Sonntag, 29. Januar 2023
18.01.2023 17:19
Spanien

Aus für Riesen-Milchviehbetrieb

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu/AgE

Für Milchvieh- und Rindermastbetriebe gibt es in Spanien nun eine gesetzlich vorgeschriebene Maximalgrösse. Der entsprechende Königliche Erlass zur Organisation von Milchvieh- und Rindermastbetrieben wurde zum Jahreswechsel im Offiziellen Amtsblatt veröffentlicht. Das bedeutet das Ende für einen geplanten Milchviehbetrieb mit über 20’000 Kühen.

Demnach dürfen diese Betriebe jetzt nur noch maximal 850 spanische Grossvieheinheiten (UGM) umfassen, wobei sowohl für eine Milchkuh als auch für ein Mastrind jeweils 1 UGM angesetzt werden. Für Kälber bis zum Alter von sechs Monaten wird mit 0,2 UGM gerechnet, für Rinder von sechs Monaten bis zwei Jahren mit 0,6 UGM.

Gilt für Neubauten

Die Neuregelung gilt für Neubauten und Betriebe, die erweitert werden. Betriebe, die jetzt bereits grösser sind als 850 UGM oder denen für entsprechende Wachstumspläne alle Baugenehmigungen vorliegen, können weitergeführt beziehungsweise gebaut werden. Es soll aber strengere Kontrollen als bisher geben. Und die Betriebe dürfen sich nicht mehr vergrössern.

Die grosse Mehrzahl der Milchvieh- und Rindermastbetriebe in Spanien wird von dem Erlass indes nicht betroffen sein. Laut Zahlen der Staatsregierung in Madrid betrug die durchschnittliche Betriebsgrösse in der spanischen Milchviehhaltung 2020 gerade einmal 64 Kühe. Allerdings sorgt der Bau sogenannter «Macrogranjas» mit sehr grossen Bestandszahlen seit längerem für Aufregung in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion.

Grossbetriebe im Visier

In die internationalen Medien geschafft haben es Pläne für einen Milchviehbetrieb mit über 20’000 Kühen in Noviercas bei Saragossa. Dagegen aus Umweltschutzgründen aktiv geworden waren unter anderem der grosse spanische Bauernverband COAG und Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation feierte den neuen Erlass jetzt zwar als Erfolg gegen diese «zerstörerische Form der Landwirtschaft». Die Obergrenze von 850 UGM ist Greenpeace aber weiter zu hoch.

Ausserdem werde nicht berücksichtigt, dass sich in unmittelbarer Nähe mehrere Betriebe mit jeweils 850 UGM ansiedeln dürften. Auch dadurch würden regional beträchtliche Bestandszahlen mit entsprechenden Wirkungen auf die Umwelt erreicht. Greenpeace die Vereinigung kleiner und mittlerer Landwirte (COAG) hatten zuvor eine Maximalbelegung mit 180 Tieren gefordert. «Es geht nicht auf die Gesamtbelastung einer Region ein», sagte Luis Ferreirim, Viehzuchtspezialist bei Greenpeace Spanien. 25 Betriebe mit jeweils 850 Einheiten ergäben zusammen auch ein Volumen ähnlich dem gestoppten Grossbetrieb in Noviercas.

Gewaltige Dimensionen

Der Betrieb in Nordspanien sorgte 2021 für Proteste bei der lokalen Bevölkerung. Denn die Dimensionen der Anlage sind gewaltig. 23’520 Milchkühe sollten zwei Kilometer ausserhalb von Noviercas in Stallungen auf 120 Hektaren gehalten und gemolken werden. Das berichtete die Zeitung «Der Standard» im Dezember 2021. Hinter dem Projekt steht das Unternehmen Valle De Odieta. Dieses hatte über 900 Hektaren Land aufgekauft. Rund 250 Jobs wurden in Aussicht gestellt. Jährlich hätten auf dem Betrieb 180 Millionen Kilo Milch produziert werden sollen. Zum Vergleich: In der Schweiz werden jährlich 3,4 Mrd. Kilo erzeugt.  Es wäre die grösste Milchviehbetrieb in Europa und die Nummer 5 weltweit gewesen.

Nach dem neuen Gesetz darf der Betrieb jedoch nicht gebaut werden, genau wie alle Farmen, deren Baugenehmigungen nach April 2022 erteilt wurden. Es sei «eine sehr gute Nachricht nicht nur für unser Dorf Noviercas, sondern für ganz Europa», zitiert die Zeitung «TAZ» Armando Pérez Ruiz aus Noviercas. Das Gesetz stärke die kleinen und mittleren Landwirte und schütze die Umwelt, so der Ackerbauer.

Gemäss Berechnungen von Greenpeace hätte die Farm so viel Wasser verbraucht wie eine Stadt mit 16’000 Einwohnern. Das CO2-Austoss hätte 574’200 Tonnen CO2 betragen, so viel wie 122’000 Autos. Das 70’000 Quadratmeter grosse Jauchebecken hätte rund acht Meter tief werden sollen. Die Menge an Exkrementen würde sich auf 368’000 Tonnen belaufen, so die Umweltorganisation. Landwirt Armando Perez zeigte sich im Dezember 2021 besorgt. Das Grundwasser sei in Gefahr, warnte er. «Das ist keine Rinderfarm, das ist eine regelrechte Fabrik», kritisierte er. 

Für schweinehaltende Betriebe besteht in Spanien bereits seit längerem eine Bestandsobergrenze. Sie liegt bei 720 UGM, wobei zum Beispiel ein 100 kg schweres Mastschwein mit 0,14 UGM geführt wird.

Bauernverband warnte vor Projekt

Auch der Bauernverband COAG warnte bereits 2017 vor dem Projekt. Milchviehbetriebe von solcher Grössenordnung seien eine tiergesundheitliche «Zeitbombe». Träte im Bestand nur ein einziger Fall einer Seuche wie zum Beispiel Rinderbrucellose auf, müssten gleich 20’000 Tiere gekeult werden.

Auch sah der Verband die regionalen Strukturen gefährdet. Der neue Betrieb würde 432 Höfe der regional durchschnittlichen Grösse ersetzen und insgesamt 726 Arbeitsplätze zerstören. Der Verband kritisierte zudem den «immensen Wasserverbrauch» und die grossen Mengen anfallenden Mist. Man wolle das Projekt zu verhindern und das «Modell einer Produktion in kleinen und mittleren Betrieben» verteidigen, hiess es damals.

Mehr zum Thema
Tiere

Junior Schöneuter SI: Unetto Camilla, Familie Schmied, Guggisberg BE; Junior Champion SI: Cyrill Furka von Peter Brügger, Frutigen BE; Junior Champion SF: Odyssey Tara, Ueli und Niklaus Berger, Burgistein BE; Junior Schöneuter SF: Hamilton…

Tiere

Mortellaro erfordert eine gezielte Bekämpfung.UFA Auf einem Milchviehbetrieb in Deutschland machte man gute Erfahrungen mit einem Pflaster gegen Mortellaro. Es enthält keine Wirkstoffe und hat keine Wartefrist. Auch hierzulande ist…

Tiere

Guschtis geniessen den Schnee.rh Der Winter war bisher meist mild. Nun ist es kälter geworden. Doch Schnee und eisige Kälte sind für die meisten Nutztiere kein Problem. Nur Nässe macht…

Tiere

Das «Nationaltier» der Schweiz: Die Kuh.Paul Huber Bella ist der beliebteste Kuhnahme der Schweiz – und zwar mit Abstand. Laut einer neuen Statistik der Tierverkehrsdatenbank hören 4422 Kühe auf diesen…

3 Responses

  1. Endlich wird Massentierhaltung mit Zahlen definiert.
    Soll jetzt noch einer sagen, wir hätten in der Schweiz irgendwo eine solche.
    850 Kühe oder 5100 Mastschweine, da sind hier allesamt nur kleine Hobbybetriebe.

    1. Toll, jetzt müssen wir die maximale Anzahl Menschen in jedem Land auf der Welt auf den Stand von 1900 festlegen, dann brauchen wir automatisch keine Massentierhaltung, und keine Massenmenschenhaltung mehr, und die Umwelt wird wirklich geschützt. Sogar der Regenwald wäre damit gerettet!

  2. Naja, Wasser wird nicht verbraucht, sonder gebraucht. Tierhaltung an sich ist eigentlich CO2 neutral, das CO2 was sie produzieren, haben sie über die Pflanzen aufgenommen. Auch das Wasser wird wieder dem Kreislauf zurück geführt, entweder über eigenen oder später über den „Verbraucher“. Unser Problem ist beim Wasser eher das wir unseren menschlichen Wassergebrauch schlecht in den Kreislauf zurück führen. Übertrieben gesagt, pumpen wir unser Wasser ziemlich direkt in den Fluss bzw. ins Meer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE