Donnerstag, 30. Juni 2022
18.05.2022 18:48
Umfrage

Braucht es einen Beitrag «längere Nutzungsdauer»?

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Von: sum/blu

Kühe mit hohen Leistungen werden später besamt. Das nützt ihrer Gesundheit, gibt aber weniger Geld vom Bund. Die  neuen Beiträge für alte Kühe ernten deshalb Kritik. Wie denkt Ihr über das neue Programm? Abstimmen und mitdiskutieren

2023 wird ein neue Direktzahlungsprogramm eingeführt. Mit dem Programm «längere Nutzungsdauer von Kühen» soll die Methanemission gesenkt werden. Mit dem Anreiz, die Kühe länger zu halten, will der Bundesrat die Stickstoffverluste jährlich um 1,3% reduzieren. Das sind umgerechnet 1270 Tonnen.

Erstmals ab 2024

Der Bundesrat definiert die Nutzungsdauer anhand der Anzahl Abkalbungen. Es zählt der Schnitt der in den letzten drei Jahren abgegangenen Kühen. Beiträge gibts bei Milchkühen mit mehr als drei und bei anderen Kühen mit mehr als vier Abkalbungen. Der Beitrag beläuft sich bei Milchkühen mit drei Abkalbungen auf magere 10 Franken pro Jahr und Kuh im Stall. Eine allfällig abschliessende Totgeburt vor dem Abgang wird aufgrund der schwierigen Kontrollierbarkeit nicht als Abkalbung angerechnet.

Jeder Betrieb mit Milch- oder anderen Kühen kann sich für den Beitrag anmelden. Es gibt keine weiteren Auflagen. Die Anmeldung ist freiwillig und erfolgt gemäss Vorgaben des kantonalen Landwirtschaftsamts gemeinsam mit den anderen Direktzahlungsprogrammen für das Folgejahr. Die Anmeldung ist erstmalig im Jahr 2023 für das Jahr 2024 möglich. Es ist keine zusätzliche Aufzeichnung notwendig. Die Daten der Tierverkehrsdatenbank (TVD) werden zu Beginn des Jahres automatisch an die Kantonssysteme übermittelt.

Das Geld für den neuen Beitrag wird den Versorgungssicherheits- und Ressourceneffizienzbeiträgen entnommen. 2025 rechnet der Bund mit Beiträgen in der Höhe von 40 Millionen Franken

Der Beitrag pro GVE beläuft sich auf (Anhang 7 Ziff.5.13 DZV):

Für Milchkühe: 10 Fr. bei durchschnittlich drei Abkalbungen und 200 Fr. ab sieben Abkalbungen.
Für andere Kühe: 10 Fr. bei durchschnittlich vier Abkalbungen und 200 Fr. ab acht Abkalbungen.

Kein Beitrag wird gewährt:
Für Milchkühe: Bei weniger als durchschnittlich drei Abkalbungen.
Für andere Kühe: Bei weniger als durchschnittlich vier Abkalbungen.
Wenn in den letzten drei Jahren keine Kuh geschlachtet wurde.

Dilemma für Hochleistungskühe

Milchviehhalter mit hochleistenden Kühen kommen in ein Dilemma. Denn es setzt sich immer mehr durch, dass eine Kuh mit 10’000kg nicht jedes Jahr ein Kalb haben muss. Vorteile einer längeren freiwilligen Wartezeit: weniger Geburten, die stets risikobehaftet sind, und weniger Risikozeiten für Stoffwechsel- und Folgeerkrankungen, ein kleineres Abgangsrisiko und eine längere Nutzungsdauer, höhere Lebenstagleistungen, einfacheres Trockenstellen mit weniger Antibiotika dank tieferer Milchmenge, weniger Kalbungen und weniger «wertlose» Milchrassenkälber, ein verbesserter Besamungserfolg.

Alex Barenco von Swissherdbook hat die Daten ausgewertet: «Betriebe mit über 7000kg Milch haben eine Zwischenkalbezeit von 392 Tagen und eine Rastzeit von 80 Tagen. Betriebe mit mehr als 10’000kg eine Zwischenkalbezeit von 415 und eine Rastzeit von 101 Tagen. Die heutigen Kühe haben eine starke Persistenz, sie können lange viel Milch produzieren.»

Alter bei Schlachtung

2020 lag der Medianwert bei den geschlachteten Kühen mit Nutzungsart Milchkuh bei 5,9 Jahren. Die Hälfte aller geschlachteten Milchkühe war dabei zwischen 54 und 92 Monate alt (die Streuung von 50 Prozent aller Stichproben – Interquartilbereich). Bei den im Jahr 2020 geschlachteten Kühen wies das oberste Quartil – 25 Prozent aller Milchkühe – bei der Schlachtung ein Alter von mindestens 92 Monaten auf – ein Viertel der Kühe waren also mindestens 7,6 Jahre alt – das unterste Quartil zeigte einen Maximalwert von 54 Monaten oder 4,5 Jahren. Minimum und Maximum lagen im Jahr 2020 bei 20 respektive 149 Monaten. lid

BLW: Gibt keine Fehlanreize

Barenco hat zum neuen Programm eine klare Meinung. «Wenn man die Sache wissenschaftlich angehen würde, sollte man die Lebenstagleistung als Indikator für dieses Direktzahlungsprogramm nutzen. Somit würden Tiere unterstützt, welche pro Kilo Milch am wenigsten Methan ausgestossen haben, doch das wäre wahrscheinlich mit Aufwand verbunden», folgert er.

Florie Marion vom Bundesamt für Landwirtschaft entgegnet, dass der Anreiz für eine verlängerte Nutzungsdauer nicht allein auf die Milchproduktion ausgerichtet sei, sondern auch auf die Mutterkuhhaltung: «Mit dem Beitrag soll ein Anreiz für eine längere Nutzung – und nicht für die Tierhaltung per se – gesetzt werden. Beim Nachweis über das Alter der Kühe, ohne Berücksichtigung der Abkalbungen, wäre das viel schlechter gewährleistet. Es ist nicht Sinn der Massnahme, Gnadenhöfe zu unterstützen.» Verlängerte Zwischenkalbezeiten hätten nur einen geringen Einfluss auf die durchschnittlichen Abkalbungen: «Es ist unwahrscheinlich, dass mit potenziellen Beitragsverlusten effektiv ein Fehlanreiz geschaffen wird.»

Was halten Sie vom neuen Produktionssystembeitrag? Geht dieser in die richtige Richtung? Oder ist dieser unnötig? Abstimmen und mitdiskutieren

Braucht es einen Beitrag für die Nutzungsdauer?
Ja, finde ich gut
27%
147
Nein, das ist unnötig
62%
331
Bin unsicher
11%
60

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5 Responses

  1. Wer ist denn auf diese blödsinnige Idee gekommen? Wahrscheinlich streicht er sich die Hälfte der 40 Millionen jährlich in die eigene Tasche…… Ich bin dafür, dass Kühe, Schweine, Esel, etc. ab sofort auch Anspruch haben auf Leistungen der AHV, IV und EO. Und selbstverständlich wird gebärenden weiblichen Wesen auch ein Mutterschafturlaub gewährt! Und auch einen Vaterschaftsurlaub muss man einführen. Mindestens 16 Wochen pro Geburt. ODER MAN STREICHT DEM BLW 3/4 ALLER STELLEN!!!!!

  2. Absoluter Schwachsinn. Aber niemand muss die Beiträge ja nehmen, jeder kann, keiner muss. Sehts als eine Möglichkeit, von den gekürzten Versorgungssicherheitsbeiträgen ein paar Franken zurückzuholen.

  3. Es gibt einfach zu viele Leute, die nichts Schlaues mehr zu tun haben. Liebe Leute vom BLW, glaubt ihr nicht auch, dass es ohne euch besser geht? Tut ihr wirklich etwas Sinnvolles, seid ihr am Abend zufrieden und müde? Es erfüllt mich mit Freude, dass ich mit meinen 300 Tonnen Milch, 30 Tonnen Weizen und 60 Tonnen Äpfeln pro Jahr viele Menschen ernähren kann. Habt ihr auch einen Berufsstolz? Falls nicht, wäre es an der Zeit sich mal zu fragen, was ihr uns ständig für neue Steine in den Weg legt

  4. Wenn Barenco wirklich Wissenschafter wäre, wüsste er, dass bei jeder Bilanzierung die Vor- und Nachgelagerten miteinbezogen werden müssen. Wie dann die Rechnung bei Hochleistungskühen aussieht, wenn die Futterzufuhr und auch die Düngerherstellung für die intensive Produktion miteinbezogen werden, ist ziemlich klar! Seine Strategie dient vor allem den Futtermittelfabrikanten und Düngerhändlern.

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