25.12.2018 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Anbindestall: Verbot trifft Kleine
Die ganzjährige Anbindehaltung von Milchkühen ist auf dem Rückzug, doch würde ein mögliches Verbot dieser Haltungsform immer noch viele Betriebe treffen. Dies ist ein Ergebnis einer Studie des Thünen-Instituts (TI), in der die Folgen eines Verbotes mit einem Übergangszeitraum von zehn Jahren bis 2027 untersucht wurden.

Dabei weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass es deutschlandweit keine aktuellen Daten zur ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern gibt. Basierend auf Ergebnissen der Landwirtschaftszählung von 2010 und unter Berücksichtigung des Strukturwandels kann aber geschätzt werden, dass 2027 noch etwa 13'500 Betriebe mit rund 270'000 Milchkühen von einem Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung betroffen wären. 

Spezialisierte Betriebe

Dies seien meist kleinere und auf die Milchviehhaltung spezialisierte Betriebe, die oft auch über andere Einkommensquellen neben der Landwirtschaft verfügten, erläuterten die Analysten. Diese Betriebe könnten bei einem Verbot der Anbindehaltung Weidegang anbieten, einen Laufhof errichten, den Anbindestall umbauen oder einen Laufstall neu bauen. Aufgrund der unterschiedlichen betrieblichen Bedingungen würden die damit verbunden Kosten stark variieren. 

Umgerechnet auf das Kilogramm Milch kostet laut Studienergebnissen der Ausstieg aus der Anbindehaltung zwischen 0,26 Cent (0.3 Rp.) und 13,42 Cent (15.1 Rp.). Ein Verbleib in der Produktion könne sich somit erheblich auf die Rentabilität der betroffenen Betriebe auswirken, stellten die Wissenschaftler fest. Allerdings könnten mit Fördermassnahmen, wie beispielsweise tierbezogenen Weideprämien oder einer angepassten Investitionsförderung, negative wirtschaftliche Effekte für die Halter reduziert werden. 

Strukturwandel beschleunigt

Bei einem Übergangszeitraum von zehn Jahren müssten dafür schätzungsweise 222 Mio. Euro bis 287 Mio. Euro (250 bis 323 Mio. Fr.) an öffentlichen Geldern bereitgestellt werden. „Diese Ausgaben ließen sich grundsätzlich mit Mitteln finanzieren, die im Rahmen der Zweiten Säule der EU-Agrarpolitik bereits zur Verfügung stehen“, so die Erstautorin der Studie, Angela Bergschmidt.

Aber selbst mit einer flankierenden Förderung sei zu erwarten, dass ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung den Strukturwandel beschleunigen werde. Ausreichend lange Übergangsfristen, attraktive Fördermassnahmen und gegebenenfalls Härtefallregelungen für auslaufende Betriebe seien deshalb aus Gründen der Sozialverträglichkeit zu erwägen.

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