24.05.2018 12:48
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Milchproduktion
Beste Milchqualität ohne Antibiotika
Die Milchleistung nicht auf die Spitze treiben, gute Keime fördern und den Kühen eine stressfreie Umgebung anbieten – das sind wesentliche Erfolgsfaktoren, die ermöglichen, dass beim Rindvieh keine Antibiotika eingesetzt werden müssen.

Der Betrieb von Markus und Corinne Wyss in Buttwil AG ist nicht mit Hightech ausgestattet. Er beruht nicht auf dem, was im vergangenen Jahrzehnt von vielen gefordert worden ist, nämlich auf Flächenexpansion und  auf höherer Laktationsleistung. 

17-Hektaren-Biobetrieb

Aber vielleicht repräsentiert er genau das, was in Zukunft gefragt sein wird. Eine Tatsache ist: «Wir können vom 17-Hektaren-Biobetrieb leben», so Corinne Wyss, die vor allem für die 17 Swiss-Fleckvieh-Kühe verantwortlich ist. Markus Wyss kümmert sich unter anderem um die 16 Muttersäue. Eine 80-Aren-Kirschenplantage macht den Betrieb vollständig. Nun interessieren die Kühe. Denn: Wer schafft es, ohne Antibiotikaeinsatz beim Rindvieh beste Qualitätsmilch abzuliefern?

Vor wenigen Wochen erreichte Familie Wyss die Nachricht, dass sie beim Qualitätswettbewerb 2017 mit Teilnahme von 57 Biomilchlieferanten den zweiten Rang erreicht habe. Gemäss Reto Hübscher, Leiter Einkauf bei Emmi, anerkenne Emmi mit ihrem Q-Award, bei dem die Kriterien Gefrierpunkt, Hemmstoff, Keime und Zellen berücksichtigt werden, die Leistung ihrer Milchlieferanten. Welches Geheimnis steckt dahinter, das eine durchschnittliche Zellzahl von 50'000 möglich macht? 

«Nicht auf Spitze treiben»

Vielleicht ist es Folgendes: «Wir bekämpfen die Keime nicht, sondern wir fördern die guten.» Der Stall wird seit acht Jahren wöchentlich mit effektiven Mikroorganismen (EM) eingesprüht. Die Gülle und der Mist werden ebenfalls  mit EM behandelt. «Behandelte Gülle riecht viel weniger», weiss Wyss. Auch bei Klauenverletzungen kommen EM erfolgreich zum Einsatz.

EM

Effektive Mikroorganismen (EM) sind eine Mischkultur bestehend aus Organismen wie Milchsäurebakterien und Hefen. Sie haben einen günstigen Einfluss auf die Vergärung von organischen Abfällen und hemmen die Fäulnis. EM können sehr vielseitig eingesetzt werden wie beispielsweise bei der Stallreinigung, bei der Behandlung von Gülle und Mist sowie in der Fütterung. hal

Kühe müssen gesund sein, und das geht nicht, «wenn die Leistung auf die Spitze gejagt wird.» So scheut sich Wyss nicht, einige Kühe mit Stieren anzupaaren, welche negative Milchzuchtwerte haben. Stiere wie Frisco, Swindal und Rafaele werden mit dem Ziel eingesetzt, anspruchslose, nicht zu schwere und nicht zu grosse Kühe mit guten Fundamenten zu züchten. Die Kühe geben im Schnitt 6500 Kilogramm Milch und werden hauptsächlich mit Gras, Grassilage sowie mit Heu und wenig Maissilage gefüttert. 100 Kilogramm Proteinkonzentrat pro Kuh und Jahr ergänzen die Ration. 

Körper muss sich heilen

«Seit 2013 haben wir beim Rindvieh keine Antibiotika mehr eingesetzt. Wir liefern auch NOP-Milch ab», bestätigt Wyss. «Es ist nicht so, dass wir regelmässig Homöopathie einsetzen», obschon Wyss einen Kurs gemacht hat. Corinne Wyss sagt dazu: «Wenn ich Homöopathie einsetze, ist irgendetwas schon falsch gelaufen.» Solange ein krankes Tier fresse, nicht leide und ein glattes Fell habe, sei das Fieber nicht relevant, denn: «Das Fieber bekämpft die Krankheit, der Körper muss sich selber heilen.» So werden keine fiebersenkenden Mittel eingesetzt, weil diese nur die Symptome bekämpfen würden. Auffallend ist, wie ruhig sie mit den Kühen umgeht. 

Der Umgang mit den Tieren kann die Gesundheit der Tiere ebenfalls beeinflussen. Ein Schlüsselfaktor bleibt: «Für den Erfolg müssen der Betrieb, der Betriebsleiter und das Tier zusammenpassen.» Man spürt, dass dieses Dreiecksgespann auf dem Betrieb Wyss harmoniert.

NOP-Milch

NOP steht für National Organic Program, welches die Richtlinien für Bioprodukte in den USA beinhaltet. Für diese Produktion dürfen keine Antibiotika in der milch-produzierenden Herde eingesetzt werden. Wyss verkauft zum Preis von 1 Franken in geringen Mengen NOP-Milch, welche von Hochdorf verarbeitet wird. Auf Anfrage teilte Hochdorf mit, dass sie an verschiedene Schweizer Schokoladeproduzenten NOP-Milchingredienzien (Walzenvollmilchpulver, Rahm und eingesottene Butter) für die Herstellung von Schokolade liefere. Ob diese nur exportiert wird oder nicht, konnte nicht gesagt werden. Nach dem Start im letzten Jahr werde in diesem Jahr ein deutliches Wachstum der Mengen auf tiefem Niveau erwartet. hal

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