30.08.2020 07:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Rindvieh
400 kg weniger Milch bei Leberegeln
Im Spätsommer – also jetzt – zeigen sich bei Rindern und Kühen erste Symptome von Leberegelbefall. Der wirtschaftliche Schaden durch den Parasiten – reduzierten Milch-, Mast- und Fruchtbarkeitsleistungen – ist gross.

Spätsommer: Einzelne oder mehrere weidende Jungtiere und jüngere Kühe haben Verdauungsstörungen, Durchfall oder Verstopfung. Sie fressen schlecht, krümmen den Rücken, spannen den Bauch an. Im Spätherbst und Winter zeigen die gleichen oder andere Rinder und Kühe der Herde dann   Anzeichen von Entwicklungsstörungen.

Weiden mit sumpfigen Stellen

Die Milchleistung geht um bis zu 30 Prozent zurück. Laut der Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH wurden Einbussen teils über 400kg Milch pro Kuh und Jahr festgestellt. Die unbestimmten Symptome können sich über Wochen und Monate hinziehen.

Spätestens jetzt muss man hellhörig werden. Alle Symptome weisen auf Befall mit dem Grossen Leberegel (Fasciola hepatica) hin – insbesondere dann, wenn die Rinder und Kühe auf Weiden mit sumpfigen Stellen sind oder waren. Dort leben die Zwergschlammschnecken, die der Grosse Leberegel als Zwischenwirt für seine Entwicklung benötigt.

90 Mio. Franken pro Jahr

Verschiedene Untersuchungen haben vor einigen Jahren gezeigt, dass 10 bis 20 Prozent der Schweizer Rindviehpopulation mit dem Grossen Leberegel  befallen sind. Damals ging man davon aus, dass die Zwergschlammschnecke vorwiegend im Mittelland vorkommt. Aufgrund des Klimawandels könnte sie nun auch in höheren Lagen zu finden und deshalb mehr Tiere befallen sein.

Während Jungtiere zum Teil starke Symptome bei akutem Befall zeigen, sieht man ausgewachsenen Tieren die oft chronische  Infektion auf den ersten Blick meist nicht an, muss jedoch mit reduzierten Milch-, Mast- und Fruchtbarkeitsleistungen rechnen. Aufgrund von diversen Daten erstellte die Universität Zürich 2010 eine Modellrechnung zu den finanziellen Verlusten durch Befall mit dem Grossen Leberegel in der Schweiz.

Nachweis

Leberegelbefall kann im Schlachthof festgestellt werden. Ist ein Rind oder eine Kuh infiziert, kann man davon ausgehen, dass der ganze Bestand  betroffen ist. Bei lebenden Tieren können Kot und Milch untersucht werden. Eine negative Kotprobe schliesst einen Befall aber nicht unbedingt aus.

Sie kam auf jährlich rund 90 Mio. Franken, was pro infiziertes Tier einen jährlichen Verlust von 587 Franken bedeutet. Knapp 68 Prozent dieser Einbussen werden durch die reduzierte Milchleistung, gut 31 Prozent durch verlängerte Serviceintervalle und zusätzliche Besamungen verursacht.

In Silage rasch tot

Die Zwergschlammschnecke frisst die  Larven, die sich aus den von Rindern ausgeschiedenen Eiern entwickelt haben, und scheidet ein neues Larvenstadium aus. Diese widerstandsfähige Larve heftet sich ans Gras und wird von den Rindern und Kühen gefressen. Im Heu bleibt sie zwei bis sechs Monate infektionsfähig, in Silage stirbt sie dagegen schon innerhalb von Wochen.

Im Rind wandert die Larve durch den Darm in die Bauchhöhle und dann in die Leber. Diese Wanderung kann grosse Leberschäden hinterlassen.  Leberegel werden bis zu 3cm lang. Sie sind von Auge sichtbar. Täglich produziert ein erwachsener Leberegel 5'000 bis 10'000 Eier.

Doppelt bekämpfen

Wenn eine Untersuchung den Verdacht Leberegel bestätigt, sind zwei Punkte für die Bekämpfung zu beachten: Management und Behandlung mit Entwurmungsmitteln. Bei einem Leberegelproblem im Bestand müssen Feuchtgebiete auf den Weiden unbedingt grosszügig ausgezäunt werden. Rinder sollten im Herbst intensiv beobachtet und wenn nötig mit einem wirksamen Mittel entwurmt werden. Da es sich um eine Herdeninfektion handelt, ist bei nachgewiesener Infektion und Weideverseuchung zwingend der gesamte Bestand zu behandeln. Die Behandlung der Milchkühe erfolgt am besten während der Galtzeit. sum

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