12.04.2016 09:33
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Auf Nutzungsdauer statt Milchleistung züchten
Ein Ende der starken Selektion von Kühen auf die Milchleistung zu Lasten der Tiergesundheit hat die deutsche Agrar -rund Veterinär-Akademie (AVA) gefordert.

Wie die Fortbildungsgesellschaft am vergangenen Mittwoch mitteilte, haben sich Tierärzte und Praktiker auf ihrer Jahrestagung Mitte März in Göttingen in einer Erklärung eindeutig für eine Neubewertung der Zuchtziele ausgesprochen. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die erfolgte Steigerung der Milchleistung mit leistungsbedingten Erkrankungen bei mehr als der Hälfte der Kühe in der Laktation einhergehe und daraus frühe Abgänge folgten.

Unter der ökonomisch optimalen Periode

Die derzeitige Nutzungsdauer von weniger als drei Laktationen liege zudem unter der ökonomisch optimalen Periode von sechs bis sieben Jahren, heisst es in der Erklärung. Problem sei, dass eine höhere Milchleistung zwingend eine entsprechend höhere Futteraufnahme erfordere. Gelinge das nicht, verlängere sich die negative Energiebilanz der Milchkühe nach dem Abkalben und Stoffwechselstörungen und Folgeerkrankungen träten auf.

AVA-Leiter und Tierarzt Ernst-Günther Hellwig stellte vor diesem Hintergrund fest: „Die Zeiten der überhasteten Jagd auf Milchleistung gehören der Vergangenheit an. Eine Jungkuh, die möglichst schnell ihre ersten 10'000 kg Milch geben soll, dann aber nicht einmal das Ende der Laktation erlebt, wollen weder die Konsumenten noch die milchproduzierenden Landwirte.“

Dringender Handlungsbedarf bei Zuchtzielformulierung

Hellwig forderte, dass die Kühe insgesamt wieder älter werden müssten, um in der Kombination mit einer stabilen Milchleistung auf grösstmöglichem tiergesundheitlichem Niveau eine höhere Lebenseffektivität zu erreichen. Das Kriterium Milchleistung dürfe nicht das alleinige Hauptkriterium der Zucht sein.

Hellwig bemängelte, dass bei der Zuchttierbewertung der Deutschen Holsteins die Milchleistung mit fast 50 Prozent gegenüber anderen Merkmalen wie Nutzungsdauer, Exterieur oder Fruchtbarkeit nach wie vor das höchste Gewicht habe. Das sei auch mehr als in Zuchtprogrammen anderer EU-Staaten. Es bestehe deshalb dringender Handlungsbedarf bei der Zuchtzielformulierung, wobei kurzfristig die Gewichtsanteile für Nutzungsdauer und Gesundheit erhöht werden müssten.

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