31.12.2018 08:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Thurgau
Arenenberg: Neuer Stall für 52 Kühe
Auf dem Arenenberg entstehen zwei neue Gebäude mit Kompostierungsstall, Melkroboter, Heuraum und ständigem Weidezugang. Noch wenig bekannte Systeme für Milchkühe sollen erforscht und erprobt werden.

Wo heute auf dem Arenenberg noch der Stall aus dem Jahr 1959 steht, soll schon bald ein neuer Milchviehstall Platz finden. Dieser Stall hat es in sich. Die neu 52 Kühe werden keine Liegeboxen mehr vorfinden, sondern sie werden sich im Kompostierungsstall von rund 400 m2 frei bewegen und hinlegen können. 

Zum Fressen gehen sie in den Laufhof, wo sie am gegenüberliegenden Gebäude die Futterstellen finden. Dort befindet sich auch der Heustock. Ihre Milch werden sie an einem Melkroboter los. Es ist geplant, dass die Kühe immer freien Zugang zur Weide haben. Dieses Projekt mit Kosten von 2,43 Millionen Franken hat der Thurgauer Kantonsrat an seiner Sitzung von Anfang Dezember bewilligt. Der Grosse Rat hatte mit grossem Mehr einen Antrag von Vico Zahnd (SVP) abgelehnt, den Kredit für einen neuen Milchviehstall aus dem Budget 2019 zu streichen. Mit 110 Ja zu 6 Nein genehmigte der Rat anschliessend das gesamte Hochbauprogramm inklusive Stall.

Weidezugang entscheidend

Gerade der letzte Punkt steht für Martin Huber im Zentrum. «Die weideorientierte Milchviehhaltung wird einen immer grösseren Stellenwert bekommen», sagt der Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg. «Weidezugang dürfte geradezu zu einer Pflicht werden. Deshalb planten wir in einer ersten Phase ab 2012, den Stall nahe an den Weiden zu bauen.» Es zeigte sich aber, dass der neue Stall mitten in die Landschaftsschutzzone zu liegen gekommen wäre. Zudem hätte das Vorhaben nicht in die Ziele des Kulturlandschutzes gepasst. 

«Uns blieb nichts anderes übrig, als am bestehenden Standort eine Lösung zu suchen, obwohl dieser recht nahe an einem Wohngebiet liegt.» Die daraus entstehenden Fragen wird Huber zusammen mit den Nachbarn möglichst einvernehmlich zu lösen versuchen. Was ihn aber zudem fordern wird, ist der Weg zur Weide. Er muss für die Kühe wegen des Melkroboters bei Tag und bei Nacht frei begehbar sein. Im Weg steht allerdings eine kleine Quartierstrasse. 

Neuer Kompoststall

«Wir haben die Möglichkeit von Weiderosten, die wir als Begrenzung in die Strasse einbauen können. Gleichzeitig hat der Kantonsrat die Variante eines Tunnels mit Kosten von 250'000 Franken bewilligt. Beide Möglichkeiten werden wir vor allem auch in Bezug auf nachbarschaftsrechtliche Fragen noch intensiv prüfen.»

1959 erbaut

Der heutige Kuhstall entstand 1959 als Anbindestall für 26 Kühe. 1989/90 wurde er in einen Laufstall mit 19 Liegeboxen umgebaut. Durch die Verringerung der Zahl konnte der bestehende Stall benutzt werden. «Die Idee des kleinen Laufstalls kam aus dem Allgäu», sagt Martin Huber. «Wir versuchten, dieses System bei uns zu etablieren.» Was damals nicht schlecht gelungen ist. Zum Betrieb gehören 35 Hektaren Land, davon 30 für den Futterbau. mab

Martin Huber ist überzeugt, dass dieses moderne Milchkuhhaltungssystem dem Auftrag des Arenenbergs als Bildungs- und Beratungszentrum gerecht wird. Zum Beispiel mit dem Kompostierungsstall, den es noch selten gibt. «Dieser erfordert eine spezielle Pflege und Bewirtschaftung, die wir erproben wollen», erklärt er. «Die Einstreu sollte zusammen mit den Ausscheidungen der Tiere innerhalb eines halben Jahres kompostiert sein. Auch auf das Zusammenspiel von Melkroboter und permanentem Weidzugang ist er gespannt.

Erfahrungen sammeln


Dass es nun gleich ein hochmodernes Haltesystem mit nicht ganz günstigen Investitionen sein soll, hat seine guten Gründe. «Unsere Aufgabe ist es, junge Menschen für die Landwirtschaft zu motivieren und auszubilden», sagt er. «Deshalb ist es wichtig, dass wir mit diesem neuen Kompostierungsstall Erfahrungen sammeln und diese weitergeben können, so wie wir dies bereits Ende der 1980er-Jahre mit dem damals neuartigen Laufstall tun konnten.» 

Huber weiss aber auch, dass dadurch die Zusammenarbeit mit Agroscope in Tänikon intensiviert wird. Dorthin werden die Tiere während der Bauzeit als Kühe für einen Weideversuch in den  Emissionsversuchsstall gebracht. Der Arenenberger Stall wird zudem eine ideale Ergänzung zu den dortigen Versuchsställen. «Dieser neue Stall ist für alle, die mit Bildung, Beratung und praxisnaher Forschung etwas zu tun haben, ein Meilenstein. Er ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft.» 

Aber auch Hansjörg Hauser freut sich. Er arbeitet seit 1991 für den Betrieb und leitet ihn seit einem Jahr. «Es macht grosse Freude, bei einem so wichtigen Projekt dabei zu sein», sagt er. Allerdings müssen sich die beiden noch etwas gedulden, denn der Baubeginn soll in der zweiten Hälfte 2019 erfolgen. Der Bezug ist im Lauf von 2020 vorgesehen.

Projekt im Jahr 2015 in Kritik

Der Stallneubau am landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg TG löste 2015 scharfe Kritik aus. Das Projekt sei zu teuer, wurde moniert. Das Projekt wurde überarbeitet.

Das Neubauprojekt, konzipiert als Laufstall, sollte rund 60 Tieren Platz bieten und den aktuellen Anforderungen entsprechen. Der Kanton hatte im Finanzplan dafür 2,8 Mio. Franken eingestellt. Das sei viel zu viel, monierten Kritiker im Januar 2015. «Einen normalen Laufstall kann man für die Hälfte bauen», führte Kantonsrat Moritz Tanner (SVP, Winden) damals aus. Der Kanton solle kein Stall bauen, der sich in der Praxis kein Bauer leisten könne.

Das Projekt wurde in der Folge überarbeitet. Ursprünglich war ein Standort in der Landwirtschaftszone vorgesehen. Auf Einwand des Amts für Raumentwicklung wurde beschlossen, den neuen Stall anstelle des alten zu bauen.

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