5.01.2016 06:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Braunvieh
«Braunviehpräsident war immer mein liebster Posten»
Markus Zemp tritt per Ende 2016 als Präsident von Braunvieh Schweiz zurück. In einem Interview äussert er sich zu seinem Präsidentenamt.

«Schweizer Bauer»: An der letzten DV haben Sie angekündigt, als Präsident von Braunvieh Schweiz zurückzutreten. Gibt es dazu bereits Neuigkeiten?
Markus Zemp: Nein. Vermutlich werde ich meine Nachfolge an der April-Sitzung zum ersten Mal thematisieren. Ich habe aber bereits ein Dossier erstellt, das zeigt, was es bedeutet, Präsident von Braunvieh Schweiz zu sein, welche Aufgaben man in diesem Amt hat. Es gibt Leute, die das Dossier studiert haben – das heisst, es gibt Interessenten. Wir werden im April schauen und uns die Frage stellen: Gibt es jemanden, der für den Vorstand die richtige Person ist? Macht der Vorstand eine Empfehlung an die Delegiertenversammlung?

Was beinhaltet das Präsidium alles?
Präsident von Braunvieh Schweiz zu sein, ist ein schöner, aber auch ein intensiver Job. Ich bin mindestens 60 Male im Jahr für das Braunvieh unterwegs. Man muss gerne bei den Leuten sein, das Vieh gerne haben und breit aufgestellt sein. Die politische Arbeit wird zunehmend wichtiger. Da haben wir einerseits die ASR. Andererseits gibt es zu den Tierzuchtbeiträgen immer wieder Begehrlichkeiten. Wir haben aber beispielsweise auch eine eigene Pensionskasse, wir haben Liegenschaften, wir haben Tochtergesellschaften. Einen vielseitigeren Job hatte ich in meinem Leben nie. Das Braunvieh war für mich immer mein liebster Posten. Darum habe ich ihn wohl auch so lange ausgeübt, genau seit 1999.

Kommen wir gerade zu einem Politikum. Immer wieder ist der Füllzustand der Euter an Viehausstellungen ein Thema: Euterdruck, Schmerzmittel etc. Sehen Sie da Bewegung? Oder ist alles nur ein Sturm im Wasserglas?
Das ist kein Sturm im Wasserglas. Sonst hätten wir nicht während meiner Zeit als ASR-Präsident den Ehrenkodex gemacht. Teilweise hat man es unter Kontrolle, es gibt Einzelfälle, bei denen man es nicht unter Kontrolle hat. Es gibt eine Gratwanderung zwischen internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Tierwohl. Wann der Schmerz beginnt und wann das Euter zu stark gefüllt ist, kann niemand genau sagen. Nun gibt es tatsächlich Bewegung. Es gibt eine wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema, und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat eine Sitzung zu diesem Thema einberufen. Da sagten wir: «Jawohl, wir müssen das verstärkt angehen.» Man ist auf der Suche nach einem objektiven Kriterium. Anscheinend gibt es Möglichkeiten, den Euterdruck zu messen. Was nicht geht, ist diese Entscheidung dem Richter zu überlassen. Die Branche muss dafür sorgen, dass es keine Auswüchse gibt. Sonst riskiert sie Vorschriften wie etwa das Verbot des Zuklebens von Zitzen. Das Fürstentum Liechtenstein kennt beispielsweise ein solches Verbot. Dann hätten wir nicht mehr die internationalen Standards.

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