18.02.2019 13:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz*
Zäune
Ausbruchsicher und langlebig
Früher schlug man einfach Holzpfähle in den Boden und befestigte die Elektrodrähte mittels Isolatoren. Heute gibt es moderne Hilfsmittel, um die Tiere möglichst sicher auf der Weide zu halten.

Auch der beste Zaun nützt nur so lange, wie er nicht beschädigt wird. Diese Erfahrung musste Walter  Müller in Uitikon Waldegg ZH vor acht Jahren machen. In der Nähe der Agglomeration Zürich hält der  Landwirt neben Pensionspferden eine Galloway Mutterkuhherde. Es sind kleine, meist schwarze Rinder  mit einem zottigen, dicken Fell, die im Sommer Tag und Nacht auf der Weide verbringen.

Kühe auf der Autobahn

Eines Nachts bekam der Landwirt einen Anruf, seine Kühe befänden sich auf der etwa 2,5 km entfernten Autobahn. Sie waren über die Einfahrt auf die Autobahn gelangt. Einige liefen sogar in den Tunnel der Autobahn, die für den Verkehr gesperrt werden musste. Es waren Stunden, die der Tierhalter lieber  nicht nochmal erleben möchte. 

Kühe und Kälber kamen schlussendlich zwar wieder gesund nach Hause, aber der Schreck war sowohl den Haltern als auch den Tieren in die Knochen gefahren. Es stellte sich heraus, dass die Litzen von unbekannt mit einer Zange durchgetrennt wurden. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Müller suchte nach einem Weg,  wie er sich vor solchen Übergriffen schützen kann und stiess im Internet auf ein Zaunalarmgerät, wie es in Neuseeland zum Überwachen langer Zäune benutzt wird. 

Gerät alarmiert Landwirt auf Handy


«Es war damals brandneu auf dem Markt», erzählt Müller. Sein Weidezaunlieferant, das Zaunteam, musste das Gerät zuerst in das Sortiment aufnehmen. Das Gerät alarmiert den Landwirt per Handy, sobald die elektrische Spannung im Gerät abfällt. In den acht Jahren, seit Müller das Gerät
benutzt, hat es ihm schon  das eine oder andere Mal geholfen. 

Zum Beispiel, wenn der Draht bei Feldarbeiten beschädigt wurde, ohne dass es auffiel, oder im Winter, wenn Schnee auf den Drähten lag. Auch wenn die Batterie des Viehhüters schwach ist und nicht mehr die nötige Spannung aufbringt, gibt es einen Alarm.

Richtig mit Alarmgerät umgehen

«Oft sind es Bagatellen», sagt der Landwirt. Wenn das Gras zu hoch wächst, kann dieses Strom ableiten. Das passiert zum Beispiel im Herbst morgens, wenn es Tau hat. Aber lieber einmal zu viel als zu wenig mit dem E-Bike um die Weide fahren und den Draht kontrollieren. Wichtig sei, dass man die Eigenheiten des Gerätes kennenlerne und es richtig einstelle. 

Wenn zum Beispiel im Winter die Litze den schneebedeckten Boden berührt, dann fällt die Spannung weniger ab, als im Sommer, wenn sie  auf den baren Boden fällt. Denn Schnee wirkt isolierend. Also muss der Landwirt im Winter das Gerät so einstellen, dass es schon bei einem geringen Spannungsabfall Alarm gibt. Das Display des Handys  zeigt an, wie stark die Spannung abfällt. Das gibt dem Landwirt Hinweise, was passiert sein könnte. 

Zaun soll beständig sein

Für Müller ist das Zaunalarmgerät so wichtig, dass er inzwischen drei weitere Geräte für die separaten Weiden gekauft hat. Für alle Weiden zusammen macht die Zaunlänge 6 bis 7 km aus. Ein Alarmgerät kostet rund 800 Franken. Die Sicherheit seiner Tiere ist dem Landwirt den Preis wert. Voraussetzung für die  Verlässlichkeit des Zaunalarms sei, dass man nur intakte Litzen mit möglichst hoher Leitfähigkeit verwende.

Landwirten ist nicht nur die Sicherheit ihres Zaunes wichtig, sondern sie wollen auch einen Zaun, der beständig ist und an welchem sie nicht dauernd Pfähle auswechseln oder Drähte reparieren müssen. «Der Zaun muss währschaft, stabil und langlebig sein» , sagt Lukas Maurer in Niederwil bei Frauenfeld. Er hält seine Galtkühe im Sommer auf einer Weide etwa einen Kilometer vom Hof entfernt. Den bisherigen alten Zaun, der teilweise noch aus Stacheldraht bestand, hat er durch einen robusten 600 m langen elektrischen Festzaun ersetzt, wobei er sich von der Zaunfirma «Zaunteam» beraten und helfen liess. 

Wichtige Eckpfähle

«Das Wichtigste sind die Eckpfähle», betont Maurer. Eine spezielle Ramm-Maschine schlug die 2.5 m langen und 14 x 14 cm starken Robinienpfosten über einen Meter tief in die Erde. Das Einrammen der 10 Pfähle kostete 100 Franken pro Pfahl. Je länger die geraden Strecken sind, desto weniger Eckpfähle sind nötig und der Zaun wird günstiger. 

Zwischen den Eckpfählen wurden dicke Drähte gespannt und anschliessend in den Zwischenräumen Hölzer an den Drähten angebracht, um ihnen zusätzlich Halt zu geben. Stahlfedern sorgen für einen gleichbleibenden Zug des Drahtes bei verschiedenen Temperaturen.

Unten durch mähen

Die Zwischenpfähle wurden nur zum Teil in den Boden geschlagen, damit sie sich vom Boden abheben lassen. «So kann ich darunter mähen», sieht der Landwirt als grossen Vorteil. Eine zweite Person muss während des Mähens das Zwischenholz anheben. Die Zwischenpfähle sindaus hartem Tropenholz, Insultimber genannt. Dieses leitet den Strom nicht, so dass keine Isolatoren nötig sind. 

«In einem knappenTag war der Zaun angebracht. Wir haben zu zweit geholfen», erzählt der Landwirt. Auch zwei Tore sind eingebaut und zwischendrin gibt es noch einen Naturzaun aus Büschen. Dem Landwirt  war es wichtig, eine Fachperson zu haben, die ihm die richtigen Handgriffe zeigt. Nun sollte der Zaun  seine Funktion erfüllen, ohne dass in den nächsten 10 bis  12 Jahren etwas repariert werden muss.

* Der Autor hat den Artikel im Auftrag der Messe Tier&Technik verfasst.

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