18.03.2017 17:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Milchvieh
Astronaut, Vector & Co. im Dauereinsatz
Willi und Mario Schmid aus Gossau SG haben ihren Milchviehbetrieb maximal automatisiert. Davon profitieren sie und ihre Kühe. Dank 2,8 Melkungen und acht Rationen pro Tag liegt der Stallschnitt bei 9'500kg.

Im Stall von Willi, Doris und Sohn Mario Schmid aus Gossau SG ist das volle Programm von Lely im Einsatz: Der Melkroboter Astronaut, der Fütterungsroboter Vector, der Mistschieber Discovery, das Weidetor Grazeway, die Kratzbürste Luna und der Milchtank Nautilus. Das Grazeway allerdings wird sich in diesem Frühling erstmals beweisen müssen.

Denn der Stall wurde erst im November des letzten Jahres bezogen. Doch Betriebsleiter Willi Schmid betont: «Wir haben immer geweidet, und ich will das trotz dem Melkroboter weiter tun – was dank dem Weidegate gut geht.» Auch die Konsumenten wollten Kühe auf der Weide sehen, ist er überzeugt, und auch der Kuh tue die Weide gut.

Ein Auge für die Kühe

Der Laufstall bietet Platz für 76 Kühe, belegt ist er mit 55 bis 70 Kühen aller Rassen – Schmid handelt auch mit Zuchtvieh. Die Milchleistung liegt trotz einem hohen Anteil Erstmelkkühe bei 9'500kg. Gemolken werden sie im Schnitt 2,8 Mal pro Tag. Möglich macht es der Roboter, der Astronaut von Lely. «Ich war einst in Holland», erklärt Schmid seine Beweggründe, beim Stallneubau aufs automatische Melken zu setzen, «dort betreut ein Mann 120 Kühe. Auch bei uns muss ein Mann den Stalldienst machen können – die Arbeitskräfte sind zu teuer.»

Sein Sohn Mario arbeitet zu 100 Prozent auswärts als Fütterungsberater bei der UFA. Doch Arbeitseinsparung sei nicht gleichbedeutend mit mehr Freizeit: «Die Arbeit ist zwar körperlich weniger streng, aber das Management ist umso wichtiger, man muss das Auge für die Kühe haben.»

Gutes Grundfutter


Ein Auge hat Schmid nicht nur für die Kühe, sondern auch für den Futterbau. Die Mischration ist ausgelegt auf ein Milchproduktionspotenzial (MPP) von 29kg, dies allein mit Top-Grundfutter. Die Ration besteht pro Kuh aus Grassilage, Dürrfutter, Rübenschnitzeln, Maissilage, Viehsalz, Mineralstoff, Pansenpuffer und wenig Futterharnstoff.

Der Trockensubstanzverzehr beläuft sich laut Mario Schmid auf 24,8kg. Ausgleichsfutter erhalten die Kühe im Melkroboboter. Laut Tiziano Ziliani von Lely Suisse wird beim automatischen Melken ein MPP aus der Ration empfohlen, das 5 bis 7kg unter der Tagesleistung liegt. «Aber die Schweizer Bauern haben so gutes Grundfutter – es macht keinen Sinn, es  zu verdünnen», sagt er.

Alle 45 Minuten

Der hohe Trockensubstanzverzehr wird nur möglich, weil der Fütterungsroboter Vector füttert. Alle 45 Minuten schiebt er das Futter zu und misst die Futterhöhe. Fällt sie unter einen definierten Wert, legt er eine frische Ration vor – im Schnitt macht er acht Mischungen pro Tag. «Dafür mischt er nur 300kg aufs Mal», erklärt Willi Schmid, «so ist das Futter immer frisch.»

Den Stall hat Schmid mit Hilfe eines Architekten geplant, die Hülle besteht aus Holz, Curtains schützen vor dem Wind. Ionisierende, dimmbare LED-Lampen sollen die Luft von Ammoniak und Bakterien reinigen. Sie gehen am Morgen um 5 Uhr an und abends um 9 Uhr aus.

Keine rutschigen Matten

Auch die Curtains sind automatisch durch Temperatur- und Windfühler gesteuert. Der Kälberstall ist integriert und befindet sich direkt neben dem Roboter, das macht das Tränken effizient. Auch von den sechs Separationsboxen haben die Kühe direkten Zugang zum Astronaut. Die grosse Zahl an Abteilen ist dem Handel geschuldet. Kommen neue Kühe auf den Betrieb, werden sie separat untergebracht und durch den Astronaut begleitet. «Nach drei bis fünf Tagen laufen die Kühe wie selbstverständlich durch den Roboter», betont Schmid.

Der Boden besteht vollständig aus Vollspalten, die im Fress- und im Roboterbereich mit Gummimatten belegt sind. Der Mistschieber Discovery reinigt sie jede zweite Stunde, am Tag etwas häufiger, in der Nacht seltener. Beim Putzen spritzt er Wasser, damit die Gummimatten nicht rutschig werden. Im nordseitig gelegenen Laufhof finden die Kühe im Sommer Schatten, im Winter können sie in den Liegeboxen die Sonne geniessen. Ziel ist, dass die Kühe die meiste Zeit liegen oder fressen. «Die Kuh produziert nur Milch im Liegen», findet auch Ziliani.

Offene Türen

Auf dem Riethof von Familie Schmid in Gossau SG findet am 9. April von 9 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Am 19. März von 9 bis 18 Uhr öffnen Hansueli  und  Andrea Huser in Neu St. Johann SG ihre Stalltüren des neu erbauten Milchviehstalles mit einem Lely Astronaut und einer Lely Luna. sum

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