3.03.2017 15:44
Quelle: schweizerbauer.ch - Marcel Wipfli
Tessin
Die Championnekuh im neuen Stall
Glenn Laos von Nicola Pedrini gewann an der Swiss-Expo. Sie steht im neuen Stall in Airolo TI, der sich sehen lassen kann.

Denkt man an die Tessiner Viehzucht, dann kommt einem umgehend der Name Pedrini in den Sinn. Vater Ezio Pedrini hat viele Massstäbe in der Braunviehzucht gesetzt. Viel wurde schon über den bekannten Betrieb  geschrieben. Diesmal gibt der neue Stall, der einen wirklichen Massstab unter Braunviehzüchtern setzt, und der Sieg an der Swiss Expo einen Grund für einen Besuch.

50 Meter lang, 42 Meter breit

Auf dem Rundgang durch den 50 Meter langen und 42 Meter breiten Stall trifft man Tiere aller Alterskategorien an. So auch die Championne-Kuh der Swiss Expo. Glenn Laos importierten Pedrinis aus Österreich. Dann war Laos zu einem Züchter im Kanton Uri verkauft worden. Später kaufte man die enorm harmonische Kuh zurück. «Ich musste die Kuh haben. Eine Ausnahmeerscheinung.»

Die Nachzucht von Laos ging bisher an die ehemaligen Besitzer zurück. Laos wird eine der Favoritinnen auf den Titel an der Bruna sein. Pedrini sagt nur, dass es starke Konkurrenzgeben wird. An dieser Bruna vom 7. und 8. April  wird das Laktationsstadium wegen der geordneten Melkzeiten wichtiger denn je sein. Gut möglich, dass auch eine der anderen Topkühe von Pedrini viel Erfolg an der Bruna feiert. Sechs Kühe seien angemeldet.

Neben Schaukäserei

Der neue Stall liegt gleich neben der Schaukäserei Caseificio del Gottardo und der Talstation des Skigebietes in Airolo. Nein, eine direkte Pipeline vom Stall in die nur wenige Meter entfernte Schaukäserei habe er nicht, so Nicola Pedrini. Aber inzwischen liefert man die Milch in die Käserei. Zuvor, als man noch im alten Kuhstall in Nante oben war, hat man jahrelang die Milch zu einem grossen Teil selber verarbeitet.

«Wir waren zu gross für eine Nische und zu klein für den Markt. Die teuren Investitionen in einen Ausbau der eigenen Käserei hätten sich schlicht nicht gerechnet», erklärt der Betriebsleiter, der nun vor zwei Jahren Vaters Betrieb übernommen hat. Ohne die noch rentable Alpwirtschaft könnte man im Tessin die Milchwirtschaft vergessen, zeigt sich Pedrini überzeugt.

Bezahlung nach Gehalt

Bei 78–80 Rappen liege sein ausbezahlter Milchpreis im Winter mit reiner Bezahlung nach den Milchinhaltstoffen Fett und Eiweiss. Die guten Gehalte der Braunviehkühe von 4,1% Fett und 3,55% Eiweiss sorgen für einen guten Milchpreis. Für Pedrini genug Grund, auch in der Zucht den Gehalt nicht zu vernachlässigen. Einen Schritt in den Stall, und man fühlt sich wohl und merkt, dass es den Kühen gleich geht. Die Kuhsignale im Stall stimmen, und die Sauberkeit ist auffällig.

Saubere Böden sind wichtig. Deshalb putzt ein Roboter alle 45 Minuten den Boden. Mortellaro ist bisher auch deswegen kein Thema. Pedrini erzählt, was man alles unternommen hat, um keine Probleme im Melkstand oder sonst wo im Stall zu haben. Inzwischen ist auch einer der zwei Angestellten wieder mit der Boxenpflege, einem Dauerthema im Laufstall, beschäftigt. Pedrini erzählt wieder von seiner Zuchtarbeit. Aktuell wird vor allem mit Sperm von Biver, Phil und Blooming besamt. Einzelne Dosen von Jongleur und Calvin kommen auch noch zum Einsatz beim Eigenbestandsbesamer.

Die 48 Kühe fressen die silagefreie Totalmischration mit Heu, Emd, Luzerne, Maiskolbenschrott, Melasse, Lebendhefen und dem Kraftfutter UFA 243. Auch hier ein Roboter. Er schiebt das Futter vor.

82-Hektaren-Betrieb

Im Sommer ist der Stall leer und die Kühe auf Pesciüm im Skigebiet von Airolo auf der Alp. Vater Ezio geht auf die von der Bürgergemeinde gepachteten Alp und bringt die Milch einer Alpkäserei. Im Tal ist man dann mit der Ernte auf den rund 82 Hektaren Dauergrünland beschäftigt. Das Futter wird zusätzlich mit einem Entfeuchter getrocknet. Die Flächen sind bis 40 Kilometer voneinander gelegen. Dies sei typisch für das Tessin. So ist man von Biasca bis ins Bedretto-Tal vor allem in den Bergzonen 3 bis 4 am Heuen.

Bei der Rückfahrt aus dem Tessin wird einem klar, wie zentral in Europa der Betrieb liegt. Pedrinis sind auch deshalb oft ein Bindeglied zwischen Züchtern im Norden und  Süden. Nicola  engagiert sich wie sein Vater und Vorgänger Ezio im Vorstand von Braunvieh Schweiz.

Zum Artikel der Braunvieh-Schau an der Swiss Expo 2017.

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