15.02.2018 08:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Viehzucht
«Alternativen zu verlorenen Geldern»
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) streicht 400'000 Franken aus der Absatzförderung. In Zukunft stehen trotzdem Gelder zur Verfügung. Diese sollen weiterhin ein solides Basismarketing ermöglichen

Ab 1. Januar 2019 streicht der Bund 400000 Franken aus der Absatzförderung für das Milchvieh. Davon gehen rund 100000 Franken an die Rindviehausstellungen Swiss Expo, Expo Bulle und Tier und Technik verloren. Wie es zu diesem Entscheid gekommen ist und welche Möglichkeiten für Mittel in Zukunft bestehen, zeigt Viehhändler-Geschäftsleiter Peter Bosshard im Interview auf.

«Schweizer Bauer»: Als Präsident der Arbeitsgruppe Basiskommunikation und Marketing waren Sie auf den Entscheid des BLW vorbereitet. Ist für Sie die Streichung der Mittel plausibel?
Peter Bosshard: Der Entscheid des BLW fiel natürlich nicht von gestern auf heute. Wir waren mit dem Bundesamt diesbezüglich rund zweieinhalb Jahre im Gespräch und haben für die Erhaltung der Gelder gekämpft. Es gibt aber auch Argumente für die Streichung dieser Mittel. So haben Studien des BLW gezeigt, dass wir nach dem Wegfall des Viehexports enorm viel Wertschöpfungspotenzial verloren haben. Mit dem Export von Samendosen, von dem Züchter auch profitieren, ist die Wertschöpfung allerdings geringer. Die Absatzförderungsgelder sind prioritär für Marketing ausserhalb der Landwirtschaft gedacht. Die Streichung der Mittel war, seit der Viehexport nicht mehr existiert, schon immer ein Thema. 

An wen wurden die Gelder von rund 300'000 Franken, neben den 100'000 Franken für Ausstellungen, verteilt?
Die rund 300'000 Franken wurden als Basismarketing für Ausstellungen im Ausland verwendet. Darunter fallen auch die Europakongresse und Teilnahme an Europaschauen.

Das BLW begründet weiter, dass der Nutzen für die Landwirte die Fördergelder nicht rechtfertige. Wie viel haben die Landwirte von den Mitteln in der Absatzförderung profitiert?
Wer wie viel von einem Basismarketing profitiert, ist sehr schwierig zu beantworten. Irgendwo profitiert der Züchter immer ein wenig. Sicher ist, dass die Schweizer Tierzucht weiterhin Mittel braucht. Um diese zu erhalten, hat sich die Arbeitsgruppe Basiskommunikation und Marketing immer eingesetzt. 

2010 wurden die Exportsubventionen für Lebendvieh aufgehoben. Sind in Zukunft Fördergelder für den Lebendexport weiterhin ausgeschlossen?
Der Entscheid über die Aufhebung der Exportsubvention wurde dazumal vom Parlament aufgrund der Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) gefällt. Eine parlamentarische Initiative verlangte im 2011 den Erhalt des Viehexports aus der Schweiz, sie blieb aber erfolglos. Die abnehmenden Rinderbestände in der Schweiz mindern auch das Exportangebot. Zudem ist die Preisdifferenz zum Ausland in den vergangenen Jahren noch grösser geworden. In Deutschland können für 1300 Franken gute Holsteinrinder gekauft werden. Leider hat sich die Schweiz aus dem Zuchtviehexport verabschiedet.

Gibt es neue Möglichkeiten, um Mittel für die Absatzförderung zu erhalten?
Diese gibt es ganz klar. Das BLW kann bei Exportinitiativen, wie beispielsweise Marktbearbeitung in neuen Märkten, Finanzhilfen gewähren. Zudem gibt es die Möglichkeit für ergänzende Projekte, für die Gelder beantragt werden können. Die Marktakteure haben aber kein Verständnis für die massiven Kürzungen. Gemäss Gesprächen mit dem BLW sind Ausstellungen auf Gesuch hin weiter unterstützungswürdig, wenn neue Technologien (z.B. Livestreaming) zum Einsatz kommen. Die Schweizer Viehwirtschaft soll weiterhin auf der Welt bekannt gemacht werden. Ich bin überzeugt davon, dass die Alternativen unter dem Titel Exportinitiativen und ergänzende Projekte vertretbare Möglichkeiten sein werden. Diese können die Kürzungen aber nur teilweise abfedern.

Wie schätzen Sie die Wichtigkeit der alternativen Absatzförderungsgelder ein?
Die anderen Länder in der EU haben  ebenfalls staatliche Gelder für die Absatzförderung zur Verfügung. Die Geldbeträge sind dort erheblich. Damit Marktabklärungen gemacht und Märkte geöffnet werden können, sind diese Mittel unabdingbar. Genetikanbieter stehen auch in  Konkurrenz beispielsweise mit den USA, die genaugleich Gelder in die Absatzförderung investieren. Die Schweizer Tierzucht muss sich weiter international präsentieren.

Zur Person

Peter Bosshard aus Sarn GR engagiert sich als Präsident der Arbeitsgruppe Basiskommunikation und Marketing, welche eine Untergruppe der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) ist. Die Arbeitsgruppe koordiniert die Anstrengungen im Basismarketing. Die Arbeitsgruppe wird zur Koordination und zum Informationsaustausch weiter bestehen. Als Hauptaufgabe leitet Bosshard – zusammen mit Urs Wichser – die ZS-AG in Chur und seit 2001 die Geschäftsstelle des Schweizerischen Viehhändler-Verbandes (SVV). hal

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