20.09.2017 10:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Viehzucht
Aufwind für den Natursprung
Die Genomik spielt dem Natursprung in die Karten. Matthias Schelling von Swissherdbook geht davon aus, dass er zunehmen wird. Stierenzüchter Franz Abächerli verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Stieren.

Am Zuchtstiermarkt Bulle FR waren 86 der 232 aufgeführten Stiere genotypisiert – fast 20 mehr als 2016. Am Zuchtstiermarkt Zug hatten vor zwei Wochen sogar 75 Prozent der Stiere eine Typisierung. 

Holstein&Braunvieh: Keine Zunahme

Die genomische Zuchtwertschätzung führt zu genaueren Zuchtwerten. «Die Erwartung war, dass der Anteil des Natursprungs deshalb in der Tendenz zunehmen würde», sagt Lucas Casanova, Direktor von Braunvieh Schweiz. «Unsere Zahlen zeigen aber, dass dies in den letzten vier Jahren kaum der Fall war. Der Anteil der Geburten aus Natursprung betrug vor vier Jahren 9,3 Prozent, letztes Jahr waren es 9,4 Prozent.» Dies habe wohl auch damit zu tun, dass die Haltung eines Stieres entsprechende Kenntnisse voraussetze.

Bei Holstein Switzerland verzeichnet Oliver Buchs sogar einen leicht rückläufigen Trend beim Natursprung – von 5,8 Prozent der Geburten im Jahr 2014 auf 4,8 Prozent 2016. Buchs begründet diese Tatasache wie Casanova mit den Kosten für die Stierenhaltung, aber auch mit der Unfallgefahr. «Bei der Holsteinrasse ist das Angebot an Spermadosen aus dem Inland und Ausland zudem so umfangreich wie noch nie», ergänzt er.

Auf grösseren Betrieben

Bei Swissherdbook stammten in den letzten Jahren jeweils rund 15,5 Prozent der Kälber aus Natursprung. «Genomische Zuchtwerte spielen auf Zuchtstiermärkten noch keine grosse Rolle», erklärt Swissherdbook-Direktor Matthias Schelling. «Wir gehen aber davon aus, dass die genomische Selektion den Natursprung mittel- und langfristig durchaus stärken wird.»

Davon, dass der Natursprung an Bedeutung gewinnen wird, ist Franz Abächerli, Braunviehzüchter aus Hausen am Albis ZH und Vorstandsmitglied der Stierenhaltervereinigung, überzeugt: «Ich verzeichne schon heute eine steigende Nachfrage nach Natursprungstieren – sowohl von Seiten der Stierenhaltervereinigung wie auch als Stierenzüchter. Dies auch aus Kostengründen. Auf den immer grösseren Betrieben lohnt sich der Einsatz eines Stieres.» Heute werden die Genomzuchtwerte der Stiere nicht bei allen Rassen publiziert. Verkäufer sind gezwungen, über ihren privaten Herdebuch-Zugang diese aktuell auszudrucken und damit zu werben.

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