Mittwoch, 17. August 2022
30.11.2021 16:13
Melken

Das Flotzmaul leitet Strom besonders gut

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Von: sum

Nicht immer sind Keime schuld an erhöhten Zellzahlen. Wenn die Kühe nicht mehr in den Melkstand wollen, sollte man an Kriechströme denken. Sie sind ein zunehmendes Problem und Kühe besonders empfindlich.

Erhöhte Zellzahlen in der Milch – die Grenze für die Ablieferung liegt bei 350000/ml – gelten als Hinweis auf eine Euterentzündung. Bei den Zellen handelt es sich um weisse Blutkörperchen (Leukozyten), Phagozyten und Epithelzellen aus dem Haut- und Drüsengewebe. Hohe Zellzahlwerte können laut dem Strickhof ausser zu akuten Entzündungen auch zu einer Minderung der Leistung von 1,5 bis 2,9kg Milch pro Tag führen.

Kein Wulst durch Gummi

Die Faktoren für erhöhte Zellzahlen sind vielfältig: Hitzestress im Sommer sowie Fütterungs- und Haltungsfehler werden meist als Erstes überprüft. Aber auch die Melktechnik kann Auslöser sein. Etwa, wenn Kriechströme das Melken für die Kuh zur Qual machen. Dies muss man vor allem in Betracht ziehen, wenn trotz einer Milchanalyse (siehe Kasten) kein Erreger festgestellt wird, was sogar bei der PCR-Milchanalyse geschieht. Ein wichtiger Auslöser sind dann mechanische oder chemische Reizungen des Euters durch die Stalleinrichtung oder die Melktechnik.

Wichtig ist, dass das Vakuum je nach Melkanlagentyp zwischen 40 und 44kPa liegt und dass es nicht zu Lufteinbrüchen aufgrund nicht passender Zitzengummis kommt. Die Zitzen dürfen keinen Ringwulst beim Übergang von Zitze zu Euter bilden, nicht rotblau verfärbt sein und keine Verletzungen an der Spitze aufweisen. Die Zitzengummis sind regelmässig zu wechseln, halbjährlich oder nach 2500 Melkungen, je nach Zitzengummiart, und im Zitzengummi dürfen sich keine Ablagerungen befinden. Bei Verdacht einer chemischen Reizung sollte man zudem die Dippmittelverträglichkeit überprüfen und allfälligen Kalk in den Liegeboxen korrekt einsetzen.

Proben fassen – aber richtig

Es kommt vor, dass der Zellzahlgehalt hoch ist, ohne dass Mastitiserreger wie Bakterien, Hefen oder Pilze gefunden werden. Nicht alle Erreger werden laufend ausgeschieden, deshalb machen zwei Proben mit Abstand dazwischen Sinn. Tiefer eindringende Keime können die Milchgänge der Drüsen verstopfen, sodass die ausgeschiedene Milch keine Erreger enthält. Zudem werden gewisse Erreger bei Standarduntersuchungen von Milchproben nicht erfasst.

Der Strickhof rät, sich ans Labor oder an den Tierarzt zu wenden. Eine weitere Ursache könnten Fehler bei der Probennahme sein. Wichtig ist, von jedem Viertel eine Probe zu nehmen, da die Milch aus gesunden Zitzen den Erregergehalt verdünnt. Möglich ist auch, dass der bakterielle Erreger bereits durch den Körper abgetötet wurde, die Entzündung aber anhält. Hier kann man einen Erregernachweis mit der PCR-Methode machen. sum

Zwei Pole

Wenn die Kühe den Melkstand nicht mehr betreten wollen, die Becher herunterschlagen und die Milchmenge und die Milchqualität sinken, sollte man hellhörig werden und den Melkstand von einem Fachmann auf Streu- oder Kriechströme checken lassen. Diese Problematik ist laut dem Strickhof zunehmend, alle Melkstandtypen sind betroffen, unabhängig vom Fabrikat. Die Problematik des Erdfehlerstroms kann man anhand des Prinzips einer Batterie erklären.

Diese erzeugt elektrischen Strom, wenn zwei Pole mit unterschiedlichen elektrischen Potenzialen über einen Leiter verbunden sind. Die Kuh wirkt im Melkstand als Leiter und wird vom elektrischen Strom durchflossen, wenn sie zwei Punkte mit unterschiedlichen elektrischen Potenzialen im Melkstand berührt. Eine Kuh reagiert wesentlich empfindlicher darauf als der Mensch. Zudem leitet das nasse Flotzmaul oder die Zitzenschleimhaut besonders gut.

Externe Ursachen

Das A und O sind die fachgerechte Montage der Melkanlage und eine korrekte Erdung mit einem zentralen Erdungspunkt. Die Ursachen des Fehlerstroms können allerdings auch ausserhalb des Betriebes liegen. So können beispielsweise Eisenbahnlinien oder Hochspannungsleitungen in der Nähe von 50 bis 100 m in der Erde eine elektrische Spannung verursachen.

Und Strom kann über die Erdung des Stalles im Melkstand zurückfliessen. Wenn es darum geht, Messungen durchzuführen, so sollten diese deshalb von Fachpersonen und gemäss den Weisungen des Eidgenössischen Starkstrominspektorats (ESTI) durchgeführt werden.

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