13.05.2017 06:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Zürich
128 Kühe, drei Rassen und viel Technik
128 Kühe werden im neuen Stall des Strickhofs derzeit gemolken – entweder von einem Roboter oder im Melkstand. An den Halsbändern tragen sie zwei Transponder und eine Antenne. Diese dient der Ortung.

Bisher war der Strickhof in Lindau ZH nicht unbedingt bekannt für seine Milchviehherde. Das dürfte sich nun gewaltig ändern. Der Grund dafür: Agrovet-Strickhof und damit ein neuer Bildungs- und Forschungsstall, in dem derzeit 128 Kühe gemolken werden. «Ende Februar ist ein erster Teil der Herde  eingezogen, vor zwei Wochen folgten die restlichen Kühe», erklärt Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof.

Ein Stall, zwei Herden

Mit dem neuen Stall hat der Strickhof auch eine neue Strategie 2017+ für die Milchviehherde am Agrovet-Strickhof entwickelt. Die Kühe – ein Drittel Holstein, ein Drittel Red Holstein und ein Drittel Brown Swiss – sind in zwei Herden aufgeteilt: in eine Ausbildungsherde und eine Versuchsherde. Die Zahlen dazu sind eindrücklich: Die Ausbildungsherde mit rund 60 Kühen setzt sich aus Brown Swiss, Holstein und Red Holstein zusammen.  Die tägliche Milchleistung liegt dort derzeit bei 32kg Tagesmilch, entsprechend knapp 10'000kg pro Laktation.

Das soll aber nicht das Ende der Fahnenstange sein, wie Schick betont: «Langfristig soll bei der Ausbildungsherde das Leistungspotenzial voll ausgeschöpft werden.» Die anderen Kühe – auch hier sind die Rassen gemischt – bilden die Forschungsherde. «Hier ist der Aufbau einer OB-Versuchsherde geplant. Dies soll über ein Genotyp-basiertes Anpaarungsprogramm mit langfristig definierten Zuchtzielen erfolgen. Derzeit laufen Diskussionen, ob man auf genetisch hornlose Tiere setzen soll», so Schick.  Das Ziel bei dieser Herde sind milchbetonte Grundfutter-Kühe mit einer Durchschnittsleistung von rund 8000kg.

Grüner Spaltenboden

Im Stall stehen die Ausbildungskühe in einer Gruppe. Gemolken werden sie im DeLaval-Melkroboter. Eingebaut wurden in diesem Bereich des Stalles verschiedene Boxenbügel und ein grüner Spaltenboden  der holländischen Firma Amco, der besonders emissionsmindernd sein soll. Schick dazu: «Der Belag auf den Spalten ist gewölbt, aber weich. So sinken die Kühe leicht ein, und der Harn läuft schneller ab. Allerdings zeigt sich, dass der Boden nicht sonderlich rutschfest ist.» Erprobt werden in diesem Stallbereich zudem verschiedene Einstreumaterialien in den Liegeboxen.

Futuristisch mutet die andere Stallseite an. Während die Kühe der Ausbildungsherde ihre Mischration an der Fressachse erhalten, fressen die Kühe der Versuchsherde aus Wiegetrögen. Das heisst, dass an jedem Fressplatz ein Trog auf einer Waage steht und dass laufend  erfasst wird, wann welche Kuh wie viel gefressen hat.

14er-Gruppen

Alle Kühe in beiden Herden tragen zwei Transponder – einer von DeLaval, einer von GEA, am Halsband, zudem eine Antenne für die Ortung, die laufend erfolgt. Zudem sind die Kühe der Versuchsherde in 14er-Gruppen untergebracht. Das hat laut Schick statistische Gründe, denn die Uni und die ETH machen mit diesen Kühen Versuche, dazu braucht es kleine Gruppen.

Gemolken werden alle Gruppen der Versuchsherde in einem Autotandem-Melkstand von GEA mit 2 3 +1 Plätzen – also insgesamt sieben Melkplätzen. «Der Melkstand wurde gewählt, damit man gruppenweise melken und auch im Melkstand Versuche machen kann», erläutert er. «Zudem können die Studenten das Melken lernen, und den Schülern können wir die Unterschiede zwischen Roboter und Melkstand aufzeigen.»

Auch im Stallbereich der Versuchsherde sind Liegeboxen eingebaut. Sie sind aber für alle Gruppen gleich gestaltet. Der Festboden wird mit dem Schieber entmistet. Geweidet werden die Kühe nicht, weil sie für die Versuche gebraucht werden. Anders bei der Ausbildungsherde. Dort hat es ein Weidetor, es ist vorgesehen, die Kühe ins Grüne zu lassen, wenn die Eingewöhnungsphase vorbei ist.

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