20.07.2018 10:01
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Luzern
Beschlagnahmte Rinder fast alle tot
Der Fall eines Luzerner Grossbauers sorgte für hohe Wellen. Im vergangenen Dezember wurden 31 Rinder wegen leichten bis hochgradigen Gesundheitsmängeln beschlagnahmt. Die meisten Tiere sind tot. Der Landwirt hat nur wenige Rinder zurückerhalten. Der Fall ist beim Kantonsgericht hängig.

Der Fall Ufhusen wurde schweizweit bekannt. 31 Rinder wurden wegen Lahmheiten und Infektionen im Klauenbereich am 19. Dezember beschlagnahmt. «Wir trafen vor Ort viele lahme Tiere an. Ein Teil von ihnen wies klare Anzeichen von Schmerzen auf. Die fachgerechte tierärztliche Versorgung war nicht sichergestellt», sagte Kantonstierarzt Otto Ineichen gegenüber der «Luzerner Zeitung» im Dezember. Auf 6 Höfen hatte der Landwirt insgesamt 450 Rinder eingestallt.

Einige Tiere bis März in Obhut des Kantons

Die beschlagnahmten Tiere wurden von einem Tierarzt und einem Klauenpfleger untersucht. Am 17. Januar 2018 gab der kantonale Veterinärdienst bekannt, dass einige dieser Rinder geschlachtet oder eingeschläfert werden mussten. Die restlichen, beschlagnahmten Rinder wurden weiter gepflegt und behandelt.

Wie nun die Nachrichtenagentur SDA am Donnerstag berichtet, blieben die letzten Tiere bis im März in Obhut des Kanton Luzerns. Der Gesundheitszustand hat je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedlich lang gedauert. 

Eine Hand voll Tiere

Doch nur wenige der 31 Rinder kamen wieder zum Landwirt zurück. Gemäss dem Veterinärdienst Luzern waren es eine Hand voll Tiere. Die restlichen Rinder wurden eingeschläfert oder geschlachtet. Entscheidend für das Schicksal der Tiere war die gesundheitliche Prognose. 

Nach der Rückgabe der Tiere wurden der Landwirt «in angemessener Weise nachkontrolliert», so der Veterinärdienst. Es sei darum gegangen, den rechtskonformen Zustand wieder herzustellen. Über die Kosten der gesamten Aktion machte der Kanton keine Angaben.

Fall vor Gericht hängig

Der Fall ist aber noch nicht abgeschlossen. Gegen die Verfügung des Kantons bezüglich der Beschlagnahmung und der Auflagen, legte der Halter im Juni eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein. Diese ist beim Kantonsgericht hängig, sagte dieses gegenüber der SDA.

Der Landwirt wurde wegen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Auch dieses Verfahren ist noch pendent. Muss der Halter für die Verfahrenskosten sowie die Betreuung der Tiere aufkommen, wird der erzielte Schlachtpreis angerechnet.

Landwirt hat Milchproduktion aufgegeben

Der Landwirt hat die Milchproduktion Ende Januar aufgegeben. Der Landwirt aus dem Luzerner Hinterland, der früher auch als Kieshändler tätig war, gab damals keine Gründe für die Aufgabe bekannt. Weil Abnehmerin Emmi die Milch nach dem Bekanntwerden des Falls nicht mehr verarbeiten wollte, mussten die Zentralschweizer Milchproduzenten einen anderen Absatzkanal finden. 

Die Milch wurde verpulvert und der Futtermittelindustrie zugeführt. Jeden zweiten Tag wurden 8000 Liter Milch beim Bauer abgeholt. «Über Preise, welche unsere Abnehmer bezahlen, geben wir keine Auskunft», sagte ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden auf Anfrage von schweizerbauer.ch Mitte Januar. 

«Nur so viel: wir erhalten für die Milch die üblich geltenden Preise, welche für Milch bezahlt wird, welche in den Tierfuttermittelsektor geht.» Und: «Für die Milch erhält der Milchlieferant ebenfalls den entsprechenden «Futtermittel»-Preis, minus Abzüge für Transport/Logistik und Administration.» Der Landwirt dürfte für ein Kilo Milch etwa noch zwischen 20 und 25 Rappen erhalten haben. Insgesamt dürften über 170'000 Kilo Milch in der Futtermittelkanal gelangt sein.

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