17.02.2017 11:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Das Teuerste sind Sie selbst»
Früher setzte Viehzüchter Hans Braun vor allem auf Leistung. Heute strebt er für seine Herde Effizienz und das wirtschaftliche Optimum an. Für seinen Betrieb heisst das deutlich weniger Milchleistung pro Tier und Weidehaltung.

«Früher wollte ich hohe Milchleistungen, heute will ich einen hohen Stundenlohn.» Bei Milchbauer Hans Braun aus Rothrist AG hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden. An der Milchtagung am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) in Flawil war er einer der Hauptreferenten und erklärte in einem bis auf den letzten Platz besetzten Saal, wie er es schafft, in der Milchproduktion auch heute noch einen Stundenlohn von über 30 Franken zu erzielen.

10 Jahre ohne Antibiotika

Braun realisiert dies auf seinem Betrieb unter anderem durch seine antibiotikafreie und biologische Produktion. Dies garantiert ihm den sehr guten Milchpreis von bis zu einem Franken. Gleichzeitig hält er seine Kühe grossmehrheitlich auf der kostengünstigen Weide. Braun verfolgt damit grundsätzlich das Prinzip des Optimums. «In der Produktion wollten wir so tiefe Kosten und im Verkauf so hohe Preise wie nur möglich realisieren», erklärt der Biobauer.

Und so komme auch der Tierarzt nur sehr selten zu Besuch. «Die letzte Euterbehandlung mit Antibiotika hatten wir im Jahr 2005», erklärt Braun. Aber auch bei Maschinen und Gebäuden sieht Braun weiteres Sparpotenzial. «Wenn ich eine Kuh auf der Weide beobachte, sehe ich ihr Maul als Mäher, ihren Magen als Ladewagen und ihr Hinterteil als Güllefass und das erst noch mit eigenem Antrieb.»

Ideale Weidekuh

Die grössten Kostentreiber in der Milchproduktion sind gemäss Braun allerdings weder Medikamente noch Futter. «Denken Sie daran, das Teuerste auf ihren Betrieben sind immer Sie selbst.» So riet Braun den mehrheitlich jungen Bauern, ihre Arbeitsprozesse zu durchleuchten und immer wenn möglich zu rationalisieren. Nicht umher kam Braun, auch seine Bedenken bezüglich der allgemeinen Zuchtstrategien zum Ausdruck zu bringen.

«In Zeiten, in welchen wir über Ernährungssicherheit diskutieren, müssen wir uns auch überlegen, ob wir die richtigen Kühe für eine etwaige Krise haben. Ich glaube nicht, dass wir im Fall der Fälle unseren Milchkühe noch Kraftfutter zugeben werden», so Braun, der dabei gleichzeitig seine eigene Zuchtstrategie ins Zentrum stellte: eine Widerristhöhe von 135 bis 142 cm bei einer Milchleistung von 1000 kg pro 100 kg Lebendgewicht; und das ausschliesslich aus dem Raufutter. «Die ideale Weidekuh», bilanziert Braun.

Verlässliche Partner nötig

Alles in allem rechnete Braun in Flawil vor, dass, wenn er seine heutige Produktion mit einer High-Output-Strategie vergleichen würde, er die Produktion verdreifachen, die Fläche gut verzweifachen und die Kuhzahl verdoppeln müsste, um denselben Arbeitsverdienst erzielen zu können. Auf der anderen Seite versucht Braun weiter, sich auf dem Absatzmarkt eine möglichst grosse Marge zu sichern.

«Mit unserem Hofladen, in welchem wir unsere Produkte aus ‹antibiotikafreier Produktion› anbieten, können wir einen entsprechenden Mehrpreis durchsetzen.» Zudem kann er im Rahmen des Projektes «National Organic Programm (NOP)» auch Schweizer Verarbeitern Milch zu einem Preis von einem Franken liefern. Braun erinnerte die Zuhörerschaft am LZSG bei dieser Gelegenheit ebenfalls daran, dass sie mit ihren Abnehmern einerseits wohl hart verhandeln, aber es sich mit ihnen andererseits auch nicht verscherzen sollten. «Um erfolgreich zu sein, brauchen Sie verlässliche Partner in der Wertschöpfungskette», so Braun. 

Betriebsspiegel

Die Familie Braun aus Rothrist AG führt ihren Betrieb seit über 20 Jahren nach den Richtlinien des Schweizer Biolandbaus. Man verzichte zudem gänzlich auf den Einsatz von Antibiotika. Einen Teil der Produkte verkauft man ab Hof. «Wir haben viele Ärzte als Kunden, weil sie sich der Antibiotika-Problematik bewusster sind», erklärt Betriebsleiter Hans Braun. Insgesamt setzt die Familie auf dem 44ha grosssen Lehenhof auf 3,5ha Weizen, 1,5ha GPS, 0,3ha Kartoffeln, 26,2ha Weiden/Wiesen sowie 12,5ha Ökoflächen. Zudem arbeitet Hans Braun noch als Lehrer an einer landwirtschaftlichen Schule. rab

 

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