auf Mengen will Kneuss Güggeli wieder vermehrt auf Qualität setzen. Die Mäster sind verunsichert. Es gebe lange Leerzeiten und weniger Kükeneinstallungen, heisst es. Einige haben Angst vor einer Kündigung.

Vor einem Jahr sagte Daniel Kneuss, Inhaber, Verwaltungsratspräsident und CEO der Firma Kneuss Güggeli in Mägenwil AG, kurzfristig seinen Auftritt an der Generalversammlung der Ernst-Kneuss-Geflügelproduzenten ab. Er habe andere strategische Aufgaben wahrzunehmen und sei nicht für die Landwirtschaft zuständig, so die Begründung durch seine Sekretärin. 

Nun hat er sich offenbar anders besonnen, denn am 20. Februar hat Daniel Kneuss seine Produzenten zu einer Infoveranstaltung in der Vianco-Arena in Brunegg empfangen. 

Finanzielle Probleme

Dort habe Kneuss erwähnt, dass er Liquiditätsengpässe habe, sagt einer der teilnehmenden Produzenten. Auf Anfrage sagt Kneuss dazu: «Ich erzählte von betriebswirtschaftlichen Aufgaben aus der Vergangenheit und von den Unternehmensaufgaben der Zukunft, die jede Unternehmung im dynamischen Marktumfeld hat.»  Firmeninterne Daten gebe er nicht bekannt. «Schliesslich stehe ich in der Verantwortung von 94 Landwirten und 150 Mitarbeitern, und wir sind ja ein Familienbetrieb.»

Ein anderer Branchenkenner erzählt, dass Kneuss die Stallflächen, die er in den letzten Jahren so offensiv ausgebaut habe, wieder reduzieren wolle. Kneuss formuliert dies in seiner Antwort auf die Anfrage des «Schweizer Bauer» etwas anders: «Ich will die Stallflächen nicht verkleinern, sondern wir durchlaufen in den nächsten Jahren einen strukturellen Wandel in der Landwirtschaft. Das heisst, dass jeder Kneuss-Güggeli-Landwirt selber analysieren darf, wie fit er für die Zukunft ist. Sprich: Die Qualitätsanforderungen steigen, selbst wir setzen neue Massstäbe für das Tierwohl.»  Die Strategie der Mengenmaximierung mit Tiefpreisen ist offenbar nicht aufgegangen.

Er wolle jetzt wieder auf Qualität setzen, erklärte Kneuss letztes Jahr in zwei Interviews dem Magazin «Gourmet». Dazu nehme er wieder Prozesse in der Produktion als Patron und Metzger selber an die Hand. Auch habe er etwa das Verkaufsvolumen an gewisse Kunden von sich aus gesenkt, weil der Betrieb in einigen Wochen an seine Grenzen gestossen sei. 

Nebenbei hat Daniel Kneuss sein Führungsteam praktisch komplett ausgetauscht. «Ich setze künftig auf ein junges und motiviertes Team, bestehend aus Fachleuten, welche erst am Anfang ihrer Karriere in der Wirtschaft stehen», sagt er in einem der Interviews. 

Mengen sind eingebrochen

Tatsächlich sind die Schlachtzahlen von Kneuss Güggeli gemäss der Statistik von Agristat im Januar 2019 regelrecht eingebrochen. Gegenüber dem Vorjahresmonat wurden 25% weniger geschlachtet, nur noch 873 Tonnen Lebendgewicht statt 1165 Tonnen. Im Dezember 2018 betrug der Rückgang  6,7%. 

Ein Branchenkenner erzählt von Leerzeiten von drei bis sechs Wochen, die die Kneuss-Mäster hinnehmen müssten und von deutlich kleineren Küken-Lieferungen. «Wer aber reklamiert, muss Angst haben, dass er gleich die Kündigung des Produktionsvertrags erhält», so die gut unterrichtete Quelle.

Gemäss Daniel Kneuss sind die Leerzeiten von Januar bis März immer hoch. Diese könnten für Unterhalt und Reparaturen genutzt werden oder aber «der moderne Landwirt kann auch mal in die Skiferien».

Bezüge aus Risikokasse

Ein weiterer Vorwurf des Branchenkenners lautet, dass sich Daniel Kneuss grosse Beträge aus der Risikokasse habe auszahlen lassen. Dies, etwa um Unterhaltsschäden im Schlachthof zu bezahlen. Dafür sei die Kasse nicht vorgesehen. 

Wie hoch diese Beträge sind, darf Daniel Kneuss nicht sagen. «Das sind betriebsinterne Daten zwischen Landwirt und Integration». Er stellt jedoch klar, dass es für die Bezüge aus der Risikokasse Statuten, einen Vorstand, bestehend aus drei Produzentenvertretern und zwei Kneuss-Vertretern, und saubere Regelwerke gebe. Dies schon seit über 20 Jahren. 

Glaubt man den Stimmen aus den Produzentenreihen, dürfte es an der diesjährigen GV der Kneuss-Geflügelproduzenten am Montag, 18. März, zu heissen Diskussionen kommen – auch bezüglich der Risikokasse. 

Worauf müssen sich die Kneuss-Mäster für die nächsten Monate und Jahre einstellen? Seine Kneuss-Güggeli-Produzenten – Daniel Kneuss legt Wert auf das Wort Produzenten, denn Mäster sei so ein altes Wort aus der Branche – könnten sich in Zukunft auf eine weitere dynamische Zusammenarbeit einstellen. Ausserdem hätten der Vorstand des Vereins Kneuss Güggeli Produzenten und Kneuss Güggeli eine Vereinbarung unterschrieben, in welcher beide Parteien eine «Gemeinsamkeit» und ein «Zusammen» bestätigen würden.

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