5.12.2019 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Klimaschutz
Beiträge für langlebige Kühe
Weniger Methangas, weniger Ammoniak, weniger Lachgas, weniger CO2: Die Landwirtschaft muss einiges unternehmen, um klimaneutral zu werden. Der Bund will Anreize schaffen – unter anderem mit Geldbeiträgen für alte Kühe.

Die Förderung von klimafreundlicher Milch hat sich längst etabliert. So haben Programme bei der  Milchhandelsorganisation Aaremilch, bei der Migros-Milchverarbeiterin Elsa und zuletzt ein Zusatzkriterium beim Branchenstandard «Nachhaltige Schweizer Milch» eines gemeinsam: Sie fördern hohe Lebtagleistungen bei den Milchkühen. Damit lassen sich Treibhausgase pro Kilo Milch reduzieren.

Langlebigkeit im Visier

«Wir müssen Wege finden, wie die Ziele erreicht werden können», sagte Adrian Aebi, Vize-Direktor beim Bundesamt für Landwirtschaft BLW, an der fünften Agrocleantech-Tagung von Mitte November in Bern. Er meinte die Ziele im Bereich Klimaschutz und denkt an die Vision einer klimaneutralen Landwirtschaft 2050. Aebi rückte die Milchkuh, die Zweinutzungskuh inkl. Fleischproduktion, ins Zentrum: «Eine ältere Kuh ist effizienter, was den Methangasausstoss pro Kilo Milch anbelangt.»

Mit mehr Milch pro Kuh könnten die Aufzuchtjahre kompensiert werden. Aebi zieht Geldbeiträge für die Nutzungsdauer in Betracht und sprach für die Abgeltung über zwei Möglichkeiten: Einerseits könnte die Lebtagleistung berücksichtigt werden – von der auch leistungsstarke Kühe profitieren dürften – und andererseits könnte die Anzahl Laktationen gezählt werden. Die Daten kämen direkt aus der Tierverkehrsdatenbank. «Die Tierhalter müssten gar nichts tun, ausser die Kühe länger zu halten», sagte Aebi. 

Biogasanlagen 

Die Förderung von langlebigen Kühen gehört zu einer Vielzahl von Massnahmen der Agrarpolitik, um den Klimaschutz zu verbessern. Im Nutztierbereich  stehen weiter die Begrenzung der Rohproteinzufuhr, die Tiergesundheit mit einer Förderung der Weidehaltung und die Reduktion der Ammoniakemissionen im Fokus. Der Staat und der Markt müssten die richtigen Anreize schaffen, damit die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaften mehr Werte schaffen würden, sagte Aebi weiter.

Klimaneutrale Schweiz nach 2050 lautet das Ziel. Gemäss dem BLW gilt es, eine halbe Million Tonnen CO2-Äquivalente durch das Umsetzen von Massnahmen zu reduzieren. Fabienne Thomas, Leiterin Energie und Umwelt beim Schweizer Bauernverband (SBV), zeigte Reduktionspotenziale anhand verschiedener Massnahmen auf. Nicht nur die Steigerung der Lebtagleistung bei Milchkühen, sondern auch bei Mutterkühen sei erstrebenswert. Weiter könne mit Precision Farming die Stickstoff-Effizienz verbessert werden.

Ernst der Situation erkannt


Vor allem aber gab die Biogasanlage zu reden. Das Publikum an der Tagung war sich einig, dass Beiträge zur Förderung von Biogasanlagen sinnvoll wären. Denn mit ihnen liessen sich über 700'000 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen, sagte Stefan Mutzner von Ökostrom Schweiz. Für Aebi ist eine Förderung nicht ausgeschlossen, allerdings seien die Vermeidungskosten relativ hoch. Weiter sei es fragwürdig, wenn Massnahmen aus dem Energiebereich über das Landwirtschaftsgesetz abgedeckt werden sollten. 

Agrocleantech will sich stark für den Klimaschutz in der Landwirtschaft engagieren. Denn nach dem Trockensommer 2018 sei im «hintersten und letzten Tal» der Ernst der Situation erkannt worden, sagte Agrocleantech-Präsident Martin Rufer. Die Rahmenbedingungen müssten so gestellt werden, dass die Potenziale ausgeschöpft werden könnten. Dabei nahm er nicht nur die Landwirte in die Pflicht. «Es braucht die Anstrengungen aller Akteure.» 

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