12.10.2016 13:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
St. Gallen
«Die Kühe geben freiwillig so viel Milch»
Die Kühe von Heini Stricker werden während der Olma auf dem Messegelände von einem Roboter gemolken. Der Braunviehzüchter möchte damit die Konsumenten für die Anliegen der Landwirtschaft sensibilisieren.

Im Stall von Heini Stricker in Mörschwil SG ist es in diesen Tagen aussergewöhnlich ruhig und leer. Nur noch die Galtkühe, die hochträchtigen Rinder und einige Kälber stehen auf dem bekannten Braunviehzuchtbetrieb. Die 33 laktierenden Kühe sind weg. Sie stehen seit Sonntag in einem Zelt an der Olma.

Dort werden sie – wie im heimischen Stall – mit einem Melkroboter von DeLaval gemolken. «Die Idee, an der Olma einen Laufstall einzurichten, hatten die Olmaleitung und Christian Manser, Präsident der Olma-Tierausstellung. Vor einem Jahr kamen sie damit auf mich zu», erzählt Stricker, «Anfang 2016 haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht.»

Zeigen, wie gemolken wird

Die Idee von Stricker, der nicht nur ein Top-Braunviehzüchter ist, sondern auch noch als Präsident der Olma-Tierausstellungskommission amtet, der Olmaleitung und Christian Manser: An der Olma soll den Konsumenten gezeigt werden, wie in der Schweiz mit viel Kuhkomfort auf hohem Niveau Milch produziert wird. Sie können zusehen, wie die Kühe fressen, ruhen oder sich vom Roboter melken lassen.

Für Stricker ist das ein grosses Anliegen. «Wir müssen die Bevölkerung für die Landwirtschaft und ihre Anliegen sensibilisieren», betont er, der neben der Milchwirtschaft und dem Hochstamm-Obstbau noch ein kleines Gartenbauunternehmen führt. «Die Zeiten von Ballenberg und Gotthelf, als fünf Knechte zu zehn Kühen schauten, sind vorbei. Doch auch in der heutigen Zeit fehlt es den Kühen bei uns in der Schweiz an nichts.» Oft seien die Besucher auf seinem Betrieb überrascht von der Leistung der Tiere, sagt Stricker. «Ich erkläre ihnen dann, dass die Kühe freiwillig so viel Milch geben und dafür rund um die Uhr fressen können, soviel sie wollen.»

Energiefutter im Roboter

Die Fütterung nimmt bei einer Kuhherde mit einem Stallschnitt von 10'000 kg Milch natürlich einen hohen Stellenwert ein. Stricker mischt eine Ration aus Gras-, Mais- und Rübenschnitzelsilage, Luzerne und etwas Eiweissfutter. Hinzu kommen ein Pansenpuffer, Viehsalz und Mineralstoffe. Ausgelegt ist diese Ration für rund 30kg Tagesmilch.

Am Roboter, der seit zwei Jahren im Stall steht und den die Kühe im Schnitt 2,8 bis 3 Mal pro Tag aufsuchen, erhalten sie je nach Laktationsstadium und Leistung Starter- und Energiefutter sowie Eiweiss als Lockfutter. So sind Leistungen von bis zu 14'000kg in einer Laktation möglich – und zwar, wie Stricker betont, ohne Einbussen bezüglich der Gesundheit: «Unsere Kühe kalben jedes Jahr, sie haben gesunde Klauen, und sie bringen hohe Lebensleistungen. Wir hatten schon vier 100000er-Kühe.»

Mit Mischwagen an Olma

Der Züchter ist ein engagierter Verfechter der Leistungszucht. «Ich will so viel melken, wie es ohne Einbussen beim Tierwohl möglich ist», lautet denn auch sein Ziel. Das Tierwohl  – es war auch bei der Planung der Olma-Reise von Strickers Kühe ein wichtiges Thema. So bestand der Züchter darauf, dass die Kühe in St.Gallen wie im heimischen Stall Liegeboxen statt Tiefstreu vorfinden.

Und er wird auch während der Olma selber für die Fütterung besorgt sein. Er mischt das Futter auf dem Betrieb und fährt mit dem Mischwagen nach St.Gallen. «Die Oberaufsicht bleibt bei mir, auch wenn die Tierbetreuer rund um die Uhr im Zelt sind.»

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