21.01.2013 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Baumgartner*
Stallbau
Beim Kompoststall bleibt die Liegefläche trocken
Nachdem in den USA und Israel das System der Kompostställe schon praktiziert wird, hält es in abgewandelter Form auch bei uns Einzug. In Deutschland gibt es mehrere Kompostställe, im Thurgau ist der erste im Bau.

Das System des Kompoststalls darf nicht mit dem Konzept eines Tiefstreustalles verwechselt werden. Der Liegebereich wird ein- bis zweimal täglich mit einer Federzinkenegge 15 cm tief umgesetzt. Durch den Lufteintrag entwickelt das Material eine Eigenwärme von etwa 45°C. Dadurch entweicht die Feuchtigkeit aus dem Liegebereich, und die Oberfläche bleibt hygienisch trocken.

Regelmässig nachstreuen

Als Einstreumaterial haben sich Sägespäne und Hobelspäne am besten bewährt. Zweimal jährlich wird der Stall ausgeräumt und frisch beschickt. Alle 15 bis 20 Tage werden 10 bis 20 cm nachgestreut. Somit liegt der Jahresverbrauch schliesslich bei 10 bis 16 m3 pro Kuh. Das kompostierte Material weist nach der Vergärung einen pH-Wert von um die 8 auf und ist ein hochwertiger Dünger auf Feld und Acker.

Damit der Kompoststall funktioniert, ist eine Liegefläche von 7 bis 8 m3 pro Kuh wichtig. Nur so stimmt das Verhältnis von Feuchtigkeitseintrag und Verdunstungsleistung. Dies führt zu einer eher höheren Stallgrundfläche pro Kuh gegenüber herkömmlichen Systemen, was die Einsparungen der Stalleinrichtungen teilweise auffrisst. Für die Wirtschaftlichkeit sind die Beschaffungskosten des Sägemehls und der Hobelspäne entscheidend. Mit der Beimischung von Alternativmaterialien (Stroh, herkömmlicher Kompost, Getreidespreu), einem hohen Anteil Weidegang im Sommer oder einer Unterflurlüftung kann der Verbrauch an teuren Holzstoffen deutlich reduziert werden.

Kein Aufbau im Winter

Insgesamt kann festgehalten werden, dass das System funktioniert, wenn gewisse Eckpunkte stimmen. So kann zum Beispiel im Winter wegen der fehlenden Prozesswärme eine neue Matte nicht aufgebaut werden. Sofern ausschliesslich mit Holzprodukten eingestreut wird, sind die Kosten relativ hoch, und es ist absehbar, dass das System auf wenige Betriebe begrenzt ist.

Sollten bezüglich des verwendeten Materials noch Entwicklungen stattfinden (z.B. Spreusammler beim Mähdrescher, Separationsmaterial von Biogasanlagen oder aus der Gülle), können Kompostställe durchaus eine bedeutende Verbreitung erlangen.

*Der Autor arbeitet am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg TG.

Exkursion

Die Kommission Landtechnik des VTL und das BBZ Arenenberg organisieren am 15. und 16. März eine Exkursion zum Thema Kompostställe in den Raum Passau (D). Besichtigt werden drei Kompostställe und ein gemeinschaftlicher Boxenlaufstall. Zwei der Kompostställe melken mit einem AMS.

Auskunft: Christof Baumgartner, Tel. 071 663 33 06, christof.baumgartner@tg.ch. Detaillierte Ausschreibung  unter www.tvlt.ch.

Anmeldung bis 11. Februar beim BBZ Arenenberg, Tel. 071 663 33 61, Fax 071 663 33 19, iris.diliso@tg.ch oder beim VTL, Markus Koller, Weiherhofstr. 9, 9542 Münchwilen, Tel. 071 966 22 43, info@tvlt.ch.

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