16.02.2013 16:10
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Deutschland: Exporte von Holstein-Rindern brechen wegen Schmallenberg-Virus ein
Das Auftreten des Schmallenberg-Virus hat den deutschen Zuchtrinderexporteuren im vergangenen Jahr schwer zu schaffen gemacht. Wie der Deutsche Holstein-Verband (DHV) vergangene Woche mitteilte, konnten 2012 nur 49'940 Holstein-Zuchtrinder exportiert werden. Das waren fast 22'000 Tiere oder 30 Prozent weniger als 2011.

Für die Absatzklemme machte der DHV in erster Linie die unverhältnismässigen Einfuhrrestriktionen von Drittländern verantwortlich. Die Zahl der ausserhalb der EU-Grenzen vermarkteten Tiere sei deshalb um 42% auf 26'249 eingebrochen und der Anteil der Drittlandexporte von 63% im Jahr 2011 auf nur noch 53% im vergangenen Jahr gesunken, berichtete der Zuchtverband.

Hoffnungsschimmer

Nach seinen Angaben verringerten sich die Ausfuhren nach Marokko um etwa 6'000 Tiere und nach Ägypten um 3'000 Rinder. Zusätzlich bremste das seit längerem bestehende Importverbot der russisch-kasachisch-weissrussischen Zollunion den Handel. Die Exporte sanken im vergangenen Jahr rund 7'000 Zuchtrinder. Aktuell gebe es jedoch wieder erste positive Signale von wichtigen Abnehmerländern wie Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien, berichtete der DHV.

Zwar würden zusätzliche Handelsauflagen zum Schutz vor Einschleppung des Schmallenberg-Virus gefordert, doch seien diese praktikabel und generell erfüllbar, so dass sich ein erster Hoffnungsschimmer am Horizont zeige.

Italien wichtigster Kunde

Nach Auffassung des Deutschen Holstein Verbandes zeugt die Entscheidung der EU-Kommission, für den innergemeinschaftlichen Handel keine Handelsrestriktionen infolge des Auftretens des Schmallenberg-Virus zu dulden, von einem vernünftigen Augenmass. Schliesslich seien die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen einer Virusinfektion, ganz im Gegensatz zur Blauzungenkrankheit, gering,

Der Anteil des innergemeinschaftlichen Absatzmarktes sei aufgrund der freien Grenzen von 37% im Jahr 2011 auf 47% im vergangenen Jahr gestiegen. Allerdings mussten auch beim Verkauf von Holstein-Rindern in die EU-Partnerländer deutliche Abstriche
gemacht werden.

Wurden 2011 noch 26'705 Tiere aus Deutschland in EU-Länder vermarktet, waren es im vergangenen Jahr mit 23'691 gut 3'000 Rinder oder 11% weniger. So orderte der wichtigste Abnehmer Italien mit 7'000 Zuchttieren nur noch halb soviel wie im Vorjahr, und die Staaten in Osteuropa kauften zusammen gut ein Drittel weniger Tiere in Deutschland. Zugenommen hat dagegen der Absatz in Mitteleuropa. Unter anderem konnten mehr Holsteintiere in das Vereinigte Königreich und nach Belgien geliefert werden.

Nachfrage für Zuchtrinder ist vorhanden

Wie der DHV weiter mitteilte, sind die wichtigen europäischen Zuchtrinder-Exportnationen Deutschland, Frankreich, Niederlande und seit Herbst 2012 auch Österreich mittlerweile in gleicher Form negativ vom Schmallenberg-Virus betroffen. Der Drittlandexport von Zuchtrindern aus der EU brach deshalb im vergangenen Jahr um rund 40% ein.

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten will der Holstein-Verband den Blick positiv nach vorne richten. Tatsache sei, dass weiterhin eine hohe Nachfrage nach Zuchtrindern bestehe, um eine nachhaltige Milchproduktion in den Abnehmerländern auf- oder auszubauen. Gemeinsame Zielsetzung der deutschen Behörden, der Dachverbände und der Exportfirmen müsse es sein, den Drittländern die Verhältnismässigkeit des Risikos einer Schmallenberg-Infektion zu vermitteln.

Sollte dies gelingen, könnten die langjährigen, partnerschaftlichen Geschäftsbeziehungen zu internationalen Kunden wieder aufgebaut und intensiviert werden.

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