27.03.2018 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz
Stallbau
31 Pinzgauer auf 400m2 Kompost
Sabine und Rupert Oberholzner haben 31 Pinzgauer. Die behornten Kühe werden in einem Kompoststall gehalten. Zwei Mal täglich muss die Liegefläche mit einem Grubber oder einer Bodenfräse aufgelockert werden.

Der biologisch bewirtschaftete Hof von Familie Sabine und Rupert Oberholzner befindet sich in Elixhausen im Salzburger Flachgau (Österreich). Die Familie hält 31 behornte Pinzgauer Milchkühe in einem Kompoststall und 30 Stück Jungvieh auf Tiefstreu mit Stroh. Die Kühe liegen weich und können dank der offenen Fläche einander gut ausweichen, aber die Liegefläche braucht Pflege.

Gut durchlüfteter Stall

Der im Jahr 2015 gebaute Stall mit ansprechender Lärchenholztäferung steht wie eine grosse Arche beim traditionellen Bauerngehöft. Es ist ein heller, gut durchlüfteter Stall. Die Längsseiten lassen sich mittels aufziehbarer Vorhänge, den sogenannten Curtains, öffnen, der Dachfirst ist offen, und auch an den Giebelseiten gibt es Schlitzöffnungen.

Eine gute Lüftung ist für einen Kompoststall besonders wichtig, denn bei der Kompostierung des Liegeflächenmaterials entsteht viel Feuchtigkeit, die abgeführt werden muss, da es sonst zu Kondenswasser, vor allem unter dem Dach, kommt. Die Liegefläche ist 40 bis 50cm tief mit Hobelspänen und Dinkelspelzen eingestreut, zu Beginn sind es nur etwa 20cm und Resten vom vorhergehenden Kompost. Die Kühe sinken beim Gehen zwar etwas ein, aber es scheint sie nicht zu behindern.

30 bis 45°C  sind nötig

Wichtig ist die Pflege des Kompostes. Zwei Mal täglich lockert der Landwirt den Kompost mit einem Grubber oder einer Bodenfräse auf, damit Luft in die Matratze gelangt und das Gemisch mit Hilfe aerober Mikroorganismen verrottet. Dabei wird auch der Kot in den Kompost eingearbeitet. Richtigerweise müsste man von «Kompostierställen» sprechen, da das Material zuerst noch verrotten muss. Der Kompost entsteht mit der Zeit.

Damit die Mikroorganismen arbeiten können, darf die Einstreu nicht zu nass werden. Es dürfen also nicht zu viele Kühe pro Fläche gehalten werden. Der Stall wurde für 40 Kühe mit 400m2 Liegefläche erbaut, also eine Kuh pro 10m2. Zurzeit halten Oberholzners nur 31 Kühe. Die Mikroorganismen brauchen Temperaturen von 30 bis 45°C. Die Wärme entsteht beim Umbau des Materials. Kälte und Feuchte im Stall beeinträchtigen die Umsetzungsprozesse. Dann kann die Einstreu nass werden; das Material verdichtet sich, der Kompost kühlt ab und die Tiere und deren Euter verschmutzen.

Dinkelspelzen bei Kälte

Dem beugt der Landwirt vor, indem er mehr Dinkelspelzen einstreut. Diese bringen den Mikroorganismen mehr Energie, und damit wird es wärmer im Kompost. Alle fünf bis sieben Tage streut der Landwirt durchschnittlich etwa 15m3 frische Einstreu nach. Zwei Mal im Jahr räumt der Landwirt den Kompost ganz aus, weil die Liegefläche sonst zu hoch ansteigen würde. Ganz billig ist der Kompost nicht. Sägespäne kosten 14, Hobelspäne 11 und  Dinkelspelzen 10 Euro/m3. Auf ein Jahr gerechnet macht dies etwa 240 Euro je Kuh aus, allerdings sind die Kühe im Sommer Tag und Nacht auf der Weide, sodass weniger Einstreumaterial notwendig ist. Den Kosten steht der Düngerwert des Kompostes, das einfache Ausbringen und der Humusaufbau gegenüber.

Familie Oberholzner hat sich für einen Kompoststall entschieden, da die offene Liegefläche den Kühen viel Bewegungsfreiheit bietet und diese einander gut ausweichen können. Das war dem Landwirt und seiner Frau besonders wichtig, weil sie Kühe mit Hörnern halten wollten. «Mir haben es die Pinzgauer angetan», sagt der Landwirt. Und bei denen gehören die Hörner offensichtlich einfach dazu. Beobachtet man die Kühe eine Zeitlang, sieht man schnell, wie sie auf Distanz zueinander gehen, und zwar bedeutend stärker als Kühe ohne Hörner. Oft sieht man Kratzer am Fell, die von den Hörnern stammen. Das passiere vor allem am Fressplatz, wenn es nicht gelinge, die Kühe rechtzeitig am Fressgitter einzusperren, erklärt die Bäuerin.

5200kg Stallschnitt

Mit Hochleistungskühen können die Pinzgauer nicht mithalten. Der Herdendurchschnitt liegt bei 5200kg. Eine gute Leistung für eine Zweinutzungsrasse, zumal die Kühe nur mit Heu und Gras, aber ohne Kraftfutter gefüttert werden. Die Milch geht in die Heumilchkäserei, die 59 Cent/kg (69 Rp.) bezahlt,  eingeschlossen sind 17 Cent Zuschlag für Bio und 5 Cent für Käsereimilch. Gemolken werden die Kühe in einem 23-Tandemmelkstand. «Wir würden es wieder so machen», antwortet die Bäuerin auf die Frage, ob sie mit dem Stall zufrieden sei. 

 

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