11.04.2017 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Holstein
Darling, das schöne Erbe von Dellia
DH Gold Chip Darling ist längst nicht die einzige Diva, die Roger Frossard im Schauring der Swiss Expo präsentiert hat. Die Fünfjährige hat vor ihrem Höhepunkt als Grande Championne schon einen weiten Weg hinter sich.

Roger Frossard ist ein Kuhfan und -kenner erster Güte. Gerne nimmt er an Ausstellungen teil. Sei es als internationaler Richter oder als Schaubeschicker und Vorführer. Immer wieder sorgt er für Aufsehen mit Schaudiven mit dem Präfix Ptit Cœur. Woodstock Eclipse, Performance Manceba, Iron Dirona oder Armani Barbotine als Reserve-Junior-Championne an der Europaschau in Colmar, die Frossard als Zukunftshoffnung sieht. Seaver Tabasca vertrat Ptit Cœur als Championne in Libramont, Luxemburg.

Liebe auf den ersten Blick


DH Gold Chip Darling kommt aber aus der Normandie, aus dem Stall von Krijn Dekker. «Ich richtete die Space Show in Rennes, im Westen Frankreichs. In der Klasse der erstkälbrigen Kühe war eine frisch gekalbte Zweijährige. Ich stellte sie auf den vierten Rang. Sie war leicht zu fett mit etwas wenig Rippentiefe, und ihr Fundament war nicht ganz sauber. Vermutlich hatte sie kein Strohbett. Aber sie hatte eine Top-Oberlinie, ein breites und hohes Euter mit einem ausgeprägten Zentralband und vier schönen Zitzen.»

Nach der Schau sei er nochmals durch den Stall gegangen und habe sie wieder gesehen. Er habe die Tochter des Besitzers getroffen und eher beiläufig gefragt, ob sie zu kaufen wäre. «Ja, vielleicht schon», war die Antwort. «Dann erfuhr ich, dass sie auf die legendäre Snow N Denises Dellia zurückgeht. Sie wird vermutlich nie ein Champion, aber das Dellia-Blut wäre eine Chance. Das liess mich nicht mehr los, ich weiss eigentlich auch nicht mehr weshalb.»

Darlingo und Darlinga

Nachdem sie in der Normandie Regionalsiegerin wurde, nahm Jacques Rey an der Farm Tour teil, und ich sagte ihm am Telefon, er solle die Kuh kaufen, wenn der Preis passe. Er passte. Dabei habe er gar nicht gewusst, wie sie zu melken sei, ob die Zellzahlen stimmen würden. Frossard hat den Kauf keine Sekunde bereut. «Darling ist eine aggressive Fresserin, kommt immer als Erste in den Melkstand und ist sehr umgänglich.»

Noch während der Quarantäne bei den Pferden seines Vaters sei Darling stierig geworden. «Ich besamte sie mit Doorman. Das wurde dann Darlingo, der via Select Star auch in Deutschland stark nachgefragt ist. Leider ist er Schmallenberg-Träger und kann nicht nach Kanada exportiert werden. Letztes Jahr gebar sie ein Unix-Kuhkalb, das sehr gut aussieht.» Frossard setzt ausschliesslich nur noch auf genomische Stiere. Zugekaufte Kühe sind selten geworden. Seit dem Unfall von Vater Jean-Claude im Jahr 2002 wurde der Viehhandel aufgegeben. «Sam Kalinka war ein Hochzeitsgeschenk, Savage Pasteque habe ich als hochträchtiges Rind vom Nachbarn gekauft, als dieser die Milchproduktion aufgab», erzählt Frossard.

Le Ptit Cœur

Nochmals zurück zu Darling. Ihre Ururgrossmutter ist die Vollschwester von Durham. Über Jolt und Belwood Marshall kommen wir zur Mutter Mr. Sam Darling, die in Deutschland geboren wurde. Sie wurde mit Gold Chip gespült. Daraus wurden aber nicht nur DH Darling, mit EX 94 die Schönste, sondern fünf Vollschwestern geboren. Zwei stehen noch bei Dekker in Frankreich, eine mit EX 90 ist in Holland und eine weitere in Australien. Roger Frossard war aber nie im Betrieb Dekker und hat keine Vollschwestern gesehen.

Zum Schluss noch etwas zum Präfix Ptit Cœur. Vater Jean-Claude Frossard war passionierter Pferdezüchter und an Concours sehr erfolgreich. «Wir hatten bis 40 Zuchtstuten, heute sind es noch 6.» Schon als Kind erhielt Jean-Claude den Übernamen Ptit Cœur. «Es gab Leute, die wussten nicht, wie er wirklich hiess. Alle nannten ihn le Ptit Cœur. So war es nur logisch, dass nach den Pferden auch die Kühe dieses Präfix bekamen.»

Betriebsspiegel

Audrey und Roger Frossard mit ihren drei Kindern Quentin, Margaux und Benoit sind in Les Pommerats im Jura auf knapp 900 Meter Meereshöhe zu Hause. Ihr landwirtschaftlicher Betrieb umfasst rund 60 Hektar Eigenland und 30 ha Gemeindeweide. Im 2004 umgebauten und 2015 erweiterten Laufstall stehen rund 80 Kühe und rund 150 Stück Jungvieh. Die rund 550'000 kg Milch werden zu Tête-de-Moine verarbeitet. Weiter werden 6 Zuchtstuten gehalten. Jedes Jahr werden rund 35 Zucht- und Nutzkühe verkauft. ral

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