1.03.2016 08:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Obwalden
«Ich will viel Milch und viel Fleisch»
Spätestens seit der Swiss Expo ist der Name Thomas Schrackmann nicht nur bei den Original-Braunvieh-Züchtern zu einem Begriff geworden. Auch an der Sorexpo ging mit Jubel Julia eine seiner Kühe als Eutermiss vom Platz.

Gut, der Betrieb von Thomas Schrackmann repräsentiert nicht in allen Teilen den typischen Original-Braunvieh-Züchter. Die rund 50 Kühe werden nicht gealpt, verbringen das ganze Jahr im Laufstall und auf der Weide im Tal und sind enthornt. Aber das ist alles.

Beharrliche Arbeit

Schrackmanns sind überzeugte OB-Züchter, und das schon seit Generationen. Thomas Schrackmann hat ein knappes, aber klares Zuchtziel: «Ich will Kühe, die viel Milch geben, schön sind und dazu viel Fleisch produzieren können.» Für ihn, aber auch für seine Tochter Marina sind die OB bestens geeignet, diese Ziele auch zu erreichen.

«Dazu müssen sich auch OB-Züchter anstrengen. Du musst aber konsequent sein. Das beginnt bei den Stieren. Diese müssen aus abgesicherten Mutterlinien abstammen», ergänzt er. Welches sind die Blutlinien, die seine Zucht am meisten geprägt haben? «Sicher hat Waldo, der auf unserem Betrieb stand, und später Winzer Leistungssicherheit gebracht. In neuerer Zeit sind Vento und Hecht sehr einflussreich», so der 52-Jährige.

Der Betrieb

Der Betrieb im Schatzli liegt auf 460 Meter Meereshöhe, unmittelbar neben dem Flugplatz Kägiswil. Er umfasst 21 Hektaren Grün- und Weideland, davon 3 ha Mais. 2002 brannte die Scheune ab. Darauf reifte der Entscheid, einen Laufstall für 30 Kühe und Jungvieh zu bauen. Seit einigen Jahren werden die Rinder und die Galtkühe im benachbarten Aufzuchtbetrieb von dessen Besitzer betreut. Die rund 50 Melkkühe produzieren im Hauptbetrieb 390'000 kg Milch. Der Betriebsschnitt beträgt 8'800 kg bei 4,5% Fett und 3,6% Eiweiss. Rund die Hälfte der Tiere wird besamt. Ab der zweiten Besamung und für die andere Hälfte kommt ein Zuchtstier zum Einsatz. Aktuell EdualHeld. ral

Swiss-Expo-Dominatorin

Damit sind wir schon bei der Swiss-Expo-Dominatorin: Hakon Alfa. Diese eindrucksvolle Jungkuh war die grosse Abräumerin in Lausanne. Das Ergebnis der beharrlichen Zuchtarbeit. Denn ihr Vater Hecht Hakon wurde im Betrieb gezüchtet und stammt mütterlicherseits aus Vento Ventosa, einer Zuchtkuh, die dem Zuchtziel des Obwaldners recht nahe kommt.

In sieben Laktationen im Schnitt 10500 kg Milch mit 5,14% Fett und 3,60% Eiweiss, dazu EX 93 beschrieben. Hakon war Prüfstier bei Swissgenetics. Seine ersten Resultate sehen gut aus. In Schrackmanns Stall stehen bereits vier abgekalbte Töchter. Nicht die letzten: «Ich habe eben 30 Hakon-Dosen bestellt.» Neue Techniken braucht auch die OB-Zucht: So werden die besten Tiere bei Schrackmanns genomisch getestet.

Die Fütterung

Der Betrieb liegt in einer sehr guten, leicht südlich geneigten Futterbaulage. «Wir geben in der Regel ab Ende März Grünfutter und machen meist sieben Schnitte», weiss Thomas Schrackmann. Im Sommer haben die Kühe freien Zugang zur Weide. Im Stall wird 365 Tage Mais und Emd zugefüttert. Der erste Schnitt wird in Siloballen gepackt. Kraftfutter wird über die Kraftfutterstation abgegeben. Totalmischration war immer die Frage. «Das rechnet sich für unseren Betrieb nicht. Der Futterrüstaufwand und die täglichen Maschinenkosten sind zu hoch», so der Meisterlandwirt. Regelmässig besucht das Trio Weiterbildungen, kürzlich das Fütterungsmodul der Braunviehakademie. ral

Das Niveau halten

Marina, die jüngste der drei Töchter von Thomas Schrackmann, hat zuerst Floristin gelernt. «Doch das befriedigte mich irgendwie nicht. Ich ging zum Berufsberater mit dem Ergebnis: Warum nicht Landwirt lernen?», lacht sie. Sie besuchte zwei Lehrjahre, eines bei Walti und Yvette Windlin in Kerns OW, wo sie das Alpleben kennenlernte. Und bei Beni und Monika Schmid in Schüpfheim LU.

«Da hat mich dann das Schauvirus erwischt. Vor drei Jahren waren wir an der Swiss Expo und wollten nie mehr hingehen. Aber zusammen mit meinem Freund Lars Lischer, Zimmermann und angehender Meisterlandwirt, wagten wir es mit Alfa und Karlo Kia dennoch, während Vater zu Hause zum Rechten schaute.» Der Rest ist bekannt. Marina will ab Sommer eine Weiterbildung in Angriff nehmen und später den Hof weiterführen. «Mit OB das Erreichte weiterführen und das Niveau halten», stellt sie klar.

Milchverwertung

Was nicht für die Kälber gebraucht wird, wird an die PMO Seiler geliefert, die grösste private Raclettekäserei. Die Molkerei Seiler in Sarnen verarbeitet 11 Mio. kg. Milch zu Raclettekäse, der in ganz Europa abgesetzt wird. Die Milch wird zweimal bactofugiert, deshalb ist Silofütterung möglich. Grosser Wert wird auf Qualität gelegt, auch bei der Milch der Bauern. Schon seit über 25 Jahren wird die Milch mit Gehaltszuschlägen ab 7,3% Fett und Eiweiss belohnt. «Dadurch liegt unser Milchpreis einige Rappen höher als der reguläre ZMP-Preis. 13 Direktlieferanten der PMO können rund die Hälfte der Produktionsmenge liefern. Der Rest wird von den ZMP zugekauft. ral

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