29.01.2014 09:37
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
Milchvieh
Der Verzicht auf Soja beim Milchvieh ist möglich
Einen grossen Teil des in der Schweiz benötigten Eiweisses liefert Soja. Nicht notwendig ist diese Ackerfrucht für die Milchkühe. Sie sind auch mit anderen in der Schweiz wachsenden Eiweissträgern zufrieden.

«Milchkühe machen das Gras für den Menschen bekömmlich», sagte Claudio Gerwig zu Beginn des Milch-Tages am Strickhof in Lindau ZH. Er veranschaulichte damit die Bedeutung dieses Tieres, das in Bezug auf Leistung und Fütterung stetig weitergezüchtet wurde. «Mit gleichem Kapital und gleicher Arbeit können die Bauern heute mehr Milch produzieren.» Er war sicher, dass Fortschritt weiterhin notwendig ist. Dabei interessierte ihn, ob die Fütterung ohne Soja möglich ist.

Kaum Alternativen

Rudolf Marti von der Vereinigung Schweizer Futtermittelfabrikanten machte von Anfang an klar, dass er von sojafreier Fütterung nichts hält. Denn 2012 wurden in der Schweiz 76000 Tonnen Eiweisskomponenten produziert, ein kleiner Anteil davon Soja. Hingegen wurden 433000 Tonnen Eiweissträger importiert, davon 62 Prozent Soja. Marti akzeptierte zwar, dass beim Milchvieh Soja ersetzbar ist.

Doch bei Schweinen und Geflügel sah er keine Alternativen zu den Sojaimporten und sprach von «Legenden des einheimischen Eiweisses». Alternativen zu Soja wie tierische Proteine, Ölsaaten, Leguminosen usw. seien in der Praxis kaum umsetzbar, schon gar nicht in der Schweiz.

Zunehmende Nachfrage

Marti fragte sich, wie sonst als mit importiertem Soja die Tiere ernährt werden könnten, wenn der geschätzte weltweite Fleisch- und Fischverbrauch von fast 900 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2050 um das Zwei- bis Dreifache höher sei als 2010. Denn mit der steigenden Bevölkerung verdopple sich die Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln, sagte er. Wasser werde knapp.

Die Produktionsflächen könnten nur beschränkt ausgedehnt werden usw. Kaum jemand interessiere sich für die Bewältigung dieser Herausforderungen. Er setze sich vehement für eine produzierende Landwirtschaft ein und meinte damit den Weg von der Ökologie zur nachhaltigen Ökonomie.

Ohne Soja möglich

Eher zufällig in die sojafreie Fütterung rutschte Werner Frey auf seiner Betriebsgemeinschaft in Brittnau AG. Denn der Präsident der IP-Suisse Aargau ist mit seinen 60 Tieren seit 2011 bei der Produktion von Wiesenmilch dabei. «Seit dem 1. Januar 2013 sind wir verpflichtet, diese Milch sojafrei zu produzieren», sagte er. «Geplant war das unsererseits nicht, aber es funktioniert.» Seitdem setzt er die Rationen aus Grassilage, Maissilage und sojafreiem Kraftfutter zusammen.

«Wir haben in Milchleistung, Klauengesundheit, Fruchtbarkeit und Eutergesundheit keine Veränderungen festgestellt. Unsere Erfahrungen ohne Soja sind gut.» Dies umso mehr, als er für die Fütterung zwar ein bis zwei Rappen mehr einrechnen muss, für die Milch aber vier Rappen mehr bekommt.

Soja ersetzbar

Andreas Münger von Agroscope erklärte, dass für Milchvieh das Raufutter in der Regel das kostengünstigste Futtermittel sei. Man müsse aber die optimale Pansenfermentation sicherstellen. Missverhältnisse zwischen verfügbarer Energie und Protein seien zudem kaum ausgleichbar. Die schwankende Nährstoffzusammensetzung sei schwierig in den Griff zu bekommen. Er sah verschiedene Alternativen zu Soja wie Erbsen, Ackerbohnen, Süsslupine, Raps, Lein, Sonnenblumen und mehr. Sie sollten dem Kraftfutter allerdings nur in bestimmten Anteilen beigefügt werden.

Daniel Häberli als Student in Agrotechnik am Strickhof hat zusammen mit zwei Kollegen herausgefunden, dass Ganzpflanzensilage (GPS) mit Leguminosen in einer Fruchtfolge sinnvoll sein kann. Zu achten sei auf eine gute Balance zwischen Kosten, Ertrag und Gehalt sowie auf einen optimalen Gärprozess, sagte er. Maisbetonte Rationen könnten mit GPS nicht ausgeglichen werden.

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