28.11.2014 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
Den Wert der Kuh verstehen
Leo Koch und Armin Helg haben am Wanderweg von Waldkirch SG nach Bernhardzell SG einen Kuhweg mit neun Infotafeln eingerichtet. Er soll der Bevölkerung helfen, diese Tiere besser kennenzulernen und zu verstehen

Die Ostschweiz und vor allem das Fürstenland sind Kuhland. Das bedeutet, dass diese Tiere von April bis Oktober überall auf den Weiden zu sehen sind. Viele Leute nehmen sie wohl wahr, wissen aber nicht sehr viel über sie, ausser dass sie Milch geben. Dem wollte der ehemalige Bernhardzeller Leo Koch abhelfen. Er sammelte Informationen zu den Kühen und verarbeitete sie auf neun Infotafeln, die jetzt am Wanderweg von Waldkirch (Volg) nach Bernhardzell (Restaurant Adler) stehen.

Kuhsignale beachten

Den Zugang zu den Kühen fand Leo Koch über seinen Neffen Armin Helg, der zusammen mit seiner Frau Irene im Leh in Waldkirch einen Bauernhof führt. Seit rund zehn Jahren ist der pensionierte Lehrer dort regelmässig im Stall anzutreffen. Er lernte viel über die Kühe und ihr Verhalten. Ein entscheidendes Erlebnis war, als er merkte, wie unterschiedlich Kühe reagieren, wenn er auf sie zugeht.

Auch beim Gesichtsausdruck nahm er plötzlich Unterschiede wahr. «Spannend war zudem, dass heute junge Landwirte wieder vermehrt auf die Signale sensibilisiert werden, die eine Kuh aussendet», sagt er. «Sie lernen auch, wie diese zu deuten sind.»

Idee entstand beim Spazieren

So ausgerüstet war der Schritt zum Kuhweg nicht mehr weit. «Die Idee entstand, als ich in einer Gemeinde spazieren ging, die in ihrem Wappen die Krähe hat», erzählt Leo Koch. «Diese hatte einen Weg mit Informationstafeln zu diesen Tieren gestaltet. Da ich von Kühen begeistert bin, entschied ich mich, den Kuhweg in Angriff zu nehmen.» Bei der Entwicklung der Infotafeln hat sich Koch auf jene Themen konzentriert, die für die nichtbäuerliche Bevölkerung spannend sein könnten. Sein Anliegen dabei ist einfach: Je besser man etwas kennt, desto weniger kommt Angst auf. Entstanden sind spannende Infotafeln mit kurz gehaltenen Informationen und vielen Bildern.

Grundsätzlich ist eine Kuh friedlich und greift die Menschen nicht unbegründet an. Sie ist vorsichtig, aber auch neugierig und möchte ihre Umgebung kennenlernen, wenn sie sich verändert. «Wenn sie sich zum Beispiel den Menschen nähern will, so kommt sie wirklich sehr nahe», sagt Koch. «Dann kann es sein, dass sie sich auch streicheln lässt. Den Kopf hält sie dabei gesenkt mit Ohren, die auf das Neue gerichtet sind.»

Sponsoren helfen beim Finanzieren

Er erwähnt, dass man sich einer Kuh immer von vorne und langsam nähern sollte, weil sie seitlich nicht sehen kann und unsicher würde. «Nie betreten sollte man eine Weide mit Mutterkühen und ihren Kälbern, denn die Tiere sehen darin eine Gefahr für ihre Jungen und könnten angreifen.»

Bei den weiteren Themen hat sich Koch auf «Körperbau und Gesundheit«, «Milch und Euter», «Augen, Ohren, Nase», «Verdauen und Wiederkäuen» und mehr konzentriert. Für die Finanzierung des Projekts hat er Sponsoren gefunden. Geplant ist, die Tafeln ein Jahr lang stehen zu lassen. «Danach könnten sie durchaus an einem anderen Weg nochmals angebracht werden. Falls sich jemand für einen Anlass dafür interessiert, ist auch das möglich.»

Auch für Landwirte

Erfreut über die Arbeit seines Onkels ist Armin Helg, dessen Kühe auf den meisten Bildern zu sehen sind. Er ist froh, dass der Umgang mit Kühen und die Beachtung ihrer Eigenheiten an die nichtbäuerliche Bevölkerung weitergegeben wird. «Es ist eindrücklich, wie sich mein Onkel als ehemaliger Lehrer in dieses Thema eingearbeitet hat», sagt er. «Er weiss unterdessen fast mehr über die Tiere als ich selber. Durch seine Beschreibungen wurde ich zudem sensibilisiert, die Signale meiner Kühe noch besser zu beachten.»

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