Samstag, 27. Februar 2021
27.12.2020 12:00
Grossviehmast

«Grünes Buch» lässt die Mastmunis hungern

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Von: sum

Die Fütterungsempfehlungen für die Grossviehmast des «Grünen Buchs» sind nicht mehr auf die Tiere und die aktuellen Produktionsbedingungen abgestimmt. Eine Aktualisierung der Daten ist nötig.

Wer selber Rationen für Grossvieh-Masttiere rechnen will, braucht dazu das «Grüne Buch», die Fütterungsempfehlungen von Agroscope. Es beinhaltet Werte zum Bedarf verschiedener Tierkategorien an Energie und Nährstoffen. Und es liefert die Gehalte der Futtermittel. Das Problem: Die Daten sind mehrheitlich 40 bis 50 Jahre alt und stimmen nicht mehr. Das hat Agroscope in einem Versuch bewiesen.

In einer Studie haben Forscher die aufgenommenen Mengen an Nettoenergie für die Fleischproduktion (NEV) und an absorbierbarem Protein im Darm (APD) für drei Gruppen von Mastmunis, die mit Rationen unterschiedlicher Energiedichte gefüttert wurden, nach dem «Grünen Buch» berechnet.

Zum Vergleich nutzten sie biologische Beobachtungen. Parallel zu den Leistungen der Tiere  wie Höhe des Futterverzehrs oder Entwicklung des Lebendgewichts wurden konkret Daten zu den physiologischen Parametern  wie Körperzusammensetzung oder zum Verhalten  – Futteraufnahme, körperliche Aktivität – gesammelt. Diese konnten zur Erklärung von Unterschieden zwischen den biologischen Beobachtungen und den Vorhersagen des «Grünen Buchs» herangezogen werden. Es wurden Abweichungen von rund 20 Prozent für den Energiebedarf und von 2 Prozent für das absorbierbare Protein zwischen den Beobachtungen im Versuch und den Schätzungen des «Grünen Buchs» festgestellt.

Das heisst: Die Munis brauchten in Wirklichkeit bis 20 Prozent mehr Energie, als es das Buch vorgab. Diese Abweichung beim Energiebedarf lässt sich laut Agroscope teilweise mit Unterschieden beim Lebendgewicht am Ende des Versuchs sowie bei der Wachstumsintensität, der Körperzusammensetzung und der körperlichen Aktivität der Munis erklären.

Das klare Fazit der Forscher:  In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Rindermast in der Schweiz auf verschiedenen Ebenen entwickelt: bezüglich der Genetik der Tiere, des Produktionsystems und des politischen und wirtschaftlichen Kontexts. Eine Überarbeitung und Aktualisierung des «Grünen Buchs» auf der Grundlage neu gewonnener Versuchsdaten, insbesondere zur Körperzusammensetzung, ist unumgänglich.

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