28.07.2018 09:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Götz
Stall
Bei 3000°C kapituliert der Harnstein
Stallböden werden mit der Zeit rutschig. Das Flammstrahl-Verfahren raut die Oberfläche von Betonböden auf, ohne den Beton zu beschädigen. Für Rolf Thalmann ist das Verfahren eine Alternative zur Gummiauflage. -> Mit Video

Aus dem Laufstall von Rolf Thalmann in Amriswil TG tönt ein ohrenbetäubender Lärm, und dem Fotografen kommen heisse, kleine Partikel entgegengeflogen. Da gibt es schnell eine Wunde auf der Haut oder einen «Plätz» in der Kleidung. Kein Wunder haben die beiden Männer, welche den Betonboden mit einem fast 3000°C heissen Flammenstrahler erhitzen, dicke Schutzkleider an.

Ganze Fläche wird rauer

Ziel des Hitzeschockes ist es, Ablagerungen auf dem Boden, vor allem den Harnstein, abzusprengen. Denn diese bilden eine glatte Schicht über dem Beton, so dass die Klauen der Kühe zu wenig Halt finden. Die Kühe rutschen aus und fühlen sich unsicher. Stress ist die Folge. Thalmann hat sich überlegt, ob er auf seinen Laufgängen Gummimatten einbauen soll, aber diese sind relativ teuer und die Klauen würden sich darauf zu wenig abreiben, erklärt er. 

Schon früher liess er mit einem Diamantschleifer schmale Rillen in den Beton fräsen. Das hat ihn allerdings nicht überzeugt, denn die Auftrittsfläche sei für die Klauen kleiner und die verbleibende Oberfläche sei glatt geblieben. Mit jedem weiteren Aufrauen fresse sich die Fräse tiefer in den Boden ein und, die Betonauflage über der Armierung werde dünner. Mit dem Flammstrahlverfahren erhofft sich Thalmann, dass der Boden ganzflächig griffig wird und er in den nächsten acht Jahren nichts mehr unternehmen muss.

Der Preis ist variabel


Etwa tausend Laufböden habe er so schon saniert, sagt Luc Papeta von der französischen Firma Tounet. Zusammen mit seinem Kollegen ist er nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich unterwegs. Damit das Team nicht für jeden Landwirt extra aus Ploërmel in der Bretagne anreisen muss, hat das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen die Landwirte in der Umgebung auf die neue Methode aufmerksam gemacht und die Einsätze koordiniert. Es hat auch dafür gesorgt, dass interessierte Landwirte beim Erhitzen des Bodens dabei sein und das Resultat an Ort und Stelle begutachten können. 

Nach spätestens neun Jahren müsse man den Boden wieder verflammen, sagt Papeta. Die Kosten für das Verflammen liegen je nachdem, wie gut der Stall für die Maschinen zugänglich ist und wie viele Ställe in der Nähe saniert werden können, zwischen 7 und 12 Euro/m2. Hinzu kommen jeweils 300  Euro für die Anfahrt. Je breitere Maschinen die Bodensanierer einsetzen können, desto schneller geht es. Für Ställe mit schmalen Quergängen rechnet Papeta mit etwa 70 m2 pro Stunde, ansonsten mit 100 m2 pro Stunde.

Achtung Brandgefahr


Das Flammstrahlgerät verwendet das Gas Flamal 29. Lange Schläuche verbinden die Flammenstrahler mit Gasflaschen, die vor dem Stall stehen. In den Brennköpfen der Strahler wird das Gas mit Sauerstoff gemischt. Die Geräte werden nach Angaben der Firma regelmässig durch einen Fachmann überprüft. Wegen Brandgefahr ist im Stall grosse Vorsicht geboten. 

Brennbare Materialien wie Stroh oder Futtersäcke dürfen sich nicht in der Nähe der Strahler befinden. Thalmann hat vor dem Einsatz Spinnennetze und Staub an den Decken entfernt, seine mit Wasser gefüllte Pflanzenspritze für den Notfall bereitgestellt und in der folgenden Nacht Kontrollgänge im Stall gemacht.

Erhitzen desinfiziert

Ein Nebeneffekt des Erhitzens ist die Desinfektion des Bodens. In Mastpouletställen töte die Hitze Kokzidien, Clostridien und Läuse ab. Dabei werde eine Maschine mit einem 4m breiten Strahlgerät verwendet. In Rindviehställen unterstütze die Desinfektion die Bekämpfung von Mortellaro. Die Hitze tötet Bakterien ab, die sich im Boden versteckt haben. Das Flammstrahlen eigne sich sowohl für Fest- und Spaltenböden aus Beton als auch für Gitterroste, nicht jedoch für Gussasphalt.

Interessenten für das Flammstrahlverfahren können sich weiterhin beim LZSG Flawil melden. www.lzsg.ch. Weitere Informationen  www.decapage-tounet.fr

 

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