10.05.2015 08:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Die junge Geschichte der Perretens
Mit dem Titel der Miss an der Reinzuchtausstellung vor zwei Wochen in Thun und der Miss BEA an der Berner Eliteschau ist ein Bubentraum in Erfüllung gegangen. Die Besitzer von Herzog Petra gewähren Einblick.

Schon der erste Blick in den blitzblanken Anbindestall macht es klar: Diesen  Kühen und Rindern ist es wohl. Ihre beiden Betreuer scheuen auch keinen Aufwand, ihre Herde zu hegen und zu pflegen. Stephan und Jonathan Perreten aus Lauenen wissen, was sie wollen: schön gehörnte Simmentaltiere mit einem guten Gesamteindruck, vorzüglichen Typeigenschaften und Eutern und funktionellen Fundamenten. Kühe, die einen guten Appetit zeigen und einen umgänglichen Charakter haben.

Mit 5 Kühen angefangen

Sie haben schon einiges erreicht: Miss Junior mit Fabian Calanda, die beste Gruppe am Züchtercup an der Reinzuchtausstellung, die Krönung mit Herzog Petra als Simmental-Miss Senior und letzte Woche als schönste Berner Kuh an der BEA-Eliteschau. «Den ersten Erfolg hatten wir mit einer unserer Stammkühe, Whisky Lara, als Junior-Miss an der Reinzuchtausstellung 2010», sagt Jonathan, im Dorf Joni genannt.

Wer die schönen Tiere sieht, ist geneigt zu denken, dass da eine jahrzehntelange Zuchttradition dahintersteckt. Weit gefehlt. «Wir beide haben vor  15 Jahren den Betrieb mit 5 Nichtherdebuchkühen von unserem Vater übernommen», erklären sie. 2007 konnten sie die neue Scheune beziehen. Diese haben die beiden mit viel Eigenleistung erstellt.

Teilzeit-Zimmermänner

Auch dieses Know-how haben sie intus: beide haben Zimmermann gelernt. Diesem Beruf gehen sie noch heute teilzeitlich nach. «Das Holz kam von weiter unten, das Laster mit eigenem Wald haben wir zum Glück nicht. Das bringt ja eh nichts», scherzt Jonathan. Schon als Schulkinder hatten wir eigene Tiere. Mit der Zupacht von Land wurde es möglich, den Betrieb zu vergrössern.

Mit Zukäufen wurde der Grundstock der heute 17-köpfigen Kuhherde gelegt. «Das ist teilweise ein Handicap, dass wir die Vorfahren und Familieneigenschaften unserer Kühe nicht so gut kennnen», gibt Stephan zu bedenken. Aber ihre Erfolge zeigen,  dass sie aufmerksame Züchter sind. Jonathan hat zwischenzeitlich auch die landwirtschaftliche Berufsbildung hinter sich.

Perle, Herzog und Kapita

Wenn von Herzog Petra, der aktuell schönsten Simmentalkuh,die Rede ist, verweisen die beiden rasch auf ihre Grossmutter Flims Perle. Joni erzählt: «Ich habe sie als Kalb gekauft, als ich noch in die Schule ging. Es wäre schön gewesen, wenn sie unsere erste 100'000er-Kuh geworden wäre.» Leider endete ihre Karriere letzten Herbst mit 77'000 kg Lebensleistung. Auch sie war mit 555598 punktiert und hat im Stall ihre Spuren hinterlassen.

Fels Pomela und ihr letztes Kalb, Zuchtstier Bond Puma, stehen noch im Stall. Die Mutter von Petra lebt noch, steht aber nicht mehr im Betrieb. «Sie ist eine bildschöne Kuh, zeigt aber etwas viel Eutervolumen.» Sämi Herzog stand als Zuchtstier auf dem Betrieb und hat einige schöne Kühe hinterlassen. «Wir haben von ihm bei Select Star ein Samendepot gemacht.» Auch Solan Kapita, die in der Gruppe mitlief, hat eine Geschichte: Sie war ein Hochzeitsgeschenk an Stephan. «Solche Geschenke machen Freude», schmunzelt er.

Hörner müssen schön sein

Joni legt viel Wert auf schöne Hörner der Kühe. Früh müsse man damit  anfangen und sich Zeit nehmen dazu. Zuerst mit einem «Jöchli» aus Holz. Bei 2-Jährigen müsse es fast zu eng sein. «Die Spitzen wollen immer nach aussen. Ich bohre keine Löcher, sondern arbeite nur mit Klauenband und elastischen Gummischnüren», so Joni. Der nächste Männertraum? «Vielleicht ein Sieg in Lausanne oder an  der VSA in Thun.»

Der Betrieb

Der Betrieb Perreten umfasst 25 Hektaren LN, dazu die Alp Läger  mit 12 Normalstössen. Im Stall stehen 17 Simmentalkühe plus Aufzuchttiere. 50'000 kg Milch werden als Industriemilch an die Cremo geliefert. Mit dem Rest werden Kälber gemästet. Die Spätmelken-Kühe werden teils auf der eigenen Alp, die  anderen Kühe sowie die Rinder auf Alpen von zwei Kollegen gesömmert. ral

 

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