2.07.2013 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Rudolf Haudenschild/Samuel Krähenbühl
Holstein
Dank Ehefrauen Meisterzüchter geworden
Josef Rüttimann aus Hohenrain LU mit dem Präfix Ruegruet und Rinaldo Müller aus Sarmenstorf AG mit dem Präfix Riedmuellers sind neue Holstein-Meisterzüchter. Im Interview schauen sie zurück und voraus.

«Schweizer Bauer»: Herzliche Gratulation! Was bedeutet euch der Titel Meisterzüchter?
Josef Rüttimann: Es ist das Grösste, was man als Züchter erleben darf. Für den Titel zählen Punkte für selbst gezüchtete Stiere und Kühe.
Rinaldo Müller: Der Meistertitel bedeutet mir, dass ich in der Viehzucht mit viel Fleiss vieles gut und richtig gemacht habe. Die Arbeit mit den Holstein-Kühen hat mir viel Freude und Befriedigung gegeben.

Wann habt ihr auf die Rasse Holstein gewechselt?
Rüttimann: 1971 habe ich in Deutschland auf dem Versuchsgut Hülsenberg der Firma Schaumann gearbeitet. Dort waren 1964 Holstein-Tiere aus Kanada importiert worden. So kam ich auf den Holstein-Geschmack. Anno 1975 haben wir bei Familie Zbinden in Laufen die ersten Holstein-Tiere gekauft.
Müller: Ich hatte das Glück, vor fast 40 Jahren einen ausgewanderten Berufskollegen in Kanada besuchen zu können. Überzeugt kaufte ich 1975 im Kanton Freiburg die ersten Holstein-Kälber. Kälber kosteten damals 2000 Franken, Milchkühe gar 6000 Franken.

Was waren die ersten Meilensteine auf dem Weg zum Meisterzüchter?
Müller: Mein Ziel war es, die Kühe beim damaligen Schweizerischen Verband für Künstliche Besamung (SVKB) in die Gezielte Paarung zu bekommen. Josef und ich waren dann die ersten Deutschschweizer Züchter, welche junge KB-Stiere verkaufen konnten. Mein erster positiver KB-Stier hiess Brisago und war ein Sohn von Butlerview Matador.
Rüttimann: Mein erster KB-Stier hiess Ruegruet Janik, ein Sohn von Astro Jet. Er wurde positiv nachzuchtgeprüft. Aus der gleichen Familie stammt auch aktuell Ruegruet Blaide, ein Shottle-Sohn mit Rotfaktor, der Schausiegerinnen macht. In unserem Stall kristallisierten sich bald Kuhfamilien heraus. So die Familie von Ecoffeys Chicago Queen, aus welcher der erfolgreiche Stier Questo hervorging. Die Familie von Ecoffeys Bulle-Siegerin Triple Riante hat sich auch bewährt. Danach haben Rinaldo und ich nordamerikanische Genetik über Martin Rübesam in Deutschland importiert. Eine ganz starke Linie war die Matt-Misty-Familie. Mit Champion Ezmeralda haben wir eine starke Zuchtkuh aus der Tony-Beauty-Familie importiert. Ein Meilenstein war der Kauf der kanadischen Zuchtkuh La Presentation Boy George Memo RF in Deutschland. Diese Familie haben Rinaldo Müller, Daniel Sigrist (heute in Kanada) und ich zusammen in der Schweiz weiterentwickelt. Auch Mox Kite Maryrose EX-94 stammt aus der Memo-Linie.
Müller: Meine Riedmuellers Rubens Roxy EX-94, die Mutter der KB-Stiere Montoya und Ferrari, stammte auch aus der Memo-Familie. Meinen grössten Zuchtfortschritt erzielte ich aber mit der Liberalisierung des Genetikmarkts und dem Import von Lebendtieren Mitte der 90er-Jahre. Josef Rüttimann, Stefan Käser aus Oberflachs und ich waren die Ersten, welche Lebendtiere aus Übersee importierten. So habe ich eine Luke-Tochter aus Aitkenbraek Starbuck Ada mit dem Flugzeug aus Kanada importiert. Daraus ging die Swiss-Expo-Siegerin Riedmuellers Champions Aspen hervor.

Welche Bedeutung hat für euch der Schauring?
Rüttimann: Erst im Schauring wird ein Züchter bekannt. Mit Jolt Quittance hatten wir dieses Glück. Sie hat als Rind die Swiss Expo, die Junior Expo Bulle und die Expo Bulle gewonnen und als  Erstlingskuh in Bulle die Ehrenerwähnung geholt.
Müller: Mein Ziel war immer, mit der Viehzucht Geld zu verdienen. Ich wollte deshalb Stiermütter züchten. Bei der Stierauswahl habe ich zu 70% auf Indexstiere und zu 30% auf Schaustiere gesetzt und immer auf Index Index oder SchauSchau gezüchtet. Ich gehe gerne an Ausstellungen und habe Freude daran, vorne zu stehen. Doch die Ausstellung bleibt ein Hobby für mich. Ich habe das Geld mit den Stieren verdient.
Rüttimann: Ich habe eher versucht, den Spagat zu machen. Wir haben etwa 50% auf Schau und 50% auf Index gesetzt. Wir konnten schon einige weibliche Tiere ins Ausland exportieren. Stiere zu produzieren, ist eher Glückssache.

Was sagt ihr zur Genomik?
Müller: Riedmuellers hatte jahrelang den Übernamen «Indexzüchter». Heute bin ich froh, denn meine Tiere zeichnen genomisch hoch. So habe ich mit Santos, einem Lavaman-Sohn aus Riedmuellers Mr Sam Olivia, den genomisch höchsten Stier der Schweiz mit 1546 Gesamtzuchtwert. Die Frage ist, ob wir in der Schweiz mit 15 Jungstieren pro Jahr überhaupt noch eine Chance haben. Genomstiere haben nur eine Chance aus bekannten Kuhfamilien und mit sehr hohen Gehalten.
Rüttimann: Wir brauchen nur Genom-Stiere aus bekannten Kuhfamilien, welche wir früher als Super-Sampler auch gebraucht hätten. Bei Rot setzen wir häufiger Genom-Stiere ein, weil weniger gute nachzuchtgeprüfte Stiere auf dem Markt sind.

Ihr seid mit dem Titel Meisterzüchter für euer Lebenswerk als Züchter geehrt worden. Wie wichtig waren die Ehefrauen und die Familien?
Rüttimann: Es braucht die ganze Familie, vor allem, wenn man im Schauwesen mitmacht. Wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, dann hat man viele Besucher auf dem Hof. Meine Frau Lydia musste zu Hause den Karren ziehen. Unsere Söhne Patrick und André führen zusammen den Betrieb mit 40 bis 50 Kühen und gleich viel Jungvieh. Ich habe mit 25 Jahren den Betrieb übernommen. Jetzt sind meine Söhne über 30. Und ich lasse sie jetzt machen.
Müller: Wir sind ein Dreimannbetrieb. Ich als Meister, ein Angestellter und meine Frau Hildegard. Die Leistungen der Frauen werden  zu wenig honoriert. Dank dem, dass wir zu dritt sind, konnte ich ins Ausland und die Ausstellungen besuchen. Mein Junior ist Polizist und will den Betrieb nicht weiterführen. Und wegen der Tierschutzvorschriften bin ich gezwungen, am 1.März 2014 meine Herde komplett zu versteigern. Deshalb werde ich mich mit 62 Jahren neu orientieren. So schlimm ist das nicht, denn das Leben ist ohnehin zu kurz, um nur schöne Kühe zu züchten.

Was gebt ihr den Jungen mit auf den Weg?
Rüttimann: Sie müssen durchhalten. Bald sind gute Holstein-Zuchttiere wieder mehr wert als heutige «Verbrauchskühe».
Müller: Was soll ich den Jungen erzählen? Es kommt alles billig über die Grenzen hinein. Wir brauchen einen gewissen Grenzschutz im Hochpreisland Schweiz. Die Politik ist zu schnelllebig. Ich habe deshalb das Referendum gegen die AP 2017 unterschrieben.

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