27.03.2017 08:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Rust*
Braunvieh
Die fitte Eiweissrasse
Das Braunvieh soll die starke Eiweissrasse bleiben, gleichzeitig das Leistungspotenzial ausbauen und die guten Fitnesseigenschaften verbessern. Das Original Braunvieh soll weiterhin als Doppelnutzungsrasse gelten.

Eine Befragung bei den Braunviehzüchtern und Partnerorganisationen zeigte deutlich, wo die züchterischen Schwerpunkte gelegt werden sollen: Milchleistung, Eiweiss, Fruchtbarkeit und Eutergesundheit.

Hohe Leistung gefordert

Die Umfrageergebnisse zeigen eindeutig, dass vom Braunvieh ein hohes Produktionsvermögen erwartet wird. Die Milchproduktion verlagert sich zunehmend in Regionen mit guter Futtergrundlage. In diesen Gebieten muss die braune Kuh eine konkurrenzfähige Milchleistung erbringen können.

In konkreten Zahlen bedeutet dies eine Milchleistung von 8'500 Kilogramm und mehr für die ausgewachsene Kuh in der Talzone. Dieses Ziel soll neben der Leistungssteigerung auch über eine Verbesserung der Laktationspersistenz erreicht werden. Dass dieses Ziel realistisch ist, zeigen immer mehr Betriebe mit Herdenschnitten von über 9'000 Kilogramm Milch.

Mit dem Original Braunvieh steht für Betriebe mit raufutterbasierter Milchproduktion eine hervorragende Alternative zur Verfügung. Die Doppelnutzungsrasse kann eine sehr erfreuliche Entwicklung bezüglich Herdebuchzahlen vorweisen.

Eiweissrasse bleiben

Das Braunvieh ist für den hervorragenden Eiweissgehalt der Milch bekannt und geschätzt. Die hohen Inhaltsstoffe führen zu einem höheren Auszahlungspreis bei der Milch, was gerade in einer schwierigen Marktsituation enorm wichtig ist. Dieses Markenzeichen der Rasse gilt es weiter zu festigen, Ziel sind 3,5% Eiweiss.

Bruna 2017

Vom 6. bis 8. April findet in Zug auf dem Stierenmarktareal die nationale Ausstellung Bruna 2017 statt. Der Anlass findet nur alle 4 bis 5 Jahre statt. Die Bruna ist vergleichbar mit der Schweizermeisterschaft der Braunviehkühe und der Braunviehzüchter. Über 310 Elitetiere aus der Schweiz kämpfen um Titel und ermöglichen eine Standortbestimmung für die Braunviehzüchter. Eine wichtige Zielsetzung der Bruna 2017 ist die Förderung der Braunviehzucht. Mehr dazu lesen Sie hier

Neben dem hohen Eiweissgehalt zeichnet sich die Braunviehmilch auch durch den hohen Anteil des Kappa Kasein Typ B aus. Das verschafft dem Braunvieh klare Vorteile bei den Verkäsungseigenschaften. Mit der Neuauslegung des Zuchtziels wird den Fitnessmerkmalen ein grosser Stellenwert beigemessen. Fruchtbarkeit und Eutergesundheit haben eine grosse wirtschaftliche Bedeutung. Für beide Merkmale wird ein klar positiver genetischer Trend als Zielsetzung formuliert.


Hohe Nutzungsdauer

Wenn von Braunvieh-Markenzeichen die Rede ist, darf natürlich die ausgezeichnete Nutzungsdauer nicht vergessen werden. Mit der Bearbeitung der wichtigsten Fitnessmerkmale wird im gleichen Zug die Langlebigkeit gestärkt. Ein funktionelles Exterieur ermöglicht es, hohe Leistungen über viele Jahre zu erbringen. Hier bewegt sich das Braunvieh in vielen Merkmalen in einem stark positiven genetischen Trend.

Die Rahmenentwicklung beim Braunvieh soll auf dem aktuellen Niveau konsolidiert werden. Erwünscht ist eine Steigerung in der Brustbreite. Eine Zunahme der Grösse ist hingegen nicht erwünscht. Mit der Anpassung der phänotypischen Zielgrösse auf den Bereich von 140 bis 152 cm wird jedoch der Umstellung der Messung auf die Kreuzbeinhöhe anstelle der Widerristhöhe Rechnung getragen.

Bei OB wird eine kleinrahmigere Kuh angestrebt

Beim Original Braunvieh wird eine kleinrahmigere Kuh angestrebt (135 bis 145 cm). Neben einer hohen Kapazität für die Raufutteraufnahme soll der Bemuskelung als Basis der Fleischleistungsmerkmale vermehrt Beachtung geschenkt werden. Im Block Becken soll die Beckenbreite und der Ausbau der Becken berücksichtigt werden. Die Becken sollen weiterhin eine problemlose Abkalbung ermöglichen. Damit wird auch in Zukunft die grosse Mehrheit der Braunviehkälber ohne Geburtshilfe zur Welt kommen.

Ein korrektes Fundament sorgt für fitte Tiere, die ihr Leistungspotenzial ausschöpfen können. Die harten, schwarzen Klauen schaffen dazu ausgezeichnete Voraussetzungen. Bei steigender Milchleistung ist ein straffer Eutersitz sehr wichtig. In sämtlichen Eutermerkmalen besteht ein stark positiver genetischer Trend. Immer mehr Betriebe nutzen ein automatisches Melksystem. Diesem Umstand gilt es bei der Zitzenlänge (nicht zu kurz) und Zitzenverteilung hinten (nicht zu eng) Rechnung zu tragen.

*Martin Rust ist Vize-Direktor bei Braunvieh Schweiz. Der Agronom ist Fachbereichsleiter Zucht.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE