16.01.2014 06:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Sömmerung
1000 Rinder suchen neue Alp
Wegen der Tuberkulose können Schweizer Rinder nur noch unter strengen Auflagen in Vorarlberg gesömmert werden. Die betroffenen Bauern müssen für rund 1'000 Rinder neue Alpplätze suchen. Das ist nicht einfach.

In den letzten Jahren verbrachten jeweils rund 1000 Rinder aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein den Sommer auf Alpen im österreichischen Vorarlberg. Vor allem Landwirte aus der viehstarken Ostschweiz sömmerten ihre Tiere ennet der Grenze.

Im kommenden Frühling dürfte kaum mehr ein Bauer seine Rinder in dieses Gebiet schicken, denn dort grassiert die Hirschtuberkulose. Mindestens zwei Schweizer Tiere haben sich in den letzten Jahren unabhängig voneinander angesteckt und die Seuche eingeschleppt.

Strenge Auflagen für Sömmerung im Vorarlberg

Nun will das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zusammen mit den kantonalen Veterinärämtern Vorkehrungen treffen, damit das kein drittes Mal vorkommt. «Wir werden für die Alpung in ganz Vorarlberg strenge Auflagen in den Sömmerungsvorschriften erlassen», bestätigt der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche.

Verbieten könne man die Sömmerung ennet der Grenze nicht, doch: «Wer seine Tiere 2014 nach Vorarlberg verbringt, darf sie nach der Rückkehr   sechs bis acht Wochen nicht verstellen, bis die Tuberkulintests vorgenommen werden können.» Der Bauer muss zudem die Kosten der Untersuchungen bezahlen und bei einem positiven Befund auch für die Konsequenzen aufkommen. Er bekäme nicht nur keine Entschädigung aus der Tierseuchenkasse, sondern müsste sich auch an den Kosten der Folgeuntersuchungen beteiligen. 

Freie Plätze auf weniger gut erreichbaren Schweizer Alpen

Fritsche rät deshalb allen betroffenen Rindviehhaltern, für 2014 Sömmerungsplätze in der Schweiz zu suchen. Doch wie gross ist die Chance, noch eine Alp für 2014 zu finden? «Ich denke, dass  einige Alpen im Bündnerland noch Rinder aufnehmen», beruhigt Curdin Foppa vom Plantahof. Kompromisse müsse man allenfalls bei der Erreichbarkeit der Alpen machen: «Die Transport- und die Sömmerungskosten fallen bei der Alpung in der Schweiz wohl höher aus.»

Markus Hobi vom Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen denkt, dass einige Bauern trotz der Auflagen auch 2014 in Vorarlberg sömmern würden: «Die Zusammenarbeit ist traditionell und eng.» Dazu komme, dass die Alpen im Kanton St. Gallen gut bestossen seien. «Es gibt sicher noch freie Plätze, aber eher auf weniger gut erreichbaren Alpen.» Foppa und Hobi vermuten, dass der neue Alpungsbeitrag, der nur für die Sömmerung in der Schweiz ausgerichtet wird, den Entscheid für eine Schweizer Alp aber erleichtern wird.

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