17.11.2015 17:07
Quelle: schweizerbauer.ch - sum/sda
Euter
Behörden wollen gegen überladene Euter vorgehen
Milchkühe fühlen sich gar nicht mehr wohl, wenn sie zu lange nicht gemolken werden. Übervolle Euter schaden ihrer Gesundheit, wie die Uni Bern wissenschaftlich belegt hat. Anhand der Studie sollen nun Kriterien für Vieh-Ausstellungen festgelegt werden.

Werden Kühe an Milchvieh-Ausstellungen gezeigt, dann kann es vorkommen, dass sie über längere Zeit nicht gemolken werden. Die Tierschutzverordnung verbietet aber lange Pausen zwischen dem Melken, wenn diese «die natürliche Form des Euters verändern oder zu einem unnatürlichen Füllungszustand führen».

Höhere Zellzahlen und Euterentzündung

Kriterien für einen «unnatürlichen Füllungszustand» fehlten aber bislang. Sie sollen nun anhand einer Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern festgelegt werden, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) am Dienstag mitteilte.

Die Studie zeigte, dass Kühe, die während 24 Stunden nicht gemolken wurden, sich sichtlich unwohl fühlen, und auch ihre Gesundheit gefährdet ist. Nach 24 Stunden hätten viele Kühe ein Ödem, also eine Wasseransammlung, in der Unterhaut des Euters gekriegt. Die Zellzahl in der Milch sei erhöht gewesen, was auf eine Euterentzündung hindeute. Zudem sei bei vielen Kühen Milch ausgelaufen.

Füllzustand der Euter an Ausstellungen messen

Die Testkühe hätten in den letzten sechs Stunden vor dem Melken weniger gefressen und ein festeres Euter gehabt, hiess es weiter. Um Druck und Schmerz zu vermeiden, hätten die Tiere ihre Hinterbeine weiter gestellt und das Euter so entlastet. Laut Philipp Kohler von Vetsuisse wirken sich Zwischenmelkzeiten von 24 Stunden negativ auf die Kühe aus. Je nach Laktationsphase seien aber auch Melkintervalle zwischen 12 und 24 Stunden – wie sie an Ausstellungen bemängelt werden – bereits problematisch

Das BLV wird nun mit den Organisatoren von Milchviehausstellungen und mit den Zuchtverbänden das Gespräch suchen. Konkret plant das BLV, den Füllzustand der Euter an Ausstellungen zu messen. Kohler schlägt als Merkmale die Euterfestigkeit und die Wasseransammlungen im Euter sowie die anteilige Belastung der Hinterbeine der Kuh vor. Diese drei Merkmale wurden bereits in der Studie erhoben. Ödeme werden mit Ultraschall festgestellt.

Aebi begrüsst Studie

Andreas Aebi, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter, begrüsst die Studie. «Dass Kühe nach 24 Stunden ohne Melken leiden, ist klar.» Die Frage sei nun, wie man mit diesen Zahlen umgehe. Nötig sei ein Zusammensitzen mit den Organisatoren der Ausstellungen und dem BLV. «Neue Messkriterien könnten eine Möglichkeit sein, werden sich in der Praxis aber beweisen müssen.»

Die Kantonstierärzte und das BLV würden nun mit den Organisatoren von Milchviehausstellungen und Zuchtverbänden zusammensitzen, schrieb das BLV. Sie wollen Massnahmen diskutieren, wie lange Melkpausen bei Milchviehausstellungen in der Schweiz vermieden werden können.

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