18.06.2018 19:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Hirtler
Uri
Die Alpauffahrt dauert zwei Tage
1200 Kühe verbringen den Sommer auf dem Urnerboden. 17 Tiere gehören der Familie Marty. Martys sind die einzigen, die die Strecke vom Urner Talboden bis zum Urnerboden zusammen mit ihren Tieren zu Fuss bewältigen.

Am Vortag vor der Alpfahrt auf den Urnerboden herrscht viel Verkehr auf der Klausenpassstrasse: Geländewagen mit Viehanhänger, der Besamer von Swissgenetics, ein Eichhof-Lastwagen, der Bus des Lebensmittelgeschäfts Simmen, Viehtransporter von Gisler und Zgraggen. 

Ein Schwatz

Unterwegs, und zwar zu Fuss, sind seit vier Uhr in der Früh  auch die Familie Marty – Pia, Nina, Karl, Toni und Alexander – sowie einige Helferinnen und Helfer. Vorfahren nennt man das: In zwei Etappen zu Fuss mit den Tieren auf den Urnerboden z Alp fahren. Am offiziellen Alpfahrtstermin sind Martys so rechtzeitig auf dem Urnerboden und verlieren keinen Alptag. 

Martys sind die Einzigen, die die Strecke vom Urner Talboden zum Urnerboden mit ihren Kühen zu Fuss bewältigen. 17 Tiere sind an der heurigen Alpfahrt dabei. Elka, die Kuh mit der grössten Treichel, geht die ganze Strecke voraus. Schön langsam, stetig vorwärts, ohne Hektik. Pia Marty hat den Picknickkorb dabei mit Schinkenbrötchen, Urner Kaffee und Coca. Während die Kühe grasen, reichts für eine Stärkung und für einen kleinen Schwatz.

Die zweite Etappe

1500 Höhenmeter sind zu bewältigen, 27 Kilometer lang ist die Strecke, oft geht’s über Asphalt, aber wann immer möglich direttissimo, also über die schnellste Route, die auf die Alp führt. Über die Witterschwanden-Gasse nach Spiringen, über die Getschwiler-Gasse nach Urigen und nach der Passhöhe über die Schneefelder Richtung Vorfrutt. Alexander Marty fährt mit dem Traktor und Viehanhänger über die kurvenreiche Passstrasse, transportiert vier Kälber und zwei Kühe. Um 13.30 Uhr erreichen Martys zusammen mit ihren Kühen das Tagesziel, die Klus.

Mittwochmorgen, 4.30 Uhr, Balm: Der Mond hängt wie ein helles Lampion über dem Clariden. Blau leuchtet der Gletscher, in den Ställen brennen Lichter. Fahrtreicheln sind zu hören, ein Sennten ist bereits unterwegs. In der Klus treiben Martys kurz vor 6 Uhr die Kühe aus dem Stall. Es ist nicht mehr weit. Nur noch ein paar Kehren, an der Jägerbalm vorbei, durch den Wald. Bei der Waldhütte zeigt sich die weite Ebene des Urnerbodens. Um 6.45 Uhr erreichen die Treiber und das Sennten ihr Ziel, die Marty-Hütte im Oberst Wang. Um 7 Uhr stehen beim Hotel Tell einige Pensionierte mit Feldstechern, kommentieren die ankommenden Sennten, kennen jeden Älpler mit Übernamen. Grüsse fliegen hin und her. Bei der Alpkäserei fahren Älpler mit Anhänger vor, liefern Milch. Um 8 Uhr öffnet der Laden. Der Alpsommer auf dem Urnerboden hat begonnen.

1200 auf der Alp

Seit dem 6. Juni sind 1200 Kühe auf dem Urnerboden, es ist  die grösste Kuhalp der Schweiz. Im Frühling ist die tägliche Milchmenge auf dem Urnerboden enorm: Von den 17000 kg Milch werden täglich 12000 kg von der Alpkäserei Urnerboden verkäst und zu weiteren Alpprodukten verarbeitet. Der Überschuss, 5000 kg Milch, wird zur Caseificio del Gottardo nach Airolo transportiert. ch

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